182 Tage on tour und die Reise geht weiter: 184 Tage
Es lebe der Koenig! 
Landeanflug auf Bangkok - schon aus der Luft sehe ich nicht nur mehrspurige, sondern auch mehrstoeckige Strassen! Nach der Zeit in Ostafrika erscheint mir das wie eine Fatamorgana.
Mit einem quietschmodernen klimatisierten Bus geht es vom Flughafen ueber diese breeeiiiten Strassen hinein in die riesen City Bangkok.

Willkommen!
Ganz Thailand scheint damit beschaeftigt zu sein alles, wirklich alles, auch den hintersten Winkel zum 80. Geburtstag des Koenigs zu dekorieren. Es lebe der Koenig - ueberall schaut einem sein Gesicht entgegen. Der Koenig, der Koenig, wir lieben unseren Koenig! Bilder, Statuen, ganze Altare haben sie fuer ihn errichtet. Seit rund 60Jahren ist er nun schon Koenig von Thailand und man fragt sich wer den ganzen Kram (inkl. aller Scheine und Muenzen) wieder einstampfen soll, wenn er denn dann mal nicht mehr der Koenig ist...

Alles erscheint entspannter, freundlicher und vor allem endlich guenstiger als in Afrika. Keiner betruegt und beluegt mich mehr oder verlangt ein Vielfaches des ueblichen Preises von mir. Ich geniesse und werde von Angeboten so dermassen erschlagen, dass ich mich fast zum uebermaessigen Essen und Shoppen genoetigt fuehle ;-) So geht nach meinem dreitaegigen Stadtaufenthalt erstmal ein grosses Paket auf die Reise nach Deutschland (mal schauen wer zuerst ankommt ;-)..).

Ich besorge mir noetige Visa fuer meine Weiterreise, verwoehne mich mit Massagen und endlich mal wieder wirklich sauberer Waesche, lasse mir fuer kleines Geld die wunderschoenen Stoffe aus Afrika beim Hinterhofschneider verarbeiten und reise dann gemuetlich weiter nach Westen zur Bruecke am River Kwai um mir das (nur wenige Tage im Jahr stattfindende) Spektakel der bei Nacht nachgespielten Geschichte der Bruecke anzuschauen. Ich habe das Glueck, umgeben von ein paar Einheimischen, auf einer Miniinsel fernab der ganzen Touristentribuenen zu sitzen und lasse mich von der ganzen Inszenierung so mitreissen, dass ich eine Gaensehaut bekomme - es ist einfach unglaublich beeindruckend!
So geniesse ich in diesem Ort ein paar Tage in einer schoenen Huette auf dem Fluss, mit Ausfluegen zu traumhaften Wasserfaellen und und und bevor es ein Stueck weiter Rtg. Sueden geht um mich dort ein paar Tage mit einem Freund am Strand zu treffen.

Meine Vorstellungen von thailaendischen Straenden sind so masslos paradisisch, dass ich wie selbstverstaendlich glaube, dass sie meinen Strand auf Zanzibar toppen koennen und so bin ich ebenso masslos enttaeuscht als ich in einem Ort lande, der mich samt Strand eher an einen Massentouriort auf Mallorca oder in der Tuerkei erinnert. Eine Bar und ein Restaurant neben dem anderen, es gibt Schnitzel, Spaghetti und Mc D. Die Menschen liegen wie die Sardinen in der Buechse am Strand und von tuerkisem Wasser und schneeweissem Sand ist die ganze Geschichte weit entfernt.
Also verbringe ich drei Tage mehr oder weniger damit mich immer und immer wieder ueber diesen unschoenen Ort und die nicht immer ansehnlichen maennlichen Westler zu entruesten, die sich von kleinen Thai-Pueppchen verwoehnen lassen und beschliesse der Kueste bald den Ruecken zu kehren und mich den Bergen im Norden von Thailand zu widmen.

Im Zug Rtg. Norden erzaehlt die kleine alte Thaifrau neben mir eifrig: "Hally Pottel die", "Hally Pottel die in 7" und es braucht eine Weile, bis mir wieder in den Kopf kommt, dass natuerlich auch die Thais das 'r' nicht sprechen koennen und sie sich offensichtlich mit mir darueber unterhalten moechte, dass Harry Potter in Teil 7 nun stirbt! Okay! dramatisch, dramatisch, versichere ich ihr und dann widmen wir uns gemeinsam ihrem Lehrbuch fuer Thailaendisch-Englisch...

Nachdem ich mir, wie es sich gehoert ;-), noch die alten Koenigsstaedte Thailands mit ihren unzaehligen Tempeln angeschaut habe, entschliesse ich mich die etwas weniger frequentierte Strecke entlang der Grenze zu Myanmar bis fast ganz in den Norden zu reisen. Endlich wird es ruhiger und ich geniesse, dass hier nicht mehr diese Touristenmassen unterwegs sind und kaum noch jemand Englisch spricht.

Ich schlender ueber die Maerkte der Einheimischen und schaue mir gefasst an, was die guten Thailander da so alles als Nahrungsmittel verkaufen: dort liegen die grossen Froesche bereits mit aufgeschlitztem Bauch, die Kaefer und Kakerlaken (oder was auch immer das sein mag) einmal roh und einmal frittiert, Voegelchen aufgehaengt in allen Groessen und und und alles was man sich vorstellen und nicht vorstellen kann...

