182 Tage on tour und die Reise geht weiter: 184 Tage
Karibu! Willkommen in Tanzania! 
Inzwischen ist meine Zeit in Afrika bereits abgelaufen und ich weiss, dass alle schon lange auf ein update warten. Also versuche ich den Anschluss an meinen letzten Bericht von Anfang November zu finden und wende mein inneres Auge nochmal von Asien zurueck nach Afrika... ;-)

In Rwanda bin ich am zweiten Tag am Lac Kivu entlang Rtg. Sueden gereist. Jeder hat mir von dieser Strecke abgeraten, da der 'Weg' in einem miserablen Zustand sein sollte, aber ich wollte genau diese Strecke fahren und keine andere! Also Augen zu und durch!
Und es war tatsechlich die schlimmste Strecke, die ich bisher in Afrika zurueckgelegt habe! Der Bus war so dermassen ueberfuellt, dass ich mich schon schlecht gefuehlt habe meinen Sitzplan mit niemand anderem zu teilen, waehrend alle anderen sich zu viert auf zwei Plaetzen draengten. Irgendwann habe ich einfach den kleinen Jungen, der neben mir im Gang gequetscht stand oben auf den Rucksack gesetzt, den ich auf dem Schoss liegen hatte.So fuehlte ich mich etwas mehr zu meinem Sitz berechtigt! Und der Kleine war mit dem Rucksack, den er um den Hals haengen hatte und dem Korb, den er fest in seiner kleinen Hand gekrallt hielt auch so schwer, dass ich bei den Schlagloechern nicht mehr ganz so schlimm durch den Bus geschleudert wurde, da ich ja nun mehr Ballast auf dem Schoss hatte (also nicht ganz uneigennuetzig...)

Belohnt wurde ich fuer die stundenlangen Strapazen mit einem immer wieder traumhaftem Blick von den Serpentinen (die wir hoch in den Berghaengen ueber dem Lac Kivu fuhren) hinab auf den See - sooooo schoen! Und hinab zum Ziel Kibuye schlaengelten wir uns dann im Sonnenuntergang. Es war hart, aber es hat sich gelohnt!

Dann verbrachte ich zwei schoene Tage in einem Hotel mit herrlichem Blick ueber den See und so manchesmal glaubt ich mich in Italien wiederzufinden, wenn da nicht rechts und links die armen Huetten der Einheimischen gewesen waeren, vor denen man stand sobald man das Hotel verliess...

Da Rwanda nicht ganz billig ist und ich ja auch noch genug Zeit fuer Tanzania brauchte, ging es schnell weiter nach Kigali - die Stadt die es mir dann leicht gemacht hat das Land wieder zu verlassen. Mehrere Tage bin ich keinem Tourist begegnet. Die einzigen Weissen, die ich getroffen habe waren Entwicklungshelfer und jeder fragte mich immer nur fuer welche NGO ich taetig bin...
Irgendwie hat mich in der Stadt auch kein Mensch so richtig verstanden. Selbst wenn ich mein schoenstes Schulbuchfranzoesisch ausgepackt habe und den Motorabodafahrern (hier faehrt man uebrigens mit Helm - ein ganz seltsames Bild in Afrika) auf dem Statdplan gezeigt habe wo ich hin moechte, haben sie mich meist nur fragend angeschaut... Das ist sehr muehseelig und hat mir recht schnell keinen Spass mehr gemacht.

Den Rest hat mir dann der stroemende Regen und das Genozidmuseum gegeben. Es ist sehr infuehlsam gemacht und ein guter und wichtiger Ort, aber unglaublich bedrueckend... Dennoch bin ich froh, dass ich es gesehen habe, zumal dies mein Hauptgrund war um nach Kigali zu reisen.

Ja und da sich die Grenze Ruanda/Tansania nicht so einfach nach meinem Vorstellungen ueberqueren liess (und ich nicht noch mehrere Tage fuer Experimente opfern wollte) fuehrte mich die Reise nochmal fuer einen Tag zurueck nach Uganda. Was mich dann auch ganze 50USD Transit-Visa gekostet hat - unverschaemt!

