182 Tage on tour und die Reise geht weiter: 184 Tage
Sabaaidii – Hello Laos! 
Lange hat es gedauert, aber nun geht die Reise mit den ausstehenden Berichten auf dieser Seite wie versprochen endlich weiter und fuehrt zunaechst von Thailand ueber die Grenze nach Laos...
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Als wir, stadtmuede, beschlossen das Warten auf Inga’s Rucksack aufzugeben, sie sich das Noetigste zum Reisen zugelegt hatte und wir am naechsten Morgen frueh rtg. laotische Grenze aufbrechen wollen, kommt die Nachricht, dass der Rucksack in Bangkok gelandet ist und am Nachmittag den Flieger nach Chiang Mai nimmt. In Deutschland waeren die meisten aufgrund einer solchen Situation vor Aerger wohl schon einem Herzinfarkt nahe – wir sind gelassen :-). Dennoch wollen wir nun keinen einzigen Tag mehr verschenken und so geht es nach erfolgreicher Rucksackabholung am Abend noch mit dem Bus eine kleine Etappe weiter Rtg. Grenze: Chiang Rai. Mehr schaffen wir nicht mehr. Die Fahrt geht im Sonnenuntergang mit einer wundervollen Abendstimmung in die Dunkelheit hinein und wir sind alle Drei uebergluecklich endlich 'on the road' zu sein.
Für den Weg zum Hostel stapeln wir uns mit drei Mann + Gepaeck in ein Tuk Tuk, welches zur Not für zwei Leute ohne Gepaeck noch komfortabel waere. Wohin mit den Beinen? Kein Problem, die kann man ja immer irgendwie um die Schultern falten und die Fuesse zur Seite unterm Dach raushaengen lassen – und los geht’s! Jaaa, das ist toll! Wir sind so gestapelt ueberladen, dass wir aufpassen muessen vor lauter Lachen nicht beim Fahren rauszufallen.
Spaeter geraten wir dann auf der Suche nach Abendessen irgendwie auch in die Art von Straße, in der Markus das Fuerchten bekommt und Inga hektisch aufpasst ihre bessere Haelfte nicht gleich zu Beginn der Reise an eine kleine Thaifrau abtreten zu muessen – puh, geschafft! Die beiden sind entsetzt, mich erinnert es an eine entschaerfte Version meines beach breaks in Hua Hin und nocheinmal mehr freuen wir uns ab morgen in Laos zu sein.

Laa kwan, auf Wiedersehen Thailand – Sabaaidii, Hello Laos!