Verzweifelt suche ich nach etwas zum Eincremen was nicht weiss macht! Die Thailaender machen wirklich alles um moeglichst weiss zu bleiben! Auf den Feldern und der Strasse laufen sie mit Sturmmasken herum um ihr komplettes Gesicht vor der Sonne zu schuetzen! Auch bei der groessten Hitze sind lange Aermel und beim Mopedfahren unbedingt noch Handschuhe angesagt! Wenn ich erzaehle, dass in Deutschland Selbstbraeunungscreme verkauft wird, schauen sie mich seeeehr unglaeubig an ;-)

Spannend wird es als ich im Grenzstaedtchen Mae Sot die Busstation suche, die garnicht so weit entfernt sein soll. Die einen schicken mich hin, die anderen zurueck, die einen nach rechts, die anderen nach links. Ich suche eine Stunde um den heissen Brei herum. Keine Ahnung wiiieee falsch ich den Namen der Busstation und den meines Zielortes ausspreche, aber absolut kein Mensch versteht mich! Ueberlege mir, ob ich mich auf den Bordstein setzen und heulen soll, muss dann aber doch anfangen zu lachen: Bloss nicht aufgeben, immer schoen weiterfragen! ... Und so kommt es dann, dass ein paar Maedels mich zwar nicht verstehen, aber jemanden kennen, der jemanden kennt, der weiss wo jemand ist, der Englisch spricht! Also auf und diesen jemanden suchen! Hat dann nochmal ein halbe Stunde gebraucht und dieser jemand konnte mir dann zwar nicht den Weg erklaeren, aber einem TukTuk-Fahrer mein Ziel und so lande ich 3Minuten spaeter - ratet wo!? - am Busbahnhof! :-)
Dort wurde ich dann mit der Tatsache konfrontiert, dass zu dem ca. 200km entfernten Ort i.d. Bergen, den ich als Ziel hatte, kein Bus faehrt, da die Strasse wohl zu schlecht sei, sondern nur eine Art PickUp und der sollte 6Stunden brauchen! Ok - ich bin aus Afrika ja noch einiges gewohnt, also auf! Und es war wunderschoen! Gestapelt vollgepackt mit Einheimischen ging es hoeher und hoeher hinauf in die Berge. Die Landschaft wird einsamer, schoener und leider wird es dann zum Abend eiiiiiisekalt, brrrrhhh...

Am naechsten Abend hockt sich beim Abendessen der Einheimische Guide 'Mr. Dear' zu mir. Er ist Karen (das ist ein Volk, dass teilweise sehr abgeschieden in den Bergen nahe der Grenze zu Myanmar lebt) und bietet mir an mit mir am naechsten Tag eine Tour auf dem Salaween River zu einem Karen-Dorf zu machen. Genau das hatte ich vor, prima :-)
So sitze ich am naechsten Tag um 7Uhr mit Mr. Dear auf dem Moped und es geht 2Std. durch die Berge. Es ist sooooo unglaublich bitterkalt, dass ich mich, eingewickelt in alles, was ich an Kleidung dabei habe, aergere, meine Handschuhe mit dem letzten Paket heimgeschickt zu haben. Der Morgennebel haengt so tief i.d. Bergen, dass man kaum etwas sieht, aber es ist wunderbar mystisch und als die ersten Sonnenstrahlen durchkommen geniesse ich die wunderschoene, wenig besiedelte Berglandschaft in vollen Zuegen.

In einem kleinen Dorf von wo aus wir auf dem Boot mit den Einheimischen den Salaween River hochfahren wollen, deckt uns Mr. Dear mit fantastischen Leckereien ein, die die Frauen am Wegrand zum Fruehstueck brutzeln.
Ist das schoen, wenn man mal jemanden dabei hat, der einem wenigstens annaehernd erklaeren kann, was man da zu essen in der Hand haelt und nicht immer erst selbst die Erfahrung machen muss, dass etwas, was man z.B. fuer in der Sonne weich gewordene Erdbeerschokoladenstueckchen haelt, in Wirklichkeit kleingeschnibbelte hellrosa Wurst ist! Das kann einem als Vegetarier schonmal unangenehm werden...

So hocken wir wenig spaeter gut verpflegt im Boot und es geht zwei Stunden den Fluss herauf. Zu unserer Rechten Thailand und zu unserer Linken Burma/Myanmar. Wenn man sich dort die friedliche, sattgruene Dschungellandschaft so anschaut, kann man sich kaum vorstellen, dass das ganze Gebiet vermient sein soll...

Im Karen-Dorf angekommen geniesse ich es, dass Mr. Dear die Sprache der Leute spricht und ich so einen Einblick in ihr Dorf, ihre Lebensgewohnheiten, die Schule, die Familien bekommen darf. Ein wunderschoener Tag :-)

So reise ich noch einige Tage weiter durch den Nordwesten Thailands und muss mich dann auf die Socken nach Chiang Mai machen, wo ich mich planmaessig Mitte Dezember mit Inga und Markus aus Norddeutschland getroffen habe um mit ihnen vier Wochen gemeinsam durch Laos zu reisen. Leider musste Ingas Rucksack unbedingt noch in Talin vorbeischauen anstatt auf direktem Wege nach Bangkok zu fliegen und so verbringen wir ungeplant ein paar Tage mehr in Chiang Mai bevor es dann voller Tatendrang auf in den Norden von Laos geht.


