182 Tage on tour und die Reise geht weiter: 184 Tage
Die Strassen Rwandas 
Gestern habe ich meine kleine Rwanda-Rundreise beendet und bin (gezwungenermassen) nochmal nach Uganda eingereist um heute das Land wieder Rtg. Tansania zu verlassen.
Ist hier auch alles nicht so einfach mit den Grenzueberschreitungen - da muss man schonmal einen Umweg ueber ein Drittland machen ... ;-)

Da fuer mich mein erster Tag in Rwanda besonders eindrucksvoll war, moechte ich Euch in diesem Reisebericht einfach mal diesen einen ganzen Tag mit auf die Reise nehmen...

Letzten Dienstag stand vormittags in Kisoro (Uganda) mein Motoradboda bereit um mich ueber uebelste Feldwege an den Grenzuebergang nach Rwanda zu bringen. Zwischendurch haelt er noch irgendwo im Nichts bei einer Bretterbude an um nach irgendeinem Bekannten zu suchen, der mir Rwandische Francs besorgen kann... Als dieser dann auftaucht und wir heiss ueber den Wechselkurs verhandeln, steht schnell ein ganzer Menschenpulk dicht gedraengt um uns herum, der aufmerksam verfolgt was wir verhandeln und wieviel Geld den Besitzer wechselt - also von Diskretion scheinen die noch nichts gehoert zu haben... Obwohl ich 'nur' 40USD gewechselt habe, bin ich fuer sie jetzt offensichtlich die gaaanz Reiche und jeder schreit mir entgegen: 'Give me money!' oder 'Pay for me!' Na prima, schnell weg hier kann ich da nur sagen...

Weiter geht es durch traumhafte Landschaft - wir scheinen eine ganze Kette der Virunga Vulkane zu umrunden. Ein fantastischer Blick! Aber gottseidank geht die Fahrt bis zur Grenze nicht allzulang, da die Feldwege mit komplettem Gepaeck auf dem Moped doch etwas anstrengend sind.

Der nette Bodafahrer zeigt mir dann wo ich mich auf ugandischer Seite ausstempeln lassen und wo ich in Rwanda einreisen kann. Weit und breit kein Tourist - ich geniesse das :-)
Die Deutschen sind einige der ganz wenigen, die ohne Visum nach Rwanda einreisen duerfen. Wir sind dort offensichtlich gerne gesehen und so ist der Zollbeamte auch gleich ueberaus freundlich und gespraechig. Eigentlich wollte ich schnell weiter, aber als ich aus meinem Reisefuehrer die Anschrift meiner (vermutlich) naechsten Unterkunft fuer das Einreiseformular heraussuchen will, stuerzt er sich begeistert auf das Buch, blaettert darin und erklaert mir ausfuehrlich jedes Bild und jede Landschaft die er kennt und erzaehlt und erzaehlt und erzaehlt...

Unglaublich ist der Wandel der Strasse beim Grenzuebertritt: aus dem ganz ueblen Feldweg auf ugandischer Seite wird auf ruandischer Seite schlagartig eine breite, glattgeteerte Strasse - ich bin beeindruckt! Bin ich wohl wirklich in der 'Schweiz Ostafrikas' gelandet...

Nun fahren wir wieder rechts und nicht mehr links, die Uhren werden eine Std. zurueckgestellt, man spricht Franzoesisch und die Matatus tragen ringsrum keinen blauen Karostreifen mehr, sondern einen gruenen.
Als ich in das Matatu steige, welches mich zur naechstgelegenen Stadt bringen soll, scheint mir allerdings, dass hier die ausrangierten ugandischen Fahrzeuge genutzt werden. Das Lenkrad ist immernoch rechts und die Dinger scheinen wirklich absolut auseinanderzufallen (wundert mich, dass bei all dem Rost der Boden noch nicht rausgebrochen ist... und dass die Tuer sich nicht schliessen laesst ist ja egal, man kann sie schliesslich von innen zuhalten ;-) )
Ich geniesse den Luxus vorne neben dem Fahrer sitzen zu duerfen und merke erst nach mehreren Stops, als ich mich umschaue, dass sich die Leute hinter mir zu dritt (!) uebereinander bis unter die Decke stapeln.
Da hier kaum jemand Englisch spricht, stellt der nette Herr neben mir auf die Schnelle ein Woerterbuch 'Urwanda - Englisch' mit den wichtigsten Begriffen fuer mich zusammen (super!).

