182 Tage on tour und die Reise geht weiter: 184 Tage
Berggorillas auf der Suedhalbkugel 
Letzten Montag habe ich den Aequator ueberschritten und gruesse nun von der Suedhalbkugel :-)

Gut, dass ich puenktlich um 5:3Uhr im Dunkeln mein Kampala-zuhause verlassen habe und bereits um 6Uhr im Bus sass, der seinen Motor (wie sich das gehoert) bereits gestartet hatte. Geplante Abfahrtzeit 6:30Uhr. Ich war hundemuede, konnte aber leider kein Auge zutun, da der Fahrer wild agressiv immer wieder den Motor aufheulen lies und den Bus ruckartig die wenigen freien Millimeter Platz zum naechsten Bus vor uns vorschoss um den Passanten zu zeigen wer hier der Staerkere ist und um weitere Fahrgaeste zu gewinnen.
Nach mehreren Motorreparaturen und offensichtlich endlich ausreichend geladenen Passagieren verliessen wir geg. 8Uhr Kampala (also nicht ganz planmaessig...).
Noch weniger planmaessig war die Ankunftszeit in Buhoma (Bwindi National Park) die sich wundersamer Weise von 15Uhr auf 19Uhr verschob. Na ja immerhin noch nicht stockduster, so dass das es mir in dieser Gegend ohne Strom noch moeglich war eine Unterkunft zu finden.
Und eigentlich sollte ich froh sein ueberhaupt angekommen zu sein - nennt man diese Busgesellschaft 'Gateway' doch auch 'Gateway to hell'... Und dennoch eine der bevorzugten Busgesellschaften innerhalb Ugandas und die einzige die Kampala mit Buhoma verbindet. Und schliesslich waren es die Matatus die rechts und links im Strassengraben lagen und nicht wir!
Bemerkenswert auch, dass die Busse nicht zwei und zwei, sondern zwei und drei Sitze in einer Reihe haben, was eine 13stuendige Busfahrt zwar komfortabler als eine 11/2stuendige Matatufahrt macht, sitzt man allerdings am Fenster, fungiert man automatisch als Mittelsmann zwischen den Essenverkaeufern, die bei jedem kurzen Stop sofort ihre Chapatis, Matoke, Fleisspiesse, gebratene Bananen, Kuchen, Getraenke und und und anbieten, und den Sitznachbarn. Das an sich ist noch nicht tragisch. Faehrt der Bus jedoch los bevor der Verkaeufer das Wechselgeld durchs Fenster hineingereicht hat, dann kann die Situation schon mal haarig werden...
Na ja, wenn man die befestigte Strasse erstmal hinter sich gelassen hat und 5Stunden Schlagloch Schlammpiste vor sich hat, dann sitzen frueher oder spaeter sowie jeder jedem auf dem Schoss, da man so dermassen hin und hergeschleudert wird, dass man von Anschnallgurten traeumt und nur hofft nicht zu feste mit dem Kopf gegen die Scheibe oder sonstwas geschleudert zu werden um keiner Gehirnerschuetterung zu erliegen. Ich weiss wenigstens woher die blauen Flecken stammen die meinen Koerper zieren ;-)