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Bye bye Africa 
Auf geht es Rtg. Kueste nach Dar es Salam. Nach dem einfachen Afrika erscheint die Stadt beinahe erschlagend modern und gleichzeitig unheimlich fuer mich als ich in der Abenddaemmerung dort ankomme, mich gleich der erste Taxifahrer wiedermal ordentlich uebers Ohr hauen will und der alltaegliche Kampf seinen Lauf nimmt...

Am naechsten Tag entschliesse ich mich anstatt der 11/2 stuendige Schnellfaehre, die 3 stuendige Faehre mit den Einheimischen nach Zanzibar zu nehmen. Aber auch das war wieder eine Luege und so komme ich nach ca. 7 stuendigem Geschaukel mehr oder weniger seekrank gerade recht zum Sonnenuntergang in Stone Town an und vertraue(!) einfach mal einem Einheimischen, der mich i.d. Daemmerung durch das Gassenlabyrinth (in welchem ich mich heute noch hoffnungslos verlaufen wuerde) zu einem Hostel und gleich anschliessend zum unschlagbar besten Nachtfischmarkt, den Forodhani Gardens fuehrt.
Ich schlage mir den Bauch bis zum Gehtnichtmehr mit bestem gegrillten Tintenfisch, Prawns und anderen guten Zanzibarkoestlichkeiten voll und lande dann noch auf ein Gutenachtbierchen in einer Hinterhofkneipe oder vielleicht eher gesagt im 'Wohnzimmer' (welches aus gestampftem Lehmboden umgeben von einer maroden Mauer allerdings ohne Dach besteht) einer Sippe. Dort hat es sich eine 'Mami' zur Angewohnheit gemacht die Maenner des Dorfes am Abend mit Speisen und Bier zu versorgen - und ich kann nur sagen sie trinken ordentlich! An diesem Abend habe ich meine Swaheli-Kenntnisse zur Belustigung aller Anwesenden nochmal ordentlich ausgebaut und einen Heidenspass gehabt :-)

Am naechsten Morgen muss ich der inzwischen schon verdraengten Tatsache wieder ins Auge sehen, dass ich am Vortag illegal in Zanzibar eingereist bin. Da ich recht spaet Abends mit einer Faehre ankam auf der ansonsten nur Einheimische gereist sind, hatte das 'Imigration Office' leider bereits geschlossen. Als ich mich auf den Weg machte um, wo auch immer, nachtraeglich einen Einreisestempel zu erhalten, spielten sich vor meinem inneren Auge schon die wildesten Kaempfe mit korrupten afrikanischen Beamten ab. Ich ueberlegte mir vorsichtshalber vorab wieviel ich fuer diesen daemlichen Einreisestempel zu zahlen bereit waere, da ich mich nicht fuer weitere tagelange Behoerdengaenge in Stone Town aufhalten sondern eigentlich umgehend nach Norden an einen schoenen Strand weiterreisen wollte. Nachdem ich dann ca. fuenfmal durchs Labyrinth der Stadt hin- und herverwiesen wurde und endlich einem Imigration Beamten gegenueberstand war ich so dermassen zum Kampf bereit, dass ich wahrscheinlich extrem verwirrt oder vielleicht sogar enttaeuscht geschaut habe als er mir zwar unter strengem Blick eine Ruege erteilte, dann aber ohne weiteres Murren den erforderlichen Stempel i.d. Pass drueckte und mir eine schoene Zeit auf Zanzibar wuenschte!

So erwischte ich gerade noch den fruehen Bus zum Nordzipfel der Insel und war von dem Paradies, welches mich dort erwartete, erschlagen! Der schneeweisse Strand, das tuerkise Wasser und die malerisch im Wasser ankernden einfachen Fischerboote boten ein Bild was mind. dreimal so schoen war wie ich es mir vorgestellt hatte. Leider war auch die guenstigste Unterkunft etwa dreimal so teuer wie ich es mir vorgestellt hatte, aber fuer eine Huette aus der man morgens mit Blick aufs tuerkise Meer sofort im weissen Sand steht und fuer die letzten Tage in Afrika kann man sich ja mal was goennen.

Und so sahen meine letzten Tage auf diesem Kontinent dann entsprechend entspannt aus: Mal eine Kokosnuss oder eine Ananas am Strand, seit Wochen endlich mal wieder ein gutes Buch im Schatten einer Kokosnusspalme, Schnorcheln (leider ohne Begegnung mit den Delphinen die sich dort sonst schonmal rumtreiben) und dem koestlichsten Fisch den ich jemals gegessen habe!
Am Abend leben die kleinen Lehmpfade im Dorf hinter dem Strand auf: Die Fischer bereiten ihren Fang des Tages in ollen Pfannen auf der Erde zu und verkaufen ihn dann eingewickelt in altes Zeitungspaier 'for take away' ;-). Jeden Tag gibt es anderen Fisch - was das Meer halt eben gerade so hergegeben hat - fantastisch!

Zwischendurch versuche ich mich noch mit der Geschichte des unfassbaren Sklavenhandels, der von dieser Insel aus betrieben wurde, auseinanderzusetzen. Die Menschen die, bis zur Verfrachtung ueber See, hier in Hoehlen und Kellern 'gehalten' und dann so unglaublich auf die Schiffe gepfercht wurden, dass nur wenig lebendige Fracht am Ziel ankam. Eine grauselige Vergangenheit, die einem im Duft der Gewuerze und den strahlenden Straenden der Insel fast unwirklich erscheint.

