182 Tage on tour und die Reise geht weiter: 184 Tage
Es lebe der Koenig! 
Landeanflug auf Bangkok - schon aus der Luft sehe ich nicht nur mehrspurige, sondern auch mehrstoeckige Strassen! Nach der Zeit in Ostafrika erscheint mir das wie eine Fatamorgana.
Mit einem quietschmodernen klimatisierten Bus geht es vom Flughafen ueber diese breeeiiiten Strassen hinein in die riesen City Bangkok.

Willkommen!
Ganz Thailand scheint damit beschaeftigt zu sein alles, wirklich alles, auch den hintersten Winkel zum 80. Geburtstag des Koenigs zu dekorieren. Es lebe der Koenig - ueberall schaut einem sein Gesicht entgegen. Der Koenig, der Koenig, wir lieben unseren Koenig! Bilder, Statuen, ganze Altare haben sie fuer ihn errichtet. Seit rund 60Jahren ist er nun schon Koenig von Thailand und man fragt sich wer den ganzen Kram (inkl. aller Scheine und Muenzen) wieder einstampfen soll, wenn er denn dann mal nicht mehr der Koenig ist...

Alles erscheint entspannter, freundlicher und vor allem endlich guenstiger als in Afrika. Keiner betruegt und beluegt mich mehr oder verlangt ein Vielfaches des ueblichen Preises von mir. Ich geniesse und werde von Angeboten so dermassen erschlagen, dass ich mich fast zum uebermaessigen Essen und Shoppen genoetigt fuehle ;-) So geht nach meinem dreitaegigen Stadtaufenthalt erstmal ein grosses Paket auf die Reise nach Deutschland (mal schauen wer zuerst ankommt ;-)..).

Ich besorge mir noetige Visa fuer meine Weiterreise, verwoehne mich mit Massagen und endlich mal wieder wirklich sauberer Waesche, lasse mir fuer kleines Geld die wunderschoenen Stoffe aus Afrika beim Hinterhofschneider verarbeiten und reise dann gemuetlich weiter nach Westen zur Bruecke am River Kwai um mir das (nur wenige Tage im Jahr stattfindende) Spektakel der bei Nacht nachgespielten Geschichte der Bruecke anzuschauen. Ich habe das Glueck, umgeben von ein paar Einheimischen, auf einer Miniinsel fernab der ganzen Touristentribuenen zu sitzen und lasse mich von der ganzen Inszenierung so mitreissen, dass ich eine Gaensehaut bekomme - es ist einfach unglaublich beeindruckend!
So geniesse ich in diesem Ort ein paar Tage in einer schoenen Huette auf dem Fluss, mit Ausfluegen zu traumhaften Wasserfaellen und und und bevor es ein Stueck weiter Rtg. Sueden geht um mich dort ein paar Tage mit einem Freund am Strand zu treffen.

Meine Vorstellungen von thailaendischen Straenden sind so masslos paradisisch, dass ich wie selbstverstaendlich glaube, dass sie meinen Strand auf Zanzibar toppen koennen und so bin ich ebenso masslos enttaeuscht als ich in einem Ort lande, der mich samt Strand eher an einen Massentouriort auf Mallorca oder in der Tuerkei erinnert. Eine Bar und ein Restaurant neben dem anderen, es gibt Schnitzel, Spaghetti und Mc D. Die Menschen liegen wie die Sardinen in der Buechse am Strand und von tuerkisem Wasser und schneeweissem Sand ist die ganze Geschichte weit entfernt.
Also verbringe ich drei Tage mehr oder weniger damit mich immer und immer wieder ueber diesen unschoenen Ort und die nicht immer ansehnlichen maennlichen Westler zu entruesten, die sich von kleinen Thai-Pueppchen verwoehnen lassen und beschliesse der Kueste bald den Ruecken zu kehren und mich den Bergen im Norden von Thailand zu widmen.

Im Zug Rtg. Norden erzaehlt die kleine alte Thaifrau neben mir eifrig: "Hally Pottel die", "Hally Pottel die in 7" und es braucht eine Weile, bis mir wieder in den Kopf kommt, dass natuerlich auch die Thais das 'r' nicht sprechen koennen und sie sich offensichtlich mit mir darueber unterhalten moechte, dass Harry Potter in Teil 7 nun stirbt! Okay! dramatisch, dramatisch, versichere ich ihr und dann widmen wir uns gemeinsam ihrem Lehrbuch fuer Thailaendisch-Englisch...

Nachdem ich mir, wie es sich gehoert ;-), noch die alten Koenigsstaedte Thailands mit ihren unzaehligen Tempeln angeschaut habe, entschliesse ich mich die etwas weniger frequentierte Strecke entlang der Grenze zu Myanmar bis fast ganz in den Norden zu reisen. Endlich wird es ruhiger und ich geniesse, dass hier nicht mehr diese Touristenmassen unterwegs sind und kaum noch jemand Englisch spricht.

Ich schlender ueber die Maerkte der Einheimischen und schaue mir gefasst an, was die guten Thailander da so alles als Nahrungsmittel verkaufen: dort liegen die grossen Froesche bereits mit aufgeschlitztem Bauch, die Kaefer und Kakerlaken (oder was auch immer das sein mag) einmal roh und einmal frittiert, Voegelchen aufgehaengt in allen Groessen und und und alles was man sich vorstellen und nicht vorstellen kann...