Gottseidank habe ich einen Tag Erholung von dieser Busfahrt eingeplant bevor es auf Gorillapirsch ging - oh man, war das aufregend!
Jeder erzaehlte mir, dass es Stunden ueber Stunden Trekking auf ausgesprochen unwirtsamem Gelaende (unter Umstaenden bei stroemendem Regen) durch die Waelder bedeuten koennte bis man die Gorillas endlich aufspuerte - wenn man sie ueberhaupt aufspuert... Auweia - ich wollte doch diese mit Abstand groesste Ausgabe meiner Reise fuer die 'Gorilla permission' nicht fuer nichts und wieder nichts getaetigt haben!
In aller Fruehe bevor es losging traf ich dann auf die Upper class Reisenden, die aus der ganzen Welt fuer ein oder zwei Wochen nach Uganda kamen um sich das Vergnuegen mit den Gorillas zu goennen und in den schicken Safari Lodges zu wohnen. Ein komisches Gefuehl nach drei Wochen fast ohne Strom und fliessend Wasser, in denen ich nun, glaube ich, jede Art von Plumpsklo kennengelert habe, die man sich nur vorstellen kann ;-)
Nun ja, jeder der Damen und Herren goennte sich fuer den angekuendigten Gewaltmarsch einen Traeger fuer den kleinen Tagesrucksack und los ging's mit unserem Guide und bewaffneter Begleitung, da wir uns im Grenzgebiet zum Kongo befanden.
Waehrend ich mir noch ueberlegte ob ich den Tag mit meinen 11/2 Liter Wasser ueberleben wuerde, wies uns der Guide nach 5min. Marsch an ihm rechts ins Gebuesch zu folgen. Er schlug uns mit seiner Machete einen Weg und da sassen sie vor uns: die Berggorillas! Also, ich fand ja das war zu einfach - ein bisschen gesucht haette ich schon ganz gerne... Aber wie auch immmer, verbrachten wir ein tolle Stunde in Gesellschaft der kompletten Gruppe, die aus 15Gorillas bestand - inkl. einem dieser zum Fuerchten riesig und kraeftigen Silverbacks. Sie mampften alle gemuetlich vor sich hin und zum Schluss tobten die Kleinen noch wild auf den Aesten herum als wollten sie uns eine kleine Vorfuehrung geben und zeigen, dass sie sich in unserer Gesellschaft offensichtlich wohl fuehlten. Schoen war's, aber wenn ich ehrlich bin habe ich es mir noch ueberwaeltigender vorgestellt. Es war definitiv zu teuer, aber dennoch bin ich froh, dass ich sie gesehen habe - wer weiss, wie lange es diesw Tiere noch geben wird.

Was nun tun mit dem angebrochenen Tag!?
Gut, dass man in Uganda offensichtlich immer 'gefunden wird' und nie grossartig selber nach etwas oder jemandem suchen muss. So fand mich an diesem Tag die junge Uganderin Rosette, die mir begeistert erzaehlte, dass sie, mit einer Gruppe von ca. 20 Leuten, heute ihre mehrwoechige Ausbildung zum 'Bird Guide' bei der USAGA (Uganda Safari Guide Association) im Bwindi NP abgeschlossen hat. Stolz ludt sie mich ein an der Abschlusszeremonie (inkl. Festessen und -trinken) teilzunehmen.
Toll! Es gab einen grossen, wichtigen Ehrengast (irgendein Districtoberster, der sich sehr fuer den Tourismus in Uganda angagiert) und der, als er nach einer Std. warten endlich eintraf, als erstes nach Gummistiefeln verlangte um sich seine frisch polierten Schuhe und den Anzug auf den Schlammstrassen des Dorfes nicht so schmutzig zu machen... Ja, sogar die Presse war anwesend und ich somit natuerlich unendlich stolz als einziger internationaler Gast (sozusagen als Vertretung fuer die Touristen in Uganda) vorgestellt zu werden :-)
Jeder einzelne nahm in seiner Rede und Ansprache dann auch kurz Bezug auf Deutschland und der Ehrengast erzaehlte ganz besonders stolz, dass er schon in Deutschland war als es mich noch garnicht gab... Es war wunderbar und ich genoss es unendlich mit diesen Leuten bei stroemendem Regen dort unterm Stohdach zu hocken und ihnen zu lauschen.

Leider musste ich das Dorf dann am spaeten Abend schon verlassen als sich die Gelegenheit ergab auf einem Pick up ins naechst groessere Dorf zu gelangen von wo aus der einzige Bus, der aus dieser Gegend herausfuehrt, am naechsten Morgen um 5Uhr(!) starten sollte.

Und so ging meine Reise weiter gen Sueden, da ich inzwischen den Entschluss gefasst habe nach Ruanda zu gehen.