So gehen die letzten Tage schnell vorueber und mein Vorhaben die Afrikareise hier nocheinmal revuepassieren zu lassen gelingt mir nicht ganz, da ich garnicht recht realisieren kann, dass ich diesen Kontinent bald verlassen werde.

Und genauso bin ich mir immer noch im Unklaren wie ich diese Zeit hier einordnen soll...
Es war wunderbar, aber auch rau und anstrengend, unglaublich bereichernd, aber teilweise auch enttaeuschend. Die Eindruecke die ich hier von 'Dritter Welt Hilfe' erfahren habe, bzw. die Art wie die Afrikaner damit umgehen haben mich extrem desillusioniert.
Dankbar bin ich fuer all die unglaublichen landschaftlichen Impressionen, wobei mir insbesondere Uganda sehr ans Herz gewachsen ist. Und nicht zuletzt bin ich gluecklich ueber interessante und liebe Menschen die ich hier kennengelernt durfte.

Unterm Strich sind an Verlusten 500USD und zwei paar Socken ;-) zu vermelden. Bis heute kann ich mir nicht erklaeren wo und wann mir dieses Geld abhanden gekommen ist und ich hoffe, dass es jemandem in die Finger gefallen ist, der es wirklich bitter noetig hat. Insofern moechte ich diese Summe als meine diesjaehrige Afrikaspende verbuchen ;-) und es nicht weiter als Reisepanne bezeichnen. Ausserdem habe ich mich waehrend des kompletten Aufenthaltes auf diesem Kontinent bester Gesundheit erfreut und weiss das sehr zu schaetzen! Aber Afrika hat mich muede gemacht...

Nun ist es schon wieder einige Wochen her, dass ich in Dar es Salam in den Flieger gestiegen bin und mich am naechsten Tag in einer anderen Welt wiedergefunden habe: Bangkok - und dazu mehr im naechsten Bericht :-)

Jetzt wuensche ich erstmal allen Daheimgebliebenen und natuerlich auch allen Reisenden ein wunderschoenes Weihnachtsfest und einen tollen Rutsch ins neue Jahr!

Viele Gruesse (seit heute aus Laos)
Doerte

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Serengeti auf Spanisch 
Wie es der Zufall wollte begegnete ich im Hostel in Mwanza einem Spanischen Paerchen, die ich ebenfalls bereits in Uganda (auf einer Insel im Lake Bunyoni) kennengelernt hatte. Die beiden waren bereits eifrig damit beschaeftig eine dreitaegige Safari in die Serengeti und den Ngorongoro Krater zu organisieren und suchten noch Leute zum Mitreisen um diese ohnehin suendhaft teure Tour etwas guenstiger gestalten zu koennen. Hervorragend! Denn das Abklappern und Sondieren von Touranbietern gehoert eindeutig zu den Dingen mit denen ich mich auf Reisen weniger gerne beschaeftige. So musste ich einfach nur 'Ja' sagen und konnte mich dann entspannt zuruecklehnen bis es drei Tage spaeter auf eine perfekt durchorganisierte Safari ging :-)

Zu viert (die beiden Spanier, eine Englaenderin und ich) und mit einem spanischsprachigen Guide :-) hatten wir drei atemberaubende Tage. Und ganz nebenbei war endlich mal wieder Spanisch gefordert - sehr gut, dachte schon ich wuerde es auf meiner Afrika/Asien Tour womoeglich verlieren, aber so gab es die komplette Serengeti auf Spanisch und es war wunderbar! (Ich glaube hier verweise ich einfach auf die Bildergalerie Serengeti/Ngorongoro, die die Eindruecke am besten wiedergibt.) Zum Greifen nah waren wir den Tieren drei Tage und haben uns nachts im offenen Zeltcamp schonmal gefragt was passiert wenn der naechste Elefant einfach mal uebers Zelt stampft...
Unser zweites Nachtlager schlugen wir oberhalb des Ngorongoro Kraters auf. Eine wunderschoene location! Die wilden Zebras grasten im Sonnenuntergang zwischen den Zelten als wuerden sie dazugehoeren und die Elefanten kamen nur kurz vorbei um einen kraeftigen Schluck aus unserem Wassertank zu nehmen...
Weniger erfreut waren die Spanier dann nachts ueber den Besuch des Warzenschweins in ihrem Zelt. Das Schwein hat natuerlich nicht den Reissverschluss des Zelteingangs geoeffnet sondern hat sich seinen eigenen Eingang in das gute Zelt gerissen und stand den beiden dann mit seinen Hauern gegenueber! Irgendwie ist es aber gottseidank noch gutgegangen... Und ich sage nur: Lasst niemals in solch einer Gegend eure Bananen nachts im Zelt liegen - die Viehcher riechen naemlich einfach alles!

Nach einem weiteren beeindruckenden Tag im Krater wurden wir dann wieder ins wirklich Afrika entlassen und schon ging die Pruegelei mit den Buskassierern weiter, die mich samt Gepaeck aus dem Bus schmeissen wollen als ich sage, dass ich nicht bereit bin den 'Mzungo-Preis' zu zahlen, der mal wieder doppelt so hoch ist wie der Preis den die Einheimischen zahlen. Und der Kassierer besitzt doch tatsaechlich die Frechheit mir weismachen zu wollen, dass hier jeder den gleichen Preis zahlt - Mistkerl! Unser lautstarker Streit scheint eine Belustigung fuer den ganzen Bus zu sein - die Einheimischen lachen sich kaputt - sehr witzig! Aber ich habe vom letzten mal gelernt, bleibe bitterboese hartnaeckig und gewinne schliesslich. Spass macht mir das keinen.

