182 Tage on tour und die Reise geht weiter: 184 Tage
Oh wie schoen ist die Perle Afrikas: Uganda 
Es ist soweit: nach 21/2 Wochen Afrika nehme ich mir einen Nachmittag Zeit um euch endlich an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen. Die Internet Verbindungen sind miserabelst und somit beschwerlich....
Heute sitzte ich wohl an einem der schoensten Orte Kampalas, mein neues 'zuhause' :-) Ein lauer Mittagswind weht und ich geniesse, mit Palmen im Vordergrund, einen traumhaften Blick ueber den Victoriasee.

Aber von vorne...
Von den bei uns in Deutschland gezeigten Ueberschwemmungen weit und breit keine Spur. Einzig und allein der Victoriasee lag uns mit seiner unglaublichen Wassermasse beim Landeanflug auf Entebbe zu Fuessen. Die Ankunftshalle glich eher einer Bretterbude und ich war gluecklich, dass es bei der Ausstellung des Visums keine Probleme gab.
Und bereits auf der Fahrt von Entebbe ins Hostal nach Kampala habe ich die Farben Ugandas ins Herz geschlossen: tief saftig gruene Landschaft durchzogen von Pisten aus leuchtend rotbrauner Erde. Dazu entweder strahlend blauer oder mystisch wolkenverhangener Himmel und immer wieder der tiefblaue Victoriasee und natuerlich die teilweise so wunderschoen farbenfroh gekleideten Menschen.
Das Klima war nach der beinahe unertraeglichen Hitze in Dubai eine Wohltat. Die Luft hat mich gleich an Ecuador erinnert - und genauso ist es hier: morgens Fruehling, mittags Sommer, nachmittags Herbst und abends Winter - Aequatorklima halt...

Meine erste Fahrt direkt i.d. City Kampala hat mich dann fast das Fuerchten gelehrt: Man haelt die Matatus (Sammeltaxis - wie VW-Buesschen) am Strassenrand an und hofft dorthin zu gelangen wo man hin moechte. Das hat schonmal geklappt, aber als ich dann am Matatusammelpark in Kampala stand und auf dieses unendlich unglaubliche Chaos hunderter von Matatus blickte und mich fragte wo da das System steckt, bzw. wie ich hier ein Matatu finden soll, was mich wieder Richtung Hostel bringt, da war mir fast schon klar, dass es mir unmoeglich sein wird alleine in Uganda zu reisen, weil ich zwangslaeufig in diesem Chaos untergehen muesste und niemals, niemals meinen Weg zu einem bestimmten Ziel finden wuerde.... Die Menschen die man auf der Strasse nach dem Weg fragt sind zwar meist recht hilfsbereit, aber spricht man fuenf verschiedene Menschen an, bekommt man fuenf verschiedene Wegbeschreibungen und kommt lange nicht ans Ziel. Bin ich etwa in Asien? frage ich mich da hin und wieder...
Geht man in Kampala dann wirklich mal unter, gibt es leider keine Taxis wie wir sie kennen, die einen zur Not ans gewuenschte Ziel bringen wuerden - nein, es gibt lediglich Moped-Bodas. Das sind kleine Motorradtaxen, von deren Benutzung innerhalb Kampalas ich jedem Menschen, der Wert auf den Erhalt seiner Beine legt, dringend abraten moechte! Es faellt mir schwer das Verkehrsbild dieser Stadt in Wort zu fassen, aber vielleicht reicht es wenn ich schreibe, dass sich die Vehikel rasant und in Millimeterarbeit aneinander vorbeimanoevrieren und man selbst als Fussgaenger oft nur mit eingezogenem Bauch einen Weg durch den Verkehr ueber die Strasse findet und am besten dem jeweiligen Fahrer im Vorbeigehen noch schnell auf die Motorhaube schlaegt, damit er beruecksichtigt, noch eine halbe Sekunde zu verharren, damit ein Mensch die Strasse passieren kann! Es ist unglaublich!