Verzweifelt suche ich nach etwas zum Eincremen was nicht weiss macht! Die Thailaender machen wirklich alles um moeglichst weiss zu bleiben! Auf den Feldern und der Strasse laufen sie mit Sturmmasken herum um ihr komplettes Gesicht vor der Sonne zu schuetzen! Auch bei der groessten Hitze sind lange Aermel und beim Mopedfahren unbedingt noch Handschuhe angesagt! Wenn ich erzaehle, dass in Deutschland Selbstbraeunungscreme verkauft wird, schauen sie mich seeeehr unglaeubig an ;-)

Spannend wird es als ich im Grenzstaedtchen Mae Sot die Busstation suche, die garnicht so weit entfernt sein soll. Die einen schicken mich hin, die anderen zurueck, die einen nach rechts, die anderen nach links. Ich suche eine Stunde um den heissen Brei herum. Keine Ahnung wiiieee falsch ich den Namen der Busstation und den meines Zielortes ausspreche, aber absolut kein Mensch versteht mich! Ueberlege mir, ob ich mich auf den Bordstein setzen und heulen soll, muss dann aber doch anfangen zu lachen: Bloss nicht aufgeben, immer schoen weiterfragen! ... Und so kommt es dann, dass ein paar Maedels mich zwar nicht verstehen, aber jemanden kennen, der jemanden kennt, der weiss wo jemand ist, der Englisch spricht! Also auf und diesen jemanden suchen! Hat dann nochmal ein halbe Stunde gebraucht und dieser jemand konnte mir dann zwar nicht den Weg erklaeren, aber einem TukTuk-Fahrer mein Ziel und so lande ich 3Minuten spaeter - ratet wo!? - am Busbahnhof! :-)
Dort wurde ich dann mit der Tatsache konfrontiert, dass zu dem ca. 200km entfernten Ort i.d. Bergen, den ich als Ziel hatte, kein Bus faehrt, da die Strasse wohl zu schlecht sei, sondern nur eine Art PickUp und der sollte 6Stunden brauchen! Ok - ich bin aus Afrika ja noch einiges gewohnt, also auf! Und es war wunderschoen! Gestapelt vollgepackt mit Einheimischen ging es hoeher und hoeher hinauf in die Berge. Die Landschaft wird einsamer, schoener und leider wird es dann zum Abend eiiiiiisekalt, brrrrhhh...

Am naechsten Abend hockt sich beim Abendessen der Einheimische Guide 'Mr. Dear' zu mir. Er ist Karen (das ist ein Volk, dass teilweise sehr abgeschieden in den Bergen nahe der Grenze zu Myanmar lebt) und bietet mir an mit mir am naechsten Tag eine Tour auf dem Salaween River zu einem Karen-Dorf zu machen. Genau das hatte ich vor, prima :-)
So sitze ich am naechsten Tag um 7Uhr mit Mr. Dear auf dem Moped und es geht 2Std. durch die Berge. Es ist sooooo unglaublich bitterkalt, dass ich mich, eingewickelt in alles, was ich an Kleidung dabei habe, aergere, meine Handschuhe mit dem letzten Paket heimgeschickt zu haben. Der Morgennebel haengt so tief i.d. Bergen, dass man kaum etwas sieht, aber es ist wunderbar mystisch und als die ersten Sonnenstrahlen durchkommen geniesse ich die wunderschoene, wenig besiedelte Berglandschaft in vollen Zuegen.

In einem kleinen Dorf von wo aus wir auf dem Boot mit den Einheimischen den Salaween River hochfahren wollen, deckt uns Mr. Dear mit fantastischen Leckereien ein, die die Frauen am Wegrand zum Fruehstueck brutzeln.
Ist das schoen, wenn man mal jemanden dabei hat, der einem wenigstens annaehernd erklaeren kann, was man da zu essen in der Hand haelt und nicht immer erst selbst die Erfahrung machen muss, dass etwas, was man z.B. fuer in der Sonne weich gewordene Erdbeerschokoladenstueckchen haelt, in Wirklichkeit kleingeschnibbelte hellrosa Wurst ist! Das kann einem als Vegetarier schonmal unangenehm werden...

So hocken wir wenig spaeter gut verpflegt im Boot und es geht zwei Stunden den Fluss herauf. Zu unserer Rechten Thailand und zu unserer Linken Burma/Myanmar. Wenn man sich dort die friedliche, sattgruene Dschungellandschaft so anschaut, kann man sich kaum vorstellen, dass das ganze Gebiet vermient sein soll...

Im Karen-Dorf angekommen geniesse ich es, dass Mr. Dear die Sprache der Leute spricht und ich so einen Einblick in ihr Dorf, ihre Lebensgewohnheiten, die Schule, die Familien bekommen darf. Ein wunderschoener Tag :-)

So reise ich noch einige Tage weiter durch den Nordwesten Thailands und muss mich dann auf die Socken nach Chiang Mai machen, wo ich mich planmaessig Mitte Dezember mit Inga und Markus aus Norddeutschland getroffen habe um mit ihnen vier Wochen gemeinsam durch Laos zu reisen. Leider musste Ingas Rucksack unbedingt noch in Talin vorbeischauen anstatt auf direktem Wege nach Bangkok zu fliegen und so verbringen wir ungeplant ein paar Tage mehr in Chiang Mai bevor es dann voller Tatendrang auf in den Norden von Laos geht.


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