Und dann tauchen sie auf, die ersten alleruebelst aussehenden Bettler. Sie starren mich bei jedem Stop unermuedlich an und betteln und betteln. Manchmal habe ich das Gefuehl sie schlagen gleich mit ihrem Stock, an dem sie durch die Gegend humpeln, durchs Fenster auf mich ein, wenn ich ihnen nichts geben. Es ist grauenvoll und ich weiss nicht wirklich wie ich mich verhalten soll...
In der naechsten Stadt nimmt mich eine handvoll dicker, schwarzer Mamis an die Hand, die das gleiche Ziel am Lac Kivu haben wie ich auch - sehr nett! Wir hocken an der Busstation und warten. Vor mir steht ein Bettler wie ich es in meinem Leben noch nicht gesehen habe: seine nackten Fuesse schauen aus wie ein Blumenkohl (hoert sich vielleicht bloed an, aber ich weiss nicht wie ich es sonst beschreiben koennte): voller verwucherter Geschwuere und Pilze. So steht er im Dreck der Staubstrasse. Ich habe keine Ahnung was das ist, aber es tut mir schon beim Hinschauen weh. Er starrt mich eine Ewigkeit an und ich weiss ueberhaupt nicht was ich machen soll. Gebe ich ihm Geld in die Hand, fuerchte ich mich anzustecken. Gebe ich ihm ueberhaupt etwas, werde ich sofort auch die anderen Scharen von Bettlern um mich herum nicht mehr los. Ignoriere ich ihn, fuehle ich mich masslos schlecht, wie ich so dasitze mit meinen gesunden Fuessen in meinen dicken, guten Wanderschuhen...
Otile (die dicke Mami) sitzt neben mir, summt, mit einem Laecheln im Gesicht, leise vor sich hin und wiegt sich hin und her. Das beruhigt mich ein wenig und ich versuche mich auf die Frauen zu konzentrieren, die alle in diese wunderschoenen afrikanischen Stoffe eingewickelt herumlaufen.

Als der Bus kommt, traegt Otile meinen kleinen Rucksack und haelt mir einen Platz frei. Ich passe kaum neben sie, so fuellig ist sie (aber auch so wunderschoen in diese Tuecher gewickelt!). Waehrend der Fahrt nimmt sie meinen kleinen Rucksack auf den Schoss und schiebt mir dafuer ihre kleine koenigsblau glaenzende Handtasche herueber. Das sei sonst doch zu anstrengend meint sie. So sitze ich da, in Wanderschuhen und Trekkinghose, mit dem Handtaeschchen auf dem Schoss. Sie ist soo suess und wir unterhalten uns immer wieder so gut es geht in gebrochenem Englisch\Franzoesisch.
Die Landschaft, die wir durchfahren, ist wunderschoen - erinnert mich sehr an Ecuador :-) Die tollen Vulkane und dann der Sturzflug hinab in Serpentinen zum Lac Kivu.
Der Busfahrer faehrt vorbildlich und ueberholt nie vor Kurven - ungewoehnlich und angenehm!

