Ist heute nicht ein besonders schöner Tag!? 
meint das Mädchen, dass gerade an der Hausecke im Dorf leckerstes Essen brutzelt. Ein ganzer Tag ohne Sonne, nur bedeckter Himmel. Das ist doch herrlich strahlt sie.
Ich hätte mir für meinen letzten Tag an der Küste knackig sonniges Strandwetter gewünscht. Stattdessen prasselt gerade der nächste Regenschauer herab. Es ist der Beginn der Regenzeit. Zeit sich von der Küste zu verabschieden und Zeit die vergangenen Monate Revue passieren zu lassen.

Über drei Monate bin ich nun auf Reisen. Monate in denen ich mich langsam von Nicaragua bis Kolumbien treiben lassen habe. Monate in denen viele Dinge wieder so selbstverständlich geworden sind: Das Gepäck wird auf dem Bus Dach verstaut, fährt man vormittags Rtg. Süden sitzt man immer rechts im Bus, am Nachmittag dann besser links, sonst schmilzt man wie Schokolade in der Sonne. Jeden Abend wird das Moskitonetz aufgehängt, Hose und T-Shirt werden vor dem Anziehen auf lebendigen Inhalt inspiziert.


Nicaragua und immer wieder Gallo Pinto

Reis und Bohnen oder Bohnen und Reis - nein noch besser Reis gemischt mit Bohnen! Gallo Pinto, ohne das geht hier in Nicaragua nichts. Frühstück, Mittagessen, Abendessen. Egal wo und wann ich frage ob es etwas ohne Fleisch zu essen gibt, bekomme ich, nach kurzer Überlegung voller Stolz und als könne man mir heute mal etwas ganz besonderes anbieten, zur Antwort: Si, claro: Gallo Pinto! Dazu ein Rührei, Patacones (frittierte Kochbananen) und wenn es mal ganz gut läuft ein kleines Stück Käse, der von hier bis weit nach Südamerika immer gleich ausschaut und gleich schmeckt.

Nachdem ich mich über Weihnachten im nicht sonderlich sehenswerten Managua erstmal ausgeschlafen habe, mache ich mich auf die lange Reise über Land und Wasser zu den in der Karibik gelegenen Corn Islands. In den vor mir liegenden Monaten möchte ich nicht fliegen, habe ich mir vorgenommen. So geht es viele Stunden im rumpligen, übervollen Bus quer durchs Land. Ich liebe es! Die Landschaft ist sattgrün und wunderbar hügelig. Kühe, Esel, Mulis, Pferdekarren und Straßenhändler die je nach Gusto des Busfahrers oder seines Assistenten aufspringen dürfen und leckere Kleinigkeiten verkaufen.

Irgendwann endet die Straße und es bleibt nur der Flussweg um bis zum Hafenstädtchen Bluefields an die Küste zu gelangen. Auf dem riesig breiten, wundervoll dschungeligen Rio Escondido fühle ich mich wie auf einem Seitenarm des Amazonas.
Bluefields ist ein recht ursprüngliches, nicht allzu turbulentes Städtchen. Ich versuche mir das Treiben dort, das Frühstück auf einem Holzschemel vor einer kleinen Bude im schmuddeligen Gewirr der kleinen Gassen des Marktes am Hafen, die vielen kleinen Fischerboote, Cevice (roher Fisch in Zitronensaft), was am „Kiosk“ um die Ecke verkauft wird, die an den Füßen zusammengebundenen Hühner die im Schlamm gleich neben den großen Körben voller Orangen stehen ü.. alles gut einzuprägen. Wie lange wird es noch so sein? Der Baubeginn des Nicaragua-Kanales ist bereits zu Ende des Jahres geplant und einer der möglichen Verläufe geht im Süden von der Pazifikküste durch Mittelamerikas größten Binnensee, den Nicaragua-See, weiter durch den Rio Escondido und endet in Bluefields. Ein Projekt der Chinesen - für mich gerade unvorstellbar.

