182 Tage on tour und die Reise geht weiter: 184 Tage
Bye bye Africa 
Auf geht es Rtg. Kueste nach Dar es Salam. Nach dem einfachen Afrika erscheint die Stadt beinahe erschlagend modern und gleichzeitig unheimlich fuer mich als ich in der Abenddaemmerung dort ankomme, mich gleich der erste Taxifahrer wiedermal ordentlich uebers Ohr hauen will und der alltaegliche Kampf seinen Lauf nimmt...

Am naechsten Tag entschliesse ich mich anstatt der 11/2 stuendige Schnellfaehre, die 3 stuendige Faehre mit den Einheimischen nach Zanzibar zu nehmen. Aber auch das war wieder eine Luege und so komme ich nach ca. 7 stuendigem Geschaukel mehr oder weniger seekrank gerade recht zum Sonnenuntergang in Stone Town an und vertraue(!) einfach mal einem Einheimischen, der mich i.d. Daemmerung durch das Gassenlabyrinth (in welchem ich mich heute noch hoffnungslos verlaufen wuerde) zu einem Hostel und gleich anschliessend zum unschlagbar besten Nachtfischmarkt, den Forodhani Gardens fuehrt.
Ich schlage mir den Bauch bis zum Gehtnichtmehr mit bestem gegrillten Tintenfisch, Prawns und anderen guten Zanzibarkoestlichkeiten voll und lande dann noch auf ein Gutenachtbierchen in einer Hinterhofkneipe oder vielleicht eher gesagt im 'Wohnzimmer' (welches aus gestampftem Lehmboden umgeben von einer maroden Mauer allerdings ohne Dach besteht) einer Sippe. Dort hat es sich eine 'Mami' zur Angewohnheit gemacht die Maenner des Dorfes am Abend mit Speisen und Bier zu versorgen - und ich kann nur sagen sie trinken ordentlich! An diesem Abend habe ich meine Swaheli-Kenntnisse zur Belustigung aller Anwesenden nochmal ordentlich ausgebaut und einen Heidenspass gehabt :-)

Am naechsten Morgen muss ich der inzwischen schon verdraengten Tatsache wieder ins Auge sehen, dass ich am Vortag illegal in Zanzibar eingereist bin. Da ich recht spaet Abends mit einer Faehre ankam auf der ansonsten nur Einheimische gereist sind, hatte das 'Imigration Office' leider bereits geschlossen. Als ich mich auf den Weg machte um, wo auch immer, nachtraeglich einen Einreisestempel zu erhalten, spielten sich vor meinem inneren Auge schon die wildesten Kaempfe mit korrupten afrikanischen Beamten ab. Ich ueberlegte mir vorsichtshalber vorab wieviel ich fuer diesen daemlichen Einreisestempel zu zahlen bereit waere, da ich mich nicht fuer weitere tagelange Behoerdengaenge in Stone Town aufhalten sondern eigentlich umgehend nach Norden an einen schoenen Strand weiterreisen wollte. Nachdem ich dann ca. fuenfmal durchs Labyrinth der Stadt hin- und herverwiesen wurde und endlich einem Imigration Beamten gegenueberstand war ich so dermassen zum Kampf bereit, dass ich wahrscheinlich extrem verwirrt oder vielleicht sogar enttaeuscht geschaut habe als er mir zwar unter strengem Blick eine Ruege erteilte, dann aber ohne weiteres Murren den erforderlichen Stempel i.d. Pass drueckte und mir eine schoene Zeit auf Zanzibar wuenschte!

So erwischte ich gerade noch den fruehen Bus zum Nordzipfel der Insel und war von dem Paradies, welches mich dort erwartete, erschlagen! Der schneeweisse Strand, das tuerkise Wasser und die malerisch im Wasser ankernden einfachen Fischerboote boten ein Bild was mind. dreimal so schoen war wie ich es mir vorgestellt hatte. Leider war auch die guenstigste Unterkunft etwa dreimal so teuer wie ich es mir vorgestellt hatte, aber fuer eine Huette aus der man morgens mit Blick aufs tuerkise Meer sofort im weissen Sand steht und fuer die letzten Tage in Afrika kann man sich ja mal was goennen.