Als wir eine Stunde spaeter mit einer Reifenpanne am Strassenrand liegenbleiben faellt mir erst auf, dass der ganze Bus mit 'FIFA 2006 GERMANY' bedruckt ist und so mache ich es mir nach diesen Streitgeschichten (die sich auf der Weiterreise mind. jeden zweiten Tag ereignen) zur Angewohnheit den Einheimischen zu erzaehlen wie freundlich wir waehrend der FIFA zu den Gaesten aus aller Welt in Deutschland gewesen sind (niemand musste bei uns den doppelten Preis zahlen!) und wie enttaeuscht ich bin, dass man mich in ihrem Land staendig beluegt und betruegt!
Und so wird es zur Regel, dass ich nach jeder boesen Auseinandersetzung als naechstes jemandem begegne, der sich ueber alles fuer seine Landsleute entschuldigt, sich ruehrend um mich kuemmert (teilweise will man mir sogar die Busfahrt als Wiedergutmachung zahlen, versorgt mich mit Essen und und und...!) und mich fast wehmuetig werden laesst, dass ich beginne so boese ueber die Menschen hier zu sprechen. 'Afrika schuettelt mich ganzschoen durch' - faellt mir da wieder ein. Auf und Ab geht es jeden Tag und das ist anstrengend!

Dennoch geniesse ich auf meiner Weiterreise den atemberaubenden Blick auf den schneebedeckten Gipfel des Kilimanjaro und entschliesse mich ein paar Tage zum Wandern in den Bergen zu bleiben, bevor ich zur Kueste durchstarte um meine wenigen noch verbleibenden Afrikatage auf Zanzibar zu verbringen.


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Karibu! Willkommen in Tanzania! 
Inzwischen ist meine Zeit in Afrika bereits abgelaufen und ich weiss, dass alle schon lange auf ein update warten. Also versuche ich den Anschluss an meinen letzten Bericht von Anfang November zu finden und wende mein inneres Auge nochmal von Asien zurueck nach Afrika... ;-)

In Rwanda bin ich am zweiten Tag am Lac Kivu entlang Rtg. Sueden gereist. Jeder hat mir von dieser Strecke abgeraten, da der 'Weg' in einem miserablen Zustand sein sollte, aber ich wollte genau diese Strecke fahren und keine andere! Also Augen zu und durch!
Und es war tatsechlich die schlimmste Strecke, die ich bisher in Afrika zurueckgelegt habe! Der Bus war so dermassen ueberfuellt, dass ich mich schon schlecht gefuehlt habe meinen Sitzplan mit niemand anderem zu teilen, waehrend alle anderen sich zu viert auf zwei Plaetzen draengten. Irgendwann habe ich einfach den kleinen Jungen, der neben mir im Gang gequetscht stand oben auf den Rucksack gesetzt, den ich auf dem Schoss liegen hatte.So fuehlte ich mich etwas mehr zu meinem Sitz berechtigt! Und der Kleine war mit dem Rucksack, den er um den Hals haengen hatte und dem Korb, den er fest in seiner kleinen Hand gekrallt hielt auch so schwer, dass ich bei den Schlagloechern nicht mehr ganz so schlimm durch den Bus geschleudert wurde, da ich ja nun mehr Ballast auf dem Schoss hatte (also nicht ganz uneigennuetzig...)

Belohnt wurde ich fuer die stundenlangen Strapazen mit einem immer wieder traumhaftem Blick von den Serpentinen (die wir hoch in den Berghaengen ueber dem Lac Kivu fuhren) hinab auf den See - sooooo schoen! Und hinab zum Ziel Kibuye schlaengelten wir uns dann im Sonnenuntergang. Es war hart, aber es hat sich gelohnt!

Dann verbrachte ich zwei schoene Tage in einem Hotel mit herrlichem Blick ueber den See und so manchesmal glaubt ich mich in Italien wiederzufinden, wenn da nicht rechts und links die armen Huetten der Einheimischen gewesen waeren, vor denen man stand sobald man das Hotel verliess...

Da Rwanda nicht ganz billig ist und ich ja auch noch genug Zeit fuer Tanzania brauchte, ging es schnell weiter nach Kigali - die Stadt die es mir dann leicht gemacht hat das Land wieder zu verlassen. Mehrere Tage bin ich keinem Tourist begegnet. Die einzigen Weissen, die ich getroffen habe waren Entwicklungshelfer und jeder fragte mich immer nur fuer welche NGO ich taetig bin...
Irgendwie hat mich in der Stadt auch kein Mensch so richtig verstanden. Selbst wenn ich mein schoenstes Schulbuchfranzoesisch ausgepackt habe und den Motorabodafahrern (hier faehrt man uebrigens mit Helm - ein ganz seltsames Bild in Afrika) auf dem Statdplan gezeigt habe wo ich hin moechte, haben sie mich meist nur fragend angeschaut... Das ist sehr muehseelig und hat mir recht schnell keinen Spass mehr gemacht.