Meine Vorstellung, dass hier alle Nase lang Schiffe auf die Corn Islands fahren, entspricht leider nicht ganz der Realität. Ein Frachtschiff führt einmal die Woche und nimmt Passagiere mit. So sitze ich, wie auch die anderen Passagiere, am übernächsten Tag morgens um 9 Uhr mit Sack und Pack am Hafen und freue mich auf die angeblich 5-stündige überfahrt, die um 10 Uhr starten soll. In Wirklichkeit wird es ein langer Tag des Wartens, denn der Frachter taucht erst um 16 Uhr auf. Die Auskunft des Frachter Büros, dass es eine Stunde später weitergeht, passt nicht ganz; um 22 Uhr legen wir ab und starten mit gutem Seegang in die Nacht hinein. Es gibt, wie aus Holzpalletten zusammengeschusterte 3-stückige Hochbetten. Alles ist restlos überfüllt mit Fracht und Passagieren. Ein Reisender äußert den gewagten Vergleich mit einem Flüchtlingsschiff. Die Betten werden zu zweit und dritt geteilt. Der kleine Junge der Familie im Nachbarbett kommt immer wieder zu mir rüber gekrabbelt und erzählt mir seine ganze Familiengeschichte, wie viele Väter und Großeltern er hat und und und & sehr beeindruckend ;-) Dann gibt er mir Miskito-Unterricht, denn neben Spanisch und Englisch (was hier an der Karibikküste fast alle sprechen) spricht er Miskito, die Sprache des Stammes, der ursprünglich hier, bzw. im Norden Nicaraguas an der Küste lebt.
Nach einer Nacht, teils ohne Licht, mit wilden Wellen und entsprechend viel Brecherei an Bord, mit Sturzregengüssen und der Frage ob wir überhaupt ankommen werden, erreichen wir am Morgen Big Corn Island ü puh, für den Rückweg werde ich mir ggf. eine Alternative überlegen.



Auf den Inseln lasse ich die Seele baumeln und steige Tage später, wider meines ursprünglichen Vorhabens, in die kleine Propeller-Maschine zurück nach Managua um von dort gleich weiter Rtg. Westen nach León zu gehen. Auf dieser Seite scheint das Land wie eine andere Welt. Im Gegensatz zur Karibikseite gibt es so gut wie keine schwarze Bevölkerung, keinen teils sehr derben, harten Kreolischen Einfluss. Die Vegetation ist nicht dschungelig sondern jetzt in der Trockenzeit recht braun und trocken.

Ich genieße León, das wunderschöne Kolonialstädtchen, wo man auf dem Dach der alten Kathedrale Spazierengehen
und ganz anders als in Managua, sogar nach Einbruch der Dunkelheit noch durch die Straßen schlendern kann.

Von hier aus geht es auf zum Vulkantrekking auf den aktiven Vulkan Telica. Sooo toll!!!
Kurz vor Sonnenuntergang sind wir oben und schauen in den laut fauchenden Krater hinein und haben einen umwerfenden Ausblick auf umliegende Vulkane und bis zum Pazifik.
Das sind Reisemomente die so richtig, richtig glücklich machen!
Zurück runter sind wir dann im Dunkeln gelaufen und haben Unmengen Skorpione und zwei tolle groüe Taranteln auf dem Weg gesehen.
Vorsichtshalber habe ich das Ende meiner Hosenbeine in die Socken gesteckt, falls eines der Viehcher auf die Idee kommen sollte in meine Hose zu kriechen - da bin ich doch immer noch ein Angsthase ;-)

Nach Stadt und Anstrengung warten die schönen Surfwellen am Pazifik in Las Penitas. Zwei/drei Nächte hatte ich geplant und lande dann im Haus einer so freundlichen Familie, direkt am Strand, dass ich für über eine Woche einfach hängenbleibe.

Hier lerne ich auch ein junges deutsch/amerikanisches Paar kennen, dass auf der Suche nach Nachhaltigkeitsprojekten um die Welt reist und diese Projekte dann 3 Partner-Schulklassen in Österreich und den USA vorstellt, ihnen die Möglichkeit bietet Fragen zu stellen, die sie vor Ort in den Projekten weitergeben und beantworten lassen. Eine fantastische Idee um bei Kindern/Jugendlichen das Interesse zum Thema Nachhaltigkeit zu wecken. ==> www.forum-via.org

Auf der Suche nach einem noch ursprünglicheren Gebiet an der Küste Nicaraguas mache ich mich auf den Weg nach Norden. Die Busse werden immer einfacher, die Touristen immer weniger. In Chinandega warte ich in einem verruchten, quirlig schmuddeligen Marktgebiet der Stadt auf den Bus der mich an die Küste nach Jiquilillo bringen soll. Ich warte und warte. Vor lauter Langeweile frühstücke ich zum dritten Mal in den Markthallen ü das Essen ist aber auch einfach zu günstig und es gibt so unzählig viele leckere Kleinigkeiten.
Als ich schließlich im Bus sitze wird dieser so extrem von weiteren Straßenverkäufern gekapert wie ich es während all meiner Reisen noch nie erlebt habe. Wow, es gibt alles zu kaufen was man brauchen und nicht brauchen könnte: Zahnbürsten, Plastikschüsseln und Siebe zum absoluten Sonderpreis, Wasser und Frescos (stark verdünnter und gezuckerter frischer Fruchsaft), Limo in allen Farben, Ananas in Scheiben, Empanadas, Tortillas, verboten leckeren Milchkuchen, Kaugummis, Eis, Wassermelone, Papaya, Äpfel, grüne Mangos mit Chili und Zitronensaft (leecker! ), Rosquillas (eine Art Blätterteigkekse die man in schwarzen Kaffee tunkt), Haarspangen, Planzentabletten die bei (fast) jeder Krankheit helfen und unendlich vieles mehr. Eine Verkäuferin hält mir einen verlockend duftenden Kuchen unter die Nase und meint den müsse ich jawohl kaufen! Ja, ich glaube, dass er lecker ist, aber ich kann kein viertes Mal frühstücken! Der kleine Junge legt mir das Paket Äpfel, welches ich nicht kaufen möchte, einfach auf den Schoß. Irgendwann gebe ich dann nach und die leckeren Quesadillas und ein Paket geschälte Orangen (die man zur Erfrischung einfach aussaugt) landen mal auf Vorrat in meiner Tasche.
So wird die Fahrt bei mörderischer Hitze im rumpligen restlos überfüllten Bus mit bis zum Anschlag aufgedrehter Musik (u.a. von Modern Talking!) über steinige Staubpisten zum sehr unterhaltsamen Vergnügen. Es ist soo anstrengen und ich liebe es soo sehr!