Nun ja, inzwischen hat mich meine Reise ein drittes Mal nach Kampala gefuehrt, ich habe gelernt mich in der Stadt zu bewegen, habe begriffen, dass mir im Chaos niemand etwas Boeses tut, bin kein einziges Mal 'untergegangen' und stolz darauf ;-)

Meine erstes Ueberlandreiseziel in Uganda war der Murchison Nationalpark. Um mich vorsichtig voranzutasten war dies ein Dreitagestripp mit einer kleinen netten Truppe. Uebernachtet haben wir im Park in Zelten auf einer Anhoehe mit fantastischem Blick ueber den Albertnil. Zum ersten Mal in meinem Leben sind unzaehlige Giraffen an mir vorbeispaziert, vor den Warzenschweinen im Camp mussten wir uns in Acht nehmen, die Nilpferde mit ihren Jungen sind ab und zu traege aus dem Nil aufgetaucht um einen Blick zu riskieren, die Bueffel blickten uns aus riesigen Herden interessiert entgegen, die Elefanten haben sich etwas rar gemacht, aber dafuer tapsten drei Loewenbabies direkt vor uns herum und sogar die Loewin konnten wir irgendwann entdecken - ein wirkliches highlight! Waehrend einer Nilfahrt zu den wuchtigen und wunderschoenen Murchison Falls lagen die Krokodile traege am Ufer und unzaehlige verschiedener Vogelarten in den wildesten Farben waren zu sehen.

In diesen drei Tagen habe ich dann auch Tanja kennengelernt, deren Freund fuer die Konrad-Adenauer-Stiftung in Kampala taetig ist und deren Haus mit fantastischem Blick ueber den Victoria See nun mein 'Kampala-zuhause' geworden ist. Gut geht es mir :-)

Aber natuerlich wollte ich mich auch bald alleine weiter vorantasten und so bin ich fuer ein paar Tage nach Westen in Rtg. kenianische Grenze gereist. Wunderschoen ist Uganda und ich geniesse die Landschaft waehrend vieler Bus- und Matatustunden und bin bisher jedesmal ausnahmslos die einzige Weisse auf all den Fahrten. 'Mzungo, Mzunge!' (Weisse, Weisse!) rufen die Leute aus allen Ecken und die Kinder kommen aus den letzten Winkeln a.d. Strasse gerannt, winken und selbst die Kleinsten unter ihnen quietschen 'How are you, how are you?'

Manchmal geht es nur noch in kleinen PKW-Sammeltaxis weiter und ich frage mich weshalb wir nicht endlich losfahren als wir zu sechst im Wagen sitzen. Ach so, natuerlich, wir warten auf weitere Pasagiere! Erst als der Beifahrersitz mit drei Mann belgegt ist und wir hinten zu fuenft sitzen, geht es los. Fuer meine Arme ist rechts und links kein Platz mehr, ich halte sie einfach waehrend der 11/2 stuendigen Fahrt ueber den Kopf, versuche noch irgendwie zu atmen und bewundere die Einheimische neben mir, die noch ausgesprochen elegant dasitzt.
Puenktlich um 15:30Uhr beginnt es in Stroemen zu regnen und wir stellen fest, dass sich die Fenster des Wagens nicht schliessen lassen... Scheibenwischer? Gibt es, aber wohl lediglich zur Deko.

Fuer zwei Tage gehe ich auf den Mt. Wanaale. Schlafe in einer Banda (Huette mit Strohdach), geniesse die Ruhe und den traumhaften Blick hinab auf das kleine Staedtchen Mbale. Begriffe wie Strom und fliessend Wasser werden schnell zu Fremdwoertern und ich lerne mich mit einem zu knapp einem Drittel gefuellten Wassereimer und einem Becher zu duschen und mir die Haare zu waschen. Der Erloes der Uebernachtungen kommt den Beduerftigen in dieser Berggegend zugute, d.h. insbersondere alleinerziehende Muetter, die dann z.B. eine Ziege erhalten. Bettelarm sind die Menschen. Familien mit 6Kindern werden als 'Kleinfamilie' bezeichnet - das ist unglaublich! Die Kindersterblichkeit liegt bei 15%. Die meisten Menschen sterben an AIDS oder Malaria.