Den Rest hat mir dann der stroemende Regen und das Genozidmuseum gegeben. Es ist sehr infuehlsam gemacht und ein guter und wichtiger Ort, aber unglaublich bedrueckend... Dennoch bin ich froh, dass ich es gesehen habe, zumal dies mein Hauptgrund war um nach Kigali zu reisen.

Ja und da sich die Grenze Ruanda/Tansania nicht so einfach nach meinem Vorstellungen ueberqueren liess (und ich nicht noch mehrere Tage fuer Experimente opfern wollte) fuehrte mich die Reise nochmal fuer einen Tag zurueck nach Uganda. Was mich dann auch ganze 50USD Transit-Visa gekostet hat - unverschaemt!

Am naechsten Tag ging es dann auf zur Grenze nach Tansania und von dort mit einem Dalla dalla (so heissen hier die Matatus) weiter zur Hafenstadt Bukoba (am Victoriasee) von wo aus ich mit der Nachtfaehre weiterfahren wollte. Leider verliess die Faehre nicht wie ich glaubte erst spaet, sondern bereits frueh abends den Hafen und so konnte ich ihr bei meiner Ankunft gerade noch hinterherwinken :-( Aber egal, so hatte ich noch etwas mehr Zeit mich mit dem Dalla Dalla Kassierer zu 'pruegeln' der mir doppelt soviel abgeknoepft hat wie den Einheimischen und mir gleichzeitig erzaehlt, dass hier jeder das gleiche bezahlt. Ooooooh: willkommen in Tansania! Das war das erstemal, da wusste ich noch nicht so genau wie energisch ich sein muss um mein Geld zurueckzubekommen und als der Kassierer mir sagte er hole mir das Geld, sprang er stattdessen nur i.d. Bus und dueste auf und davon!
Ab diesem Zeitpunkt habe ich sofort geglaubt hier wollen mich alle beluegen und betruegen. Und als mir drei Herren (die das Theater im Bus miterlebt haben) anboten mit ihnen ein Privat-Taxi zu teilen um der Faehre zum naechsten Hafen hinterherzufahren, habe ich ihnen natuerlich auch erstmal gesagt, dass ich sehr sicher bin, dass sie mich beluegen und nur irgendwie um Geld betruegen wollen, da sie mir vorher schliesslich auch nicht geholfen haben! Gottseidank waren die Herren hartnaeckig, versuchten mich zu beruhigen, mir ein wenig ueber die Menschen in Tanzania zu erklaeren und ueberzeugten mich somit, dass sie mir wirklich nur Gutes wollen und so stiegen wir gemeinsam in ein Taxi und siehe da, es gab einen weiteren Hafen und wir erwischten die Faehre tatsaechlich noch...

So weit so gut. Als ich mir den Hafen jedoch naeher betrachtete, die Ratten in der abewrackten Schalterhalle kreuz und quer liefen und ich mich inmitten, aus meiner Sicht, eher unfreundlich dreinschauender Schwarzer wiederfand, fragte ich mich weshalb ich eigentlich unbedingt mit der Faehre ueber den See anstatt mit dem Bus ueber Land fahren wollte!? Hm, irgendwie hatte ich es mir nett vorgestellt, so ueber Wasser....
Tickets gab es nur fuer die 3.Klasse (etwas anderes existiert wohl garnicht) und 3.Klasse in Afrika heisst schon einiges... Als ich die Faehre dann betrat und mich mit den Menschenmassen durch mauerhoch gestapelte Bananenstauden schob und ueberlegte wo ich mir am besten ein noch freies Plaetzchen auf dem Boden zwischen den Kakerlaken zum schlafen suchen sollte, da war ich einen Augenblick davon ueberzeugt, dass wahrscheinlich noch kein weisser Tourist vor mir auf die Idee gekommen ist mit dieser Nachtfaehre zu fahren!
Ja und so kann ich sagen, dass ich selten so uebergluecklich war einem anderen Touristen zu begegnen, wie just in diesem Moment als ploetzlich Steve,ein Englaender, vor mir stand, den ich, wie es der Zufall wollte, bereits zwei Wochen zuvor in Uganda kennengelernt hatte...

Die Nacht war nicht sonderlich angenehm, aber wenigstens nicht ganz so schlimm wie ich es mir alleine vorgestellt haette und so verliess ich am naechsten Morgen, zwar von Moskitos zerstochen, aber ansonsten ohne zu vermeldende Verluste die Faehre und stuerzte mich fuer ein paar Tage ins Leben der zweitgroessten Stadt Tanzanias: Mwanza

Wie es von dort durch die Serengeti weiterging erfahrt ihr ganz bald (versprochen!) im naechsten Reisebericht...


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Die Strassen Rwandas 
Gestern habe ich meine kleine Rwanda-Rundreise beendet und bin (gezwungenermassen) nochmal nach Uganda eingereist um heute das Land wieder Rtg. Tansania zu verlassen.
Ist hier auch alles nicht so einfach mit den Grenzueberschreitungen - da muss man schonmal einen Umweg ueber ein Drittland machen ... ;-)

Da fuer mich mein erster Tag in Rwanda besonders eindrucksvoll war, moechte ich Euch in diesem Reisebericht einfach mal diesen einen ganzen Tag mit auf die Reise nehmen...