Ueber den Mekong passieren wir die Grenze. Ich bin in der gluecklichen Lage seit Bangkok bereits im Besitz eines Laos-Visums zu sein und reise schnell und unkompliziert ein, waehrend alle anderen eine Ewigkeit auf ihr Visum warten muessen. Nach langem Fragen kommt heraus, dass der 'Einreisestempelvergeber' gerade zu Mittag isst. Ach so! Na dann, warten wir halt noch ein Stuendchen bevor man das Land betreten darf, macht ja nichts ;-) Alles sehr entspannt hier in Laos…
Und das ist es wirklich. Sobald man beim Reisen eine Grenze passiert, beginnt man unweigerlich damit festzustellen worin sich dieses Land nun vom vorherigen unterscheidet. Der Einfluss der Franzosen laesst gruessen: es gibt Baguette!!! Und angeblich sogar Kaese! (Vier Wochen spaeter weiss ich dann auch, dass sich diese Bezeichnung in Laos alleinig auf ‚La vache qui ri‘ bezieht und mir der Schmierkaese bald zum Halse heraushaengt.) An die laotische Art, das Baguette mit suesser Kondensmilch zu essen muss man sich allerdings auch erst gewoehnen. Ansonsten ist der Sticky Rice (klebt etwa wie sehr zaehes Kaugummi) das saettigende Grundnahrungsmittel der Laoten. Wieder eine neue Sprache, die Gesichter sind breiter und die Menschen weniger zierlich als die Thais, Busfahrer die so langsam fahren, dass ich mich fast nach den Kamikazefahrten in Thailand zuruecksehne. Wiiieesoo schalten die Fahrer am Berg immer erst einen Gang runter kurz bevor der Bus zum Stehen kommt weil es in dem hohen Gang hoechstens noch zum Getriebeschaden reichen wuerde??? Und es gibt viiieele Berge im Norden von Laos! Und es gibt viiieele Kurven im Norden von Laos! Und viiieele Laoten neigen scheinbar sehr zu Reiseuebelkeit. Gut, in den Bussen haengen schon beim Einsteigen ausreichend Spuckbeutel unter der Decke und die werden auch gebraucht!
Unangenehm wird mir das erst nach einer durchkraenkelten Nacht, nachdem ich mich kurz vor der Abreise schnell noch einmal im Hostel uebergeben musste und denke, dass ich nicht wirklich reisefaehig bin. Egal, die nächste Etappe ist eine kurze: 3Std., das schaffe ich. Damit, dass die angekuendigte Abfahrtzeit mal wieder nicht stimmte und wir 3Std. am Busbahnhof warten muessen bis es wirklich losgeht, hatten wir nicht gerechnet. Ich sterbe :-( Als wir dann alle im Bus sitzen, der Gang mit schweren Reissaecken vollgestapelt ist und nichts mehr geht, kommt der Ordnungsinn der Laoten zum tragen. Scheinbar sitzt kaum jemand auf dem ihm urspruenglich zugewiesenen Platz und das geht ja nun wirklich nicht! Also: der Englaender von da ganz hinten muss ueber die Reissaecke und Menschen ganz nach vorne wechseln. Dafuer die Mutter mit den vier Kindern i.d. Mitte und der Franzose sitzt auch falsch! Also wirklich, was ist denn hier los!? So verbringen wir noch ein Stuendchen mit der Ordnungsaktion, niemand sitzt mehr dort wo er gerne gesessen haette, aber die Dame der Busgesellschaft ist zufrieden und los geht’s. Neben mir sitzt nun ein Vater mit zwei kleinen Jungs auf dem Schoss, die sich nach besten Kraeften waehrend der ganzen Fahrt wieder und wieder uebergeben. Leider trifft man den Spuckbeutel auch nicht immer so gut wenn man noch so klein ist und auch die durchdachte Konstruktion des Vaters, der seinem Sohn den Beutel einfach rechts und links an den Ohren befestigt, schafft es nicht das Uebel abzufangen. Die zweite Garnitur Kleidung des Kleinen (fuer solche Notfaelle) ist auch schnell eingesaut und weiter geht’s. Koennt ihr euch vorstellen wie es rings um den Sitz aussah und welcher Geruch den Bus durchstroemte? Ich kann es. Ist ja auch alles nicht so schlimm, wenn man sich nicht selber so zusammenreissen muss, weil es einem gaaarnicht gut geht. Oh mein Gott, ich will nur noch ankommen, Ruhe und liegen. Was man nicht alles tut, damit die Reise weiter geht…

Aber alles wird gut. Am naechsten Morgen fuehle ich mich wieder wie neugeboren. Ich bitte den aelteren, sonnengegerbten, dunkelzahnigen Herren des Hostels, der mit etwa bis zur Brust reicht, mir im Gemeinschaftsbad zu zeigen wie das mit dem warmen Wasser funktionieren koennte. Das macht er, bleibt dann hartnaeckig im Bad stehen, sagt mir: 'I love you' und strahlt mich an! Ich lache und meine freundlich, dass sei ja nett, ha, aber als er dann seine Haende zu meinem Gesicht ausstreckt, verlaesst mich meine Geduld und es fliegen die Fetzen und die Tuere. Dann geniesse ich meine lauwarme Dusche – alleine :-)

Weiter geht es in die Berge nahe der chinesischen Grenze. Bitterkalt fahren wir zwei Stunden auf dem laostypischen Sawngthaew (eine Art ueberdachter aber ansonsten offener Pick up mit zwei Holzbaenken auf jeder Seite) nach Muang Sing. Ich ueberlege meinen warmen Schlafsack auszupacken, damit wir uns einwickeln koennen um nicht zu erfrieren.

Bis zum heiligen Abend begeben wir uns auf eine anstrengende, aber traumhaft Trekkingtour die uns noch naeher an die chinesische Grenze bringt und uns Blicke ueber die Berge bis ins Nachbarland bietet. Zum Mittagessen bedecken wir den Boden mit grünen Zweigen (als Tischdecke) und darauf wird das in Palmblaetter eingewickelte Essen ausgebreitet. Die Nacht verbringen wir in einem Akha-Dorf. Dieser Stamm lebt hier abgeschieden in den Bergen und feiert gerade schon das mehrtaegige Neujahrsfest.
Unser Nachtlager breiten wir auf dem Boden einer Huette aus und gekocht wird ueber dem offenen Feuer im selben Raum. Inga und ich denken uns, dass es unhoeflich sei so schmutzig wie wir vom Trekking sind an der Neujahrsfeier teilzunehmen und so schwingen wir uns die Sarongs um (wie es die laotischen Frauen zum Waschen und Baden i.d. Fluessen machen) und goennen uns an der einzigen Wasserstelle mitten im Dorf eine 'Dusche'. Und dann kann es losgehen: Aus den vom laut brummenden generatorbetriebenen Boxen schallt so ohrenbetaubende rauschender Laos Pop, dass wir glauben nach diesem Aufenthalt einen Gehoerschaden davonzutragen. Aber dabei kann man es natuerlich nicht belassen. Ganz wichtig ist auch noch die traditionellen Stammesklaenge mit einzubringen. Und so stehen die Einheimischen dort und lassen immer wieder riesige, schwere Bambusstaemme vor sich auf eine dicke Holzplanke schnellen. Die Klaenge konkurieren mit der Lautstaerke der aus den Boxen droehnenden Musik und dass weder der Takt noch sonstwas zusammen passt ist ja egal. Wenn man genug LaoLao (selbstgebrauten Reiswhisky) getrunken hat, dann stoert einen das ueberhaupt nicht mehr. Und so torkeln auch die kleinen (vielleicht 6jaehrigen) Kinder mit der Schnapsflasche durchs Dorf und koennen sich vor lauter Alkohol kaum noch aufrecht auf den Beinen halten...(ohne Kommentar).