In meiner Unterkunft in Gisenye angekommen mache ich mich auf den Weg zur Bank um mein Wochenbudget (150USD) ganz offiziell in Rwandische Francs zu wechseln. Auch hier bin ich mit der Rechnung des Bankangestellten nicht einverstanden und jetzt wird es schwierig das ganze in Franzoesisch auszudiskutieren. Also schlage ich vor die Schlange an Leuten hinter mir vorzulassen, damit sie nicht alle so lange warten muessen. Diese verstehen mich allerdings falsch, kommen alle zu mir, schauen mein Geld und die Umrechnung an um dann zu diskutieren was man da machen koennte. Da wird es mir nun definitiv zu dumm, ich reissen ihnen meinen Kram aus der Hand und sage nochmal ganz energisch, dass ich sie lediglich vorlassen will! Auch das verstehen sie falsch und verlassen alle schlagartig die Bank um vor der Tuer zu warten! Einer schaut noch um die Ecke und fragt ganz bedroeppelt ob das nun ok fuer mich sei!? Oh mein Gott, jetzt wird's peinlich! Schnell erledige ich den Kram und mache mich aus dem Staub.

Lt. Reisefuehrer soll Gisenye eine wunderschoene Uferpromenade haben. Ich verspreche mir mal nicht zuviel, da ich mit meiner europaeischen Vorstellungskraft in Afrika bisher nicht weit gekommen bin. So laufe ich durch die breiten Staubpisten der Stadt und finde, dass alles sehr einfach und uebel ausschaut. Und all die Menschen auf der Strasse starren mich an oder bleiben stehen und laufen dann langsam hinter mir her. Bleibe ich stehen, bleiben sie auch stehen, gehe ich weiter, gehen sie auch weiter. Hm, das gefaellt mir nun nicht so gut... Aber dennoch komme ich so nach einer Weile am Seeuefer an und staune ueber eine mittelpraechtig geteerte und von Palmen gesaeumte Strasse die am Ufer entlangfuehrt! Dazu ein Sandstrand und viele Kinder die im Wasser toben.
Gerne wuerde ich mich dort eine Weile hinsetzen und geniessen, wenn mich nicht alle so fuerchterlich anstarren wuerden! Da entdecke ich am benachbarten Strandabschnitt das noble 'Serena Hotel' mit Strandliegen und Sonnenschirmen und selbstverstaendlich darf ich als 'Mzungo' eintreten, mich auf einer Liege breit machen und mich mit Kaffee etc.bedienen lassen. Manchmal braucht man auf solch einer Reise einen Rueckzugsort dieser Art. Es ist so schoen wie abartig! Vom Strand nebenan rufen die schwarzen Kinder herueber, denen der Eintritt hier verboten ist und ich denke nur: 'Die werden mich abstechen, wenn ich i.d. Daemmerung wieder zuerueck in den Ort laufe...'
Es ist unvorstellbar welche Tueren einem die Hautfarbe oeffnet!
Ich liege am Strand, zu meiner Rechten die Stadt Goma der Demokr.Republ.Congo fusslaeufig erreichbar und vor mir, auf der anderen Seite des Lac Kivu diese endlose Bergkette des Congo. Es ist alles sehr beeindruckend und ich kann es mir nicht verkneifen bis zum wunderschoenen Sonnenuntergang zu bleiben um dann den unangenehmen Weg zurueck in meine Herberge auf mich zu nehmen. Und ganz ehrlich fuehle ich mich von den Jugendlichen bedroht, aber das kommt davon wenn man viel Geld von der Bank mit sich herumschleppt und in noblen Hotels Kaffee trinkt - selbst schuld!

Ja, an diesem ersten Tag in Rwanda habe ich die Kluft zwischen arm und reich als erschreckend empfunden und auch mich selbst hat es dazwischen hin und her gebeutelt.

Auch nach einer Woche habe ich das Land noch nicht so richtig geniessen koennen, aber mehr dazu im naechsten Reisebericht, denn jetzt muss ich mich auf die Socken machen um herauszufinden wo mein Bus Rtg. Tansania die Stadt verlaesst!

Also bis bald aus Tansania
Doerte

[ kommentieren ] ( 51 mal gelesen. )   |  Permanentlink  |   ( 3 / 2753 )

<< <Zur¨ck | 1 | 2 | 3 | Weiter> >>