Letzten Dienstag stand vormittags in Kisoro (Uganda) mein Motoradboda bereit um mich ueber uebelste Feldwege an den Grenzuebergang nach Rwanda zu bringen. Zwischendurch haelt er noch irgendwo im Nichts bei einer Bretterbude an um nach irgendeinem Bekannten zu suchen, der mir Rwandische Francs besorgen kann... Als dieser dann auftaucht und wir heiss ueber den Wechselkurs verhandeln, steht schnell ein ganzer Menschenpulk dicht gedraengt um uns herum, der aufmerksam verfolgt was wir verhandeln und wieviel Geld den Besitzer wechselt - also von Diskretion scheinen die noch nichts gehoert zu haben... Obwohl ich 'nur' 40USD gewechselt habe, bin ich fuer sie jetzt offensichtlich die gaaanz Reiche und jeder schreit mir entgegen: 'Give me money!' oder 'Pay for me!' Na prima, schnell weg hier kann ich da nur sagen...

Weiter geht es durch traumhafte Landschaft - wir scheinen eine ganze Kette der Virunga Vulkane zu umrunden. Ein fantastischer Blick! Aber gottseidank geht die Fahrt bis zur Grenze nicht allzulang, da die Feldwege mit komplettem Gepaeck auf dem Moped doch etwas anstrengend sind.

Der nette Bodafahrer zeigt mir dann wo ich mich auf ugandischer Seite ausstempeln lassen und wo ich in Rwanda einreisen kann. Weit und breit kein Tourist - ich geniesse das :-)
Die Deutschen sind einige der ganz wenigen, die ohne Visum nach Rwanda einreisen duerfen. Wir sind dort offensichtlich gerne gesehen und so ist der Zollbeamte auch gleich ueberaus freundlich und gespraechig. Eigentlich wollte ich schnell weiter, aber als ich aus meinem Reisefuehrer die Anschrift meiner (vermutlich) naechsten Unterkunft fuer das Einreiseformular heraussuchen will, stuerzt er sich begeistert auf das Buch, blaettert darin und erklaert mir ausfuehrlich jedes Bild und jede Landschaft die er kennt und erzaehlt und erzaehlt und erzaehlt...

Unglaublich ist der Wandel der Strasse beim Grenzuebertritt: aus dem ganz ueblen Feldweg auf ugandischer Seite wird auf ruandischer Seite schlagartig eine breite, glattgeteerte Strasse - ich bin beeindruckt! Bin ich wohl wirklich in der 'Schweiz Ostafrikas' gelandet...

Nun fahren wir wieder rechts und nicht mehr links, die Uhren werden eine Std. zurueckgestellt, man spricht Franzoesisch und die Matatus tragen ringsrum keinen blauen Karostreifen mehr, sondern einen gruenen.
Als ich in das Matatu steige, welches mich zur naechstgelegenen Stadt bringen soll, scheint mir allerdings, dass hier die ausrangierten ugandischen Fahrzeuge genutzt werden. Das Lenkrad ist immernoch rechts und die Dinger scheinen wirklich absolut auseinanderzufallen (wundert mich, dass bei all dem Rost der Boden noch nicht rausgebrochen ist... und dass die Tuer sich nicht schliessen laesst ist ja egal, man kann sie schliesslich von innen zuhalten ;-) )
Ich geniesse den Luxus vorne neben dem Fahrer sitzen zu duerfen und merke erst nach mehreren Stops, als ich mich umschaue, dass sich die Leute hinter mir zu dritt (!) uebereinander bis unter die Decke stapeln.
Da hier kaum jemand Englisch spricht, stellt der nette Herr neben mir auf die Schnelle ein Woerterbuch 'Urwanda - Englisch' mit den wichtigsten Begriffen fuer mich zusammen (super!).

Und dann tauchen sie auf, die ersten alleruebelst aussehenden Bettler. Sie starren mich bei jedem Stop unermuedlich an und betteln und betteln. Manchmal habe ich das Gefuehl sie schlagen gleich mit ihrem Stock, an dem sie durch die Gegend humpeln, durchs Fenster auf mich ein, wenn ich ihnen nichts geben. Es ist grauenvoll und ich weiss nicht wirklich wie ich mich verhalten soll...
In der naechsten Stadt nimmt mich eine handvoll dicker, schwarzer Mamis an die Hand, die das gleiche Ziel am Lac Kivu haben wie ich auch - sehr nett! Wir hocken an der Busstation und warten. Vor mir steht ein Bettler wie ich es in meinem Leben noch nicht gesehen habe: seine nackten Fuesse schauen aus wie ein Blumenkohl (hoert sich vielleicht bloed an, aber ich weiss nicht wie ich es sonst beschreiben koennte): voller verwucherter Geschwuere und Pilze. So steht er im Dreck der Staubstrasse. Ich habe keine Ahnung was das ist, aber es tut mir schon beim Hinschauen weh. Er starrt mich eine Ewigkeit an und ich weiss ueberhaupt nicht was ich machen soll. Gebe ich ihm Geld in die Hand, fuerchte ich mich anzustecken. Gebe ich ihm ueberhaupt etwas, werde ich sofort auch die anderen Scharen von Bettlern um mich herum nicht mehr los. Ignoriere ich ihn, fuehle ich mich masslos schlecht, wie ich so dasitze mit meinen gesunden Fuessen in meinen dicken, guten Wanderschuhen...
Otile (die dicke Mami) sitzt neben mir, summt, mit einem Laecheln im Gesicht, leise vor sich hin und wiegt sich hin und her. Das beruhigt mich ein wenig und ich versuche mich auf die Frauen zu konzentrieren, die alle in diese wunderschoenen afrikanischen Stoffe eingewickelt herumlaufen.