Am naechsten Tag passieren wir weitere Doerfer in denen ohrenbetaeubende und farbenfrohe Neujahrsfeiern stattfinden.
Im letzten Dorf ist Ruhe – ein anderer Stamm, d.h. hier noch kein Neujahr… Die Kinder laufen uns neugierig hinterher und nachdem sie ihre groebste Scheu verloren haben, lassen sie sich der Reihe nach, von Inga und mir rechts und links an den Armen gefasst durch die Luft wirbeln. ‚Eins zwei drei huuuiii‘ rufen wir immer wenn wir zum Schwung ausholen und wir staunen nicht schlecht, als fuenf Minuten spaeter die ganze Dorfkinderschar um uns herum stolz auf Deutsch (!) ‚eins zwei drei huuuiii‘ ruft! Wie leicht wuerde es diesen Kindern fallen eine andere Sprache zu lernen, wenn es nur jemanden gaebe der sie unterrichten wuerde…

Es ist heilig Abend, als wir von unserer Tour zurueckkehren. Markus geht es garnicht gut und waehrend er sich im Bett gesund schlaeft, goennen wir Maedels uns ein wunderbares ‚Weihnachtsessen‘ bei einer ruehrenden laotischen Familie, die direkt neben der im Freien stehenden, winzig kleinen Kraeutersauna kocht. Gegessen wird, wie immer, draussen und da es hier in den Bergen nachts mal wieder bitterkalt wird, koennte man sich so einen Saunagang ganz angenehm vorstellen. Aber stattdessen decken wir zurueck im Hostel einen schoenen Weihnachtstisch mit Weihnachtsbaum (ein 10cm langer Tannenzweig, der mit einer Holzwaescheklammer als Christbaum aufgestellt wird) und Teelichtern. Dazu gibt es Spekulatius (die auf der Reise ueber Talin so gelitten haben, dass es nur noch Kruemmel sind) und Beerlao. Dann die kroenende Bescheerung: Markus hat aus Deutschland zwei Tafeln leckerste Schokolade mitgebracht! Oh, wie lange habe ich keine gute Schokolade mehr gegessen! Es ist wundervoll und wir sind sooo zufrieden :-)

So verbringen wir noch einige Tage an verschiedenen Orten im Norden Laos, die teilweise nur mit kleinen Booten zu erreichen sind. Strom gibt es oft nur von 18 – bis 20Uhr vom Generator. Schliesslich schippern wir in einer eintaegigen Flussfahrt auf einem kleinen, mit 9 Leuten gecharterten Bötchen gen Sueden. Erst auf dem malerischen Fluss Nam Ou, der dann vor Luang Prabang in den gewaltigen Mekong muendet. Auch wenn wir eng gepfercht in unserem Boot hocken und uns so manches mal fragen wie unser Bootsmann die verschiedenen Huerden im Fluss immer wieder meistert, ist es traumhaft: am Ufer winzige Doerfer, zwischen Ochsen badende Kinder, waschende Frauen und viele wunderschoene Szenen ziehen an uns vorbei. Wir fahren in den Sonnenuntergang, erreichen kurz darauf unser Ziel und sind uns alle einig, dass es keine schoener Art geben kann in Luang Prabang anzukommen.

Ein gepflegtes kleines Staedtchen, nun gerade zwischen Weihnachten und Neujahr mit Touristen ueberlaufen, aber irgendwie einfach nett.
Wir stehen, wie alle anderen auch, morgens um 5:30Uhr auf um uns die Moenche in ihren leuchtend orangen Gewaendern beim morgentlich Bettelgang durch die Strassen anzusehen und geniessen einen der schoensten Sonnenuntergaenge vom That Phu Si Huegel mit Blick auf den sich in diesem Licht scheinbar blutrot faerbenden Mekong.