Am naechsten Tag ging es dann auf zur Grenze nach Tansania und von dort mit einem Dalla dalla (so heissen hier die Matatus) weiter zur Hafenstadt Bukoba (am Victoriasee) von wo aus ich mit der Nachtfaehre weiterfahren wollte. Leider verliess die Faehre nicht wie ich glaubte erst spaet, sondern bereits frueh abends den Hafen und so konnte ich ihr bei meiner Ankunft gerade noch hinterherwinken :-( Aber egal, so hatte ich noch etwas mehr Zeit mich mit dem Dalla Dalla Kassierer zu 'pruegeln' der mir doppelt soviel abgeknoepft hat wie den Einheimischen und mir gleichzeitig erzaehlt, dass hier jeder das gleiche bezahlt. Ooooooh: willkommen in Tansania! Das war das erstemal, da wusste ich noch nicht so genau wie energisch ich sein muss um mein Geld zurueckzubekommen und als der Kassierer mir sagte er hole mir das Geld, sprang er stattdessen nur i.d. Bus und dueste auf und davon!
Ab diesem Zeitpunkt habe ich sofort geglaubt hier wollen mich alle beluegen und betruegen. Und als mir drei Herren (die das Theater im Bus miterlebt haben) anboten mit ihnen ein Privat-Taxi zu teilen um der Faehre zum naechsten Hafen hinterherzufahren, habe ich ihnen natuerlich auch erstmal gesagt, dass ich sehr sicher bin, dass sie mich beluegen und nur irgendwie um Geld betruegen wollen, da sie mir vorher schliesslich auch nicht geholfen haben! Gottseidank waren die Herren hartnaeckig, versuchten mich zu beruhigen, mir ein wenig ueber die Menschen in Tanzania zu erklaeren und ueberzeugten mich somit, dass sie mir wirklich nur Gutes wollen und so stiegen wir gemeinsam in ein Taxi und siehe da, es gab einen weiteren Hafen und wir erwischten die Faehre tatsaechlich noch...

So weit so gut. Als ich mir den Hafen jedoch naeher betrachtete, die Ratten in der abewrackten Schalterhalle kreuz und quer liefen und ich mich inmitten, aus meiner Sicht, eher unfreundlich dreinschauender Schwarzer wiederfand, fragte ich mich weshalb ich eigentlich unbedingt mit der Faehre ueber den See anstatt mit dem Bus ueber Land fahren wollte!? Hm, irgendwie hatte ich es mir nett vorgestellt, so ueber Wasser....
Tickets gab es nur fuer die 3.Klasse (etwas anderes existiert wohl garnicht) und 3.Klasse in Afrika heisst schon einiges... Als ich die Faehre dann betrat und mich mit den Menschenmassen durch mauerhoch gestapelte Bananenstauden schob und ueberlegte wo ich mir am besten ein noch freies Plaetzchen auf dem Boden zwischen den Kakerlaken zum schlafen suchen sollte, da war ich einen Augenblick davon ueberzeugt, dass wahrscheinlich noch kein weisser Tourist vor mir auf die Idee gekommen ist mit dieser Nachtfaehre zu fahren!
Ja und so kann ich sagen, dass ich selten so uebergluecklich war einem anderen Touristen zu begegnen, wie just in diesem Moment als ploetzlich Steve,ein Englaender, vor mir stand, den ich, wie es der Zufall wollte, bereits zwei Wochen zuvor in Uganda kennengelernt hatte...

Die Nacht war nicht sonderlich angenehm, aber wenigstens nicht ganz so schlimm wie ich es mir alleine vorgestellt haette und so verliess ich am naechsten Morgen, zwar von Moskitos zerstochen, aber ansonsten ohne zu vermeldende Verluste die Faehre und stuerzte mich fuer ein paar Tage ins Leben der zweitgroessten Stadt Tanzanias: Mwanza

Wie es von dort durch die Serengeti weiterging erfahrt ihr ganz bald (versprochen!) im naechsten Reisebericht...


[ kommentieren ] ( 48 mal gelesen. )   |  Permanentlink  |   ( 3 / 2668 )

<< <Zur¨ck | 1 | 2 | 3 | Weiter> >>