Als der Bus kommt, traegt Otile meinen kleinen Rucksack und haelt mir einen Platz frei. Ich passe kaum neben sie, so fuellig ist sie (aber auch so wunderschoen in diese Tuecher gewickelt!). Waehrend der Fahrt nimmt sie meinen kleinen Rucksack auf den Schoss und schiebt mir dafuer ihre kleine koenigsblau glaenzende Handtasche herueber. Das sei sonst doch zu anstrengend meint sie. So sitze ich da, in Wanderschuhen und Trekkinghose, mit dem Handtaeschchen auf dem Schoss. Sie ist soo suess und wir unterhalten uns immer wieder so gut es geht in gebrochenem Englisch\Franzoesisch.
Die Landschaft, die wir durchfahren, ist wunderschoen - erinnert mich sehr an Ecuador :-) Die tollen Vulkane und dann der Sturzflug hinab in Serpentinen zum Lac Kivu.
Der Busfahrer faehrt vorbildlich und ueberholt nie vor Kurven - ungewoehnlich und angenehm!

In meiner Unterkunft in Gisenye angekommen mache ich mich auf den Weg zur Bank um mein Wochenbudget (150USD) ganz offiziell in Rwandische Francs zu wechseln. Auch hier bin ich mit der Rechnung des Bankangestellten nicht einverstanden und jetzt wird es schwierig das ganze in Franzoesisch auszudiskutieren. Also schlage ich vor die Schlange an Leuten hinter mir vorzulassen, damit sie nicht alle so lange warten muessen. Diese verstehen mich allerdings falsch, kommen alle zu mir, schauen mein Geld und die Umrechnung an um dann zu diskutieren was man da machen koennte. Da wird es mir nun definitiv zu dumm, ich reissen ihnen meinen Kram aus der Hand und sage nochmal ganz energisch, dass ich sie lediglich vorlassen will! Auch das verstehen sie falsch und verlassen alle schlagartig die Bank um vor der Tuer zu warten! Einer schaut noch um die Ecke und fragt ganz bedroeppelt ob das nun ok fuer mich sei!? Oh mein Gott, jetzt wird's peinlich! Schnell erledige ich den Kram und mache mich aus dem Staub.

Lt. Reisefuehrer soll Gisenye eine wunderschoene Uferpromenade haben. Ich verspreche mir mal nicht zuviel, da ich mit meiner europaeischen Vorstellungskraft in Afrika bisher nicht weit gekommen bin. So laufe ich durch die breiten Staubpisten der Stadt und finde, dass alles sehr einfach und uebel ausschaut. Und all die Menschen auf der Strasse starren mich an oder bleiben stehen und laufen dann langsam hinter mir her. Bleibe ich stehen, bleiben sie auch stehen, gehe ich weiter, gehen sie auch weiter. Hm, das gefaellt mir nun nicht so gut... Aber dennoch komme ich so nach einer Weile am Seeuefer an und staune ueber eine mittelpraechtig geteerte und von Palmen gesaeumte Strasse die am Ufer entlangfuehrt! Dazu ein Sandstrand und viele Kinder die im Wasser toben.
Gerne wuerde ich mich dort eine Weile hinsetzen und geniessen, wenn mich nicht alle so fuerchterlich anstarren wuerden! Da entdecke ich am benachbarten Strandabschnitt das noble 'Serena Hotel' mit Strandliegen und Sonnenschirmen und selbstverstaendlich darf ich als 'Mzungo' eintreten, mich auf einer Liege breit machen und mich mit Kaffee etc.bedienen lassen. Manchmal braucht man auf solch einer Reise einen Rueckzugsort dieser Art. Es ist so schoen wie abartig! Vom Strand nebenan rufen die schwarzen Kinder herueber, denen der Eintritt hier verboten ist und ich denke nur: 'Die werden mich abstechen, wenn ich i.d. Daemmerung wieder zuerueck in den Ort laufe...'
Es ist unvorstellbar welche Tueren einem die Hautfarbe oeffnet!
Ich liege am Strand, zu meiner Rechten die Stadt Goma der Demokr.Republ.Congo fusslaeufig erreichbar und vor mir, auf der anderen Seite des Lac Kivu diese endlose Bergkette des Congo. Es ist alles sehr beeindruckend und ich kann es mir nicht verkneifen bis zum wunderschoenen Sonnenuntergang zu bleiben um dann den unangenehmen Weg zurueck in meine Herberge auf mich zu nehmen. Und ganz ehrlich fuehle ich mich von den Jugendlichen bedroht, aber das kommt davon wenn man viel Geld von der Bank mit sich herumschleppt und in noblen Hotels Kaffee trinkt - selbst schuld!

Ja, an diesem ersten Tag in Rwanda habe ich die Kluft zwischen arm und reich als erschreckend empfunden und auch mich selbst hat es dazwischen hin und her gebeutelt.

Auch nach einer Woche habe ich das Land noch nicht so richtig geniessen koennen, aber mehr dazu im naechsten Reisebericht, denn jetzt muss ich mich auf die Socken machen um herauszufinden wo mein Bus Rtg. Tansania die Stadt verlaesst!

Also bis bald aus Tansania
Doerte

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