Weiter geht es noerdlich zu den Sipi Falls und da ich scheinbar antizyklisch zu den anderen wenigen Backpackern in Uganda reise, habe ich ein ganzes Hostal fuer mich alleine, sitze im Garten vor meiner Huette und geniesse den Blick auf die Wasserfaelle waehrend ich meine weitere Reise plane.
Auf meinen weiteren Stationen merke ich, dass hier ein Entwicklungshilfeprojekt das naechste jagt und die Leute es nicht als Starthilfe i.d. Selbststaendigkeit, sondern wohl eher als selbstverstaendlich andauernde Unterstuetzung seitens der Mzungos ansehen. 'Fuer die medizinische Versorgung sind die Mzungos zustaendig.', 'Die Strasse bauen die Mzungos.' und und und. Viele, viele Stunden verbringe ich damit darueber nachzudenken...

Gute Strassen gibt es wenige. Hat es geregnet, sind die halbmeter tiefen Schalgloecher und Furchen nochmal ordentlich ausgespuehlt und ist es trocken, verstaubt man auf den rotbraunen Erdpisten so sehr, dass man am Ende des Tages glaubt eine gesunde Farbe bekommen zu haben, nach einer Waesche dann aber merkt, dass es doch wieder nur Dreck war ;-)
Moechte man etwas mit kompletten Reisegepaeck innerhalb einer kleinen Ortschaft nicht fusslaeufig erreichen, gilt es sich von der Vorstellung zu loesen, man koenne mit einem grossen Rucksack hinten und einem kleinen Rucksack vorne nicht auf einem Motorrad-Boda oder (wie es sie stattdessen auch haeufig gibt) auf einem Fahrrad-Boda (sprich a.d. Gepaecktraeger) mitfahren. Es geht! Und wie es geht! Koennen die Einheimischen ganze Moebelstuecke auf diesen Bodas transportieren, dann ich jawohl auch locker mein Gepaeck!

Ja, so laesst es sich in Uganda reisen und ich geniesse es sehr!
Vor meiner Rueckkehr nach Kampala habe ich letzte Woche noch die 'Quelle des Nil' besucht. Das ist die Stelle an welcher der Nil dem Victoria See entweicht. Um an die 'wichtige' Stelle zu gelangen hielt ich 10EUR zum Chartern eines Bootes fuer entschieden zu viel und so hatte ich ganz besonders viel Spass dabei mir mit ca. 40Schulkindern ein Boot zu teilen und die Stelle zu entdecken an welcher angeblich der Nil hochsprudelt (sehr spannend). Ich freue mich, dass der Bootsfuehrer soweit alles im Griff hatte und wir trotz 40wildester Kinder nicht gekenntert sind!

Da dies evtl. mein letztes Wochenende in Kampala sein wird, musste ich gestern mit den Maedels unbedingt noch ins geruehmte Kampala-nightlife hineinschnuppern.
Wie auch immer, fanden wir uns auf einer Party von Mitarbeitern der deutschen Botschaft wieder und somit auch in Gesellschaft des, ueberaus unsympatischen, deutschen Botschafters. Ansonsten als Gaeste lauter Mzungos aller moeglichen Hilfsorganisationen. So sieht also das Leben der Entwicklungshelfer aus.... Auch darueber werde ich noch lange nachdenken.... Verlaesst man die Party, die wirklich nicht von schlechten Eltern war, schiebt man sich die Auffahrt hinunter an Unmengen an Jeeps vorbei, die Aufschriften tragen wie 'Brot fuer die Welt'. Ich kann es nicht anders sagen: ein sonderbares Bild...
Nach dieser Party beschlossen wir uns dann noch ins wirkliche Kampala nightlife zu stuerzen - und was soll ich sagen: es hat sich gelohnt :-)
Und so kann ich nach einem Erholungstag morgen in aller Fruehe die Stadt wieder verlassen und gen Sueden reisen um am Mittwoch dem ungeschlagenen Highlight, meinem Besuch bei den Berggorillas entgegenzublicken :-)

Auch wenn es nicht den Eindruck macht, aber ich habe versucht mich kurz zu fassen und konnte hier nur einen kleinen Bruchteil meines bisher Erlebten wiedergeben. Unendlich vieler kleiner spezieller Ugandischer Anekdoten gaebe es noch zu berichten, vielleicht aber erst wenn ich naechstes Jahr wieder in Deutschland bin ;-)

Jetzt erstmal viele Gruesse aus Uganda
Doerte, die sehr gluecklich ist hier zu sein und die schon ueberlegt, dass man eigentlich mehr als nur zwei Monate fuer Ostafrika braucht...


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