182 Tage on tour und die Reise geht weiter: 184 Tage
Afrique en miniature 
Ein Land, das vom feuchtesten äquatorialen Regenwald bis an den Rand der Sahara reicht, man kann an weißen Tropenstränden baden, an denen Wasserfälle direkt ins Meer enden und an schwarzen Stränden den dritthöchsten Berg Afrikas sehen, einen über 4000m hohen Vulkan. Hier leben Menschen über 200 verschiedener Ethnien, mit über 200 verschiedenen Sprachen, Christen, Muslime und Glaubensvertreter von Naturreligionen friedlich miteinander. Man kann deutsche Kolonial-Geschichte verfolgen und wilde Tiere sowohl in der Savanne als auch im Regenwald sehen.
Kamerun, ein Land vom Tourismus wenig beachtet, grenzend an Nigeria, den Tschad, die Zentralafrikanische Republik, die Republik Kongo, Gabun, Äquatorialguinea und den atlantischen Ozean.

Ich bin seit Wochen mittendrin in diesem spannenden und auch fordernden Land.
Tausende von Kilometern habe ich mit dem Zug über das Adamawa-Plateau, mit dem Bus über übelste Straßen, mit bis zum Bersten überfüllten Minibussen, Toyota-Corolla-Sammeltaxis (in denen man hinten zu fünft und vorne zu viert reist) mit unzähligen Pannen bis hoch in den Norden zurückgelegt. Tage um Tage weiter auf Moped-Taxis über Feldwege in deren Schlaglöchern ganze Mopeds versinken könnten. Stundenlang durch Staubduschen der knochentrockenen roten Erde, die ich bis vor kurzem noch so verromantisiert habe – jetzt nicht mehr. Der Harmattan, der zu dieser Jahreszeit den Wüstenstaub der Sahara über das ganze Land weht und meist den Himmel und jeglichen Weitblick in einen braungrauen Dunst taucht, beißt auf den langen Srecken in den Augen, der Nase, der Lunge. Ich verschenke meine gerade neu erstandenen Tücher an meine Moto-Taxifahrer, die selber nichts besitzen um sich vor dem Staub zu schützen.

Zwei Tage wandere ich im Norden durch die unbeschreibliche Mondlandschaft der Mandara-Berge bis über die Grenze nach Nigeria. Sehe Menschen mit Krankheiten von denen ich bisher nichtmal ahnte, dass sie existieren. Übernachten kann ich in einer Lehmhütte der einfachen, winzigen Bergdörfer. Das Wasser muss vom Brunnen weit, weit her geholt werden. Gekocht wird hier, wie in all den Dörfern ganz selbstverständlich, auf einer kleinen offenen Feuerstelle, meist im Freien. Gelegentlich habe ich das Gefühl ich wandere durch ein Museeum, welches zeigt, wie die Menschen einst lebten, aber es ist Realität, es ist jetzt und hier und es wird noch lange so sein.

Der wöchentliche Markttag ist das Highlight. Alle tragen ihre schönste Kluft, da man ja sieht und gesehen wird. Was für ein wundervoll farbenfrohes Ereignis!. Ein Mann mit einem kleinen Beutel voll Bohnen begleitet mich unterwegs ca. 2 Stunden über die Feldwege zum nächsten Markt um diese dort zu verkaufen und für das wenige Geld eine Kleinigkeit an anderen Lebensmitteln für die Familie mitzubringen.

Eine weitere lange Reise bringt mich recht nah a.d. Tschad, zu den Giraffen und Spuren der Löwen und Elefanten. Leider ist von letzteren weit und breit nichts mehr zu sehen, wurden hier doch erst vor wenigen Monaten hunderte von Elefanten brutal abgeschlachtet – nur wegen des Elfenbeines.

Nach zwei Wochen verabschiede ich mich aus dem unglaublich trockenen Norden und reise in drei Tagesetappen ins westliche Grasland. Es tut gut wieder grüne Landschaft zu sehen. Eine Audienz beim König bekomme ich und besorge als Gastgeschenk noch rasch ein schönes Huhn und 10 Liter Palmwein. Leider reicht die Zeit dann nicht mehr zum für mich angedachten Festmahl, wofür eigens geschlachtet wurde, zu bleiben. Aber ich finde es eh recht anstrengend sich in ewig geduckter Haltung (zum Zeichen der Unterwürfigkeit) zu unterhalten. Faszinierend, dass sich entsprechend auch jede seiner vielen Frauen zu verhalten hat.Überhaupt ist mir bei dem, was ich hier an Ausmaß von Polygamie erlebt habe, fast die Spucke weggeblieben. Die einzelnen Stammesoberhäupter (Fons oder Chiefs) halten sich doch gerne mal 50 bis 100 Frauen und diese leben keineswegs komfortabel, sondern teilweise erschienen mir die Unterbringungen und die Art wie sie leben müssen so trist wie lebendig begraben – schaurig…brrrr.

Ich freue mich auf die Küste und eine Entschleunigung des Reisetempos. Anstrengend waren die letzten Wochen. Ratten auf den Zimmern und überall wo auf der Straße gekocht wird, scheinen normal zu sein. Äußere ich dazu meine Abneigung, fragen die Menschen mich ob ich keine Ratten mögen würde – nein, ich mag sie nicht!
Überhaupt scheinen die Kameruner, was Schmutz angeht, absolut schmerzfrei zu sein – es ist unglaublich! Sie sind Meister darin irgendwo rumzuliegen und vor sich hinzudösen – stattdessen einen Lappen in die Hand zu nehmen oder allgemein Dinge zu pflegen um sie in einem guten Zustand zu erhalten, scheint vollkommen fremd zu sein. Alles ist in einem Maße verkommen, wie man es sich kaum vorstellen kann.

Inzwischen habe ich die schwarzen Vulkanstrände im Norden abgehakt und lausche nun schon seit einigen Tagen den Wellen der wundervoll hellen Strände im Süden. Bis kurz vor die Grenze zu Äquatorial Guinea habe ich es geschafft. Was macht man hier, wenn der Hunger sich meldet und es meilenweit weder Restaurant noch Kiosk gibt? Dann klettern die kleinen Jungs aus dem Dorf die Palmen hoch und nach 3 Kokosnüssen kann man nur noch satt und faul am Tropenstrand liegen und in den Fluten treiben – herrlich :-)

Morgen heißt es vom Atlantikrauschen Abschied nehmen, zurück nach Yaoundé, wo die Reise vor 4 Wochen begonnen hat und heim ins kalte Deutschland.

Allen Daheimgebliebenen wünsche ich ein wundervolles neues Jahr!

[ kommentieren ] ( 63 mal gelesen. )   |  Permanentlink  |   ( 3 / 4973 )

<Zur¨ck | 1 | 2 | 3 | Weiter> >>