Und so sahen meine letzten Tage auf diesem Kontinent dann entsprechend entspannt aus: Mal eine Kokosnuss oder eine Ananas am Strand, seit Wochen endlich mal wieder ein gutes Buch im Schatten einer Kokosnusspalme, Schnorcheln (leider ohne Begegnung mit den Delphinen die sich dort sonst schonmal rumtreiben) und dem koestlichsten Fisch den ich jemals gegessen habe!
Am Abend leben die kleinen Lehmpfade im Dorf hinter dem Strand auf: Die Fischer bereiten ihren Fang des Tages in ollen Pfannen auf der Erde zu und verkaufen ihn dann eingewickelt in altes Zeitungspaier 'for take away' ;-). Jeden Tag gibt es anderen Fisch - was das Meer halt eben gerade so hergegeben hat - fantastisch!

Zwischendurch versuche ich mich noch mit der Geschichte des unfassbaren Sklavenhandels, der von dieser Insel aus betrieben wurde, auseinanderzusetzen. Die Menschen die, bis zur Verfrachtung ueber See, hier in Hoehlen und Kellern 'gehalten' und dann so unglaublich auf die Schiffe gepfercht wurden, dass nur wenig lebendige Fracht am Ziel ankam. Eine grauselige Vergangenheit, die einem im Duft der Gewuerze und den strahlenden Straenden der Insel fast unwirklich erscheint.

So gehen die letzten Tage schnell vorueber und mein Vorhaben die Afrikareise hier nocheinmal revuepassieren zu lassen gelingt mir nicht ganz, da ich garnicht recht realisieren kann, dass ich diesen Kontinent bald verlassen werde.

Und genauso bin ich mir immer noch im Unklaren wie ich diese Zeit hier einordnen soll...
Es war wunderbar, aber auch rau und anstrengend, unglaublich bereichernd, aber teilweise auch enttaeuschend. Die Eindruecke die ich hier von 'Dritter Welt Hilfe' erfahren habe, bzw. die Art wie die Afrikaner damit umgehen haben mich extrem desillusioniert.
Dankbar bin ich fuer all die unglaublichen landschaftlichen Impressionen, wobei mir insbesondere Uganda sehr ans Herz gewachsen ist. Und nicht zuletzt bin ich gluecklich ueber interessante und liebe Menschen die ich hier kennengelernt durfte.

Unterm Strich sind an Verlusten 500USD und zwei paar Socken ;-) zu vermelden. Bis heute kann ich mir nicht erklaeren wo und wann mir dieses Geld abhanden gekommen ist und ich hoffe, dass es jemandem in die Finger gefallen ist, der es wirklich bitter noetig hat. Insofern moechte ich diese Summe als meine diesjaehrige Afrikaspende verbuchen ;-) und es nicht weiter als Reisepanne bezeichnen. Ausserdem habe ich mich waehrend des kompletten Aufenthaltes auf diesem Kontinent bester Gesundheit erfreut und weiss das sehr zu schaetzen! Aber Afrika hat mich muede gemacht...

Nun ist es schon wieder einige Wochen her, dass ich in Dar es Salam in den Flieger gestiegen bin und mich am naechsten Tag in einer anderen Welt wiedergefunden habe: Bangkok - und dazu mehr im naechsten Bericht :-)

Jetzt wuensche ich erstmal allen Daheimgebliebenen und natuerlich auch allen Reisenden ein wunderschoenes Weihnachtsfest und einen tollen Rutsch ins neue Jahr!

Viele Gruesse (seit heute aus Laos)
Doerte

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