Der tolle breite Strand von Jiquilillo ist endlos lang und das dazugehörige Dorf winzig. Würde man hier im Norden einfach über die riesige Bucht schwimmen, wäre man schon in El Salvador.
In der Unterkunft lerne ich Dave, einen älteren Herren aus den USA kennen, der ein Projekt in der Stadt Matagalpa in den Bergen im Norden Nicaraguas unterstützt. Er hat bereits zum wiederholten Mal ausrangierte Rollstühle und andere Hilfsmittel für behinderte Kinder gesammelt, in einem Container hergeschickt und nun wartet er auf die Ankunft eines Teams freiwilliger Ärzte, Physiotherapeuten, Logopäden und Lehrer, die in Matagalpa Einheimische anlernen sollen. Dave bietet an, mir das Projekt vorzustellen und so finde ich mich wenige Tage später in Matagalpa wieder und verfolge voller Begeisterung die Arbeit des fantastischen Teams. Es werden neue Rollstühle angepasst für die Kinder die aus den alten rausgewachsen sind und man sieht so viele strahlende Augen, dass mir zwischendurch die Tränen kommen. In der Schule die vorbildlich für körperlich behinderte Kinder gestaltet ist versichern mir alle einstimmig, dass die unbeliebteste Zeit des Jahres die Ferien sind! So wunderbar.

Da ich nun schon mal so weit im Norden bin, mache ich mich von hieraus auf den Weg nach Somoto, direkt an der Grenze zu Honduras. Hier gibt es einen sehr schönen Canyon der erst vor wenigen Jahren für den Tourismus entdeckt wurde. So kann man dieses spezielle Stück Natur noch entsprechend unberührt Genießen, wirklich ganz toll!

Nun bin ich schon 11/2 Monate in Nicaragua. Trotzdem das Land nicht sonderlich groß ist, gibt es hier doch so unendlich viel Interessantes zu sehen. Je weiter ich gehe, desto mehr interessante Ecken tun sich auf und ich mag mich so gar nicht vom Land trennen.
Dennoch wird es nun Zeit Richtung Süden zu reisen.

So sitze ich am nächsten Tag im Bus nach Masaya, DIE Kunsthandwerk-Stadt von Nicaragua, besonders bekannt für ihre wunderschönen Hängematten. Auf dem Kunsthandwerker-Markt begegne ich zum ersten Mal den Touristenmassen aus den USA, bei denen besonders der Süden des Landes für einen kurzen Urlaub beliebt ist. Sie werden in ganzen Busladungen zu diesem Markt gekarrt, inklusive landestypischem Essen und der Vorführung einer traditionellen Musik- und Tanzgruppe. Ich mache mich schnell wieder aus dem Staub.
Am Abend sitze ich in einem Restaurant und Teile mein viel zu großes Abendessen mit Elisier, einem Schuhputzer-Straßenjungen, der bis zum Anschlag nach Klebstoffschnüffel riecht, dementsprechend zittert und nicht ganz so klar ist. Was für ein Elend! Nun habe ich einen Freund hier in der kleinen Stadt Masaya, denn er taucht stündig wieder irgendwo auf und hängt mir am Rockzipfel. Habe ihm gesagt wenn er ordentlich zur Schule geht und fleißig lernt, dann kann er Fremdenführer für die Stadt werden, die er kennt wie seine Westentasche und das ist doch tausend Mal besser als Schuhputzer - fand er irgendwie auch. Am nächsten Tag hat er den ganzen Vormittag vor dem Hostel gehockt und auf mich gewartet. Ich war früh zu einem kleinen Dorf in den Bergen oberhalb einer Kraterlagune unterwegs und als ich zurückkam hockte er da und hat gestrahlt und schon wieder nach Klebstoffschnüffel gerochen. So ein Mist, damit macht er sich alles kaputt! Habe mich dann noch eine Weile zu ihm und der alten Frau die auf der Straße Orangen verkauft, gehockt und versucht ihm