Drei Tage habe ich auf einer kleinen, einsamen Insel im Lake Bunyonyi (auf 2000m Hoehe) verbracht. Zu dieser Insel gelangt man indem man eine Stunde in einem kleinen ausgehoehlten Eukalyptusbaumstamm paddelt. Die Luft ist fantastisch und der See (der tiefste Ugandas) angeblich aufgrund seines hohen Minaralstoffgehalts bilharziosefrei. Ich hoffe es stimmt, denn ich konnte es mir nicht verkneifen eine Runde darin zu schwimmen. Na zur Not folge ich dem Rat des Australiers Math, der mir erzaehlte es gaebe hier in Afrika an jeder Ecke ein Medikament gegen Bilharziose...
Jedenfalls habe ich die Tage auf der Insel mit einer Handvoll anderer Backpacker aus Finnland, Spanien und Australien sehr genossen und auch deren Weltbild wieder zureckgerueckt, da sie angeblich seit Wochen keinem Deutschen in Ostafrika begegnet sind...

Ja und dann hiess es weiterreisen, da sich mein Uganda-Visum dem Ende neigt und sowieso der Rest meiner geplanten Afrika Reise einen strammen Zeitplan fordert. So sitze ich jetzt die letzte Stunde hier in Oertchen Kisoro (im Dreilaendereck Uganda, Kongo, Ruanda), vor dessen Toren ein riesen Fluechtlingskamp mit Fluechtlingen aus dem Kongo zu finden ist. Hilforganisationen aus aller Welt sind vor Ort und es ist erstaunlich mit welcher Selbstverstaendlichkeit das Leben hier dennoch seinen ruhigen Lauf nimmt.

Ich lasse meine Wochen und Erlebnisse in Uganda nochmal revuepassieren... Immer wieder war ich stolz einige Fetzen der Einheimischen Sprache gelernt zu haben und die Leute mit "Guten Tag", "Wie geht es" und "Dankeschoen" ansprechen zu koennen und immer wieder war ich enttaeuscht, wenn ich eine Stunde weitergereist bin und mich die Leute bei der Benutzung der gleichen Worte fragend angeschaut haben. Mind. vierzig unterschiedliche Sprachen gibt es hier in Uganda, d.h. jede Region hat seine eigene und irgendwann habe ich verzweifelt aufgegeben.
Aber ein regionsuebergreifendes Wort habe ich rausgefunden. Und zwar das, welches mir am alleraller wichtigsten erschien: "Modugavu" (Schwarzer Mann!). So konnte ich dem ewigen "Mzungo, Mzungo"-Geschrei etwas entgegenhalten. Und meist waren die Leute danach ruhig :-) jawoll!

Und ueberhaupt habe ich herausgefunden, dass man hier einfach nur mal ein lautes, energisches Machtwort sprechen muss, wenn man, z.B. von den ganzen Bodaboda-Fahrern, die einen ueberfallen und nach dem Gepaeck grabschen sobald man aus einem Matatu aussteigt, seine Ruhe haben will. Es funktioniert wunderbar :-)

Ja und den tiefsten Eindruck bisher hat der Anblick einer Kinderkrankenstation im 'Salem Brotherhood" hinterlassen. Ich habe mir inzwischen unzaehlige Hilfsorganisationen und -projekte angesehen, aber dieses Bild werde ich nicht vergessen. Eine Station wie sie bei uns in Deutschland unvorstellbar waere, aber fuer die Menschen hier ein unendlich wertvoller, bzw. hoffnungsvoller Ort.

Mit den Erinnerungen verabschiede ich mich jetzt aus Uganda, mein Motorradboda (welches mich zur ruandischen Grenze bringt), wartet schon.
In die 'Schweiz Ostafrikas' geht es nun. Dann heisst es wieder rechts fahren anstatt links. Und ich sollte nun auch ganz schnell versuchen schnellstens irgendwo in meinem Hirn meine Franzoesischkenntnisse wieder auszugraben, ansonsten werde ich wohl aufgeschmissen sein.... Na, wird schon werden :-)

Und fuer die, die sich Sorgen machen: Ich bin vielen Reisenden begegnet die aus Ruanda kamen oder gerade auf dem Weg zur Grenze waren. Es ist sicher, sonst wuerde ich nicht gehen!

Viele liebe Gruesse aus dem kuehlen Kisoro und
bis bald aus Ruanda oder Tansania
Doerte


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