182 Tage on tour und die Reise geht weiter: 184 Tage
Bienvenido Suramerica! 
Die lange Reise geht weiter wo sie vor gut 6 Jahren geendet ist - Buenos Aires hat mich wieder. Tango a.d. Straße, Dulce de Leche an jeder Ecke, 9de Julio, die breiteste Straße der Welt. Ich bleibe gleich im Zentrum und genieße. Die Stadt ist vertraut. Dennoch bleibe ich nur eine Nacht, denn der mir bisher unbekannte Süden Argentiniens und Chiles will erkundet werdet.

Schnell lasse ich mich dazu überreden nicht, wie geplant, mit dem Zug weiterzureisen, da dieser angeblich unendlich unzuverlässig sein soll und ständig liegen bleibt. So kaufe ich mir ein teures Busticket um am nächsten Tag 9Std. weiter an der Ostküste in den Süden nach Monte Hermoso an den Strand zu reisen. Erstmal Kraft tanken, bevor es dann so richtig losgehen soll. Der Bus hat prompt mehrere Stunden Verspätung und gleich kurz hinter Buenos Aires bleiben wir erstmal drei Stunden liegen. Sonnen im Straßengraben, wundervoll ;-) Hätte ich doch das Zugticket gekauft! Willkommen in Südamerika - das ist die erste Übungseinheit in Sachen Geduld und Gelassenheit, von denen noch so einige während meiner bevorstehenden Reise folgen werden...

Leider habe ich mich mit der Jahreszeit etwas verkalkuliert und so finde ich anstatt Strandbadewetter eher stürmisch, verregnetes Frühlingswetter vor. Das Örtchen ist wie ausgestorben und die Hostels menschenleer. Umso verwunderlicher für die Einheimischen, was um alles in der Welt hier eine deutsche Alleinreisende will. Die Fragezeichen in den Gesichtern werden von Tag zu Tag größer, bis ich notgedrungen mal wieder die Geschichte erzähle, dass mein Freund derzeit noch in Deutschland arbeiten muss und ich bereits etwas früher losreisen konnte und ihn in einer Woche treffen werde. Da strahlen die Gesichter, das macht Sinn! Na dann ist ja alles in Ordnung :-)

Da mich die endlosen eintönigen argentinischen Weiten hier im Osten landschaftlich nicht so vom Hocker gerissen haben, geht es mit dem Nachtbus weiter Rtg. Puerto Madryn, Peninsular Valdez.
Endlich sehe ich sie, die Wale, die direkt bis an unser Boot heranschwimmen, darunter wegtauchen und sogar Junge dabei haben. Um uns herum wimmelt es nur so von ihnen und immer und immer wieder sehen wir die beeindruckenden Flossen bevor sie abtauchen und die großen Fontänen die sie ausstoßen. Zum Abschied springt noch einer der Wale aus dem Wasser in die Luft - mehr ging wirklich nicht - ich bin glücklich. Als Nachgang dann noch einige wunderschöne schwarz-weiße Delphine, Seehunde, Unmengen zum Schreien komischer Pinguine und vieles mehr :-) Der Abstecher hierher hat sich gelohnt!

Weiter geht es auf direktem Weg Rtg. Westen nach Bariloche. Die Schweiz Argentiniens. Endlich wieder Landschaft wie ich sie soo sehr mag :-) Es ist wundervoll. Gottseidank ist Bariloche derzeit nicht grau von Vulkanasche zugeschüttet (wie ich vorher von vielen Leuten gewarnt wurde). Allerdings zieht in unregelmäßigen Abständen immer wieder Asche des immer noch aktiven Vulkanes von Chile herüber. Mehr in Mitleidenschaft gezogen ist leider noch Villa La Angostura etwas weiter nördlich gelegen. Mir erscheint dieser Kampf gegen die Asche die alles, alles überdeckt, deprimierend. Die Natur wird viele Jahre brauchen um zu ihrem ursprünglichen Zustand zurückzufinden, aber die Menschen scheinen sich damit arrangiert zu haben.

Meine Tage in Bariloche genieße ich in vollen Zügen mit wunderschönen Wanderungen, vorbei an malerischen Seen, Paragliden, Ausflügen zu Wasserfällen und sonderbar schwarzen Gletschern. Ich eröffne mit einigen Argentiniern die Badesaison im Lago Escondido.... brrr, frisch, aber nach einer Wanderung so herrlich. Danach wird, klassisch argentinisch, in der Runde Mate getrunken und schließlich geht es noch auf ein Stück Schokoladenkuchen in die Colonia Suiza - so lässt es sich leben... obwohl das nicht so ganz das ist, was man sich unter Südamerika vorstellt. Jeder erzählt stolz von seinen europäischen Vorfahren und jede bestehende europäische Kolonie wird groß angepriesen. Es ist westlich, modern, könnte Europa sein. Ein wenig sehne ich mich nach etwas mehr Einfachheit.

Einige Tage darauf geht es über die Anden nach Puerto Montt, Chile. Der Bus fährt direkt durch eine frische graubraune Vulkanaschewolke. Der Staub beißt in den Augen, der Nase, der Lunge. Eine nicht schöne, aber interessante Erfahrung.

Puerto Montt wird schließlich der Startpunkt für eine traumhafte und sehr eindrucksvolle Reise entlang der Carretera Austral Rtg. Süden, von der ich bald berichten werde.

Jetzt aber muss ich mich erstmal auf meine geplante Vulkanbesteigung vorbereiten und schicke zufriedene Grüße aus Pucón
Dörte

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