Silvester wollen wir noch weiter suedlich in der Hauptstadt Vientiane verbringen. Allerdings kraenkeln wir immer und immer wieder alle abwechselnd und so schaffe ich es kurz vor Mitternacht nicht mehr mich auf den Beinen zu halten und beginne das neue Jahr mit Fieber und Schuettelfrost im Bett. Egal, ein Neujahr haben wir ja schon gefeiert und ein weiteres liegt in Vietnam noch vor mir ;-)

Wir sehnen uns inzwischen nach Wärme und Ruhe und beschliessen etwas zuegiger ganz in den Sueden ins Mekong Binnendelta zu reisen. In sechs Tagen schaffen wir die 600km. Mal mit dem Bus auf dessen Dach wie selbsverstaendlich die Mopeds gehieft und festgezurrt werden, vorbei an Strassenstaenden mit grauselig zum Essen getrockneten Viehchern, vorbei an Teppichen aus roten Chillis und Algen, die auf den Strassen zum Trocknen ausgebreitet oder aufgehängt werden, dann mal wieder ein Stück mit dem Boot auf dem Mekong, zwischendurch nochmals ein Abstecher mit einer wunderbaren Trekkingtour.

Im kleinen Staedtchen Pakse halten drei Laotinnen Phim, Sone und Nak kichernd mit dem Moped neben mir und nehmen offenbar ihren ganzen Mut zusammen um mich zu fragen ob ich bereit waehre mich von ihnen zum Thema Weihnachten in meinem Land interviewen zu lassen. Im Rahmen ihres Englischstudiums haben sie diese Aufgabe bekommen. Wir duesen mit dem Moped in eine nette Kaffeebar und die drei fragen mit Loecher in den Bauch. Toll ist das :-)

Schliesslich haben wir unser letztes Ziel in Laos erreicht: wir legen mit dem Boot auf DoneDet, eine von tausenden winzigen Inseln im Mekong Binnendelta, an und suchen uns fuer 2USD eine wunderschoene Palmhuette mit Haengematten vor der Tuer direkt am Sonnenuntergangsufer am Mekong. Koennte es schoener sein!? Hier gibt es keine Strassen, keinen Strom und das Wasser zum Kochen und zum Waschen wird aus dem Fluss geholt. Die vielen Kinder toben hinter der Huette und im Wasser herum, singen stolz die laotischen Hits hoch und runter, bringen uns gelegentlich sonderbare Koestlichkeiten vorbei und geniessen es besonders auf unserer Terasse zu hocken und Englisch zu lernen.
Wir machen kleine Ausfluege, erkunden die Nachbarinseln, schauen uns die gewaltigen Mekong-Wasserfaelle und die Flussdelphine an und geniessen so die letzten gemeinsamen Tage, bis Inga und Markus ihre Ruecksaecke packen und wieder nach Deutschland heimreisen muessen. Eine schoene gemeinsame Zeit hatten wir.

Nun schaukel ich wieder alleine in meiner Haengematte vor der Huette. Die Laotin Pai kommt mit ihrer kleinen Tochter Be vorbei und bringt ein Laotisch-Englisch-Buch mit. Bethel-kauend und -spuckend hockt sie neben mir, wir ueben den halben Nachmittag Englisch und langsam fuellt sich meine Terasse mit Neugierigen und Wissbegierigen. So beginne ich darueber nachzudenken wie es waere noch ein paar Wochen auf der Insel zu bleiben und mir eine Aufgabe zu suchen, wie z.B. in der kleinen Inselschule Englisch zu unterrichten. Ich mag dieses Fleckchen Erde und die Menschen so gerne, dass ich merke an dem Zeitpunkt der Reise angelangt zu sein wo man entweder am naechsten Tag seine Sachen packt und weiterreist oder ansonsten laaange bleibt.

Ich geniesse den Sonnenuntergang mit all seinen abendlichen Eindruecken. Es ist wundervoll: das Licht, der sanft dahinfliessende Mekong, die Inselchen, die im Fluss badenden Kinder, die Fischer, die ihre Netze auswerfen und all die anderen Einheimischen die noch geschaeftig in ihren kleinen, langen Booten unterwegs sind, die Frauen mit den spitzen Hueten, lautes Lachen, Einfachheit, so funktioniert das Leben hier, wovon wir in Deutschland glauben, so ginge es schon lange nicht mehr. Der feuerrote Sonnenball verschwindet.

Am naechsten Tag organisiere ich meine Weiterreise zur kambodschanischen Grenze, einen Tage spaeter packe ich frueh morgens meinen Rucksack, waehrend Pai mit Be auf meinem Bett sitzt und zuschaut. Ich verabschiede mich, wenn ich ganz ehrlich bin mit Traenen in den Augen, vom Dorf und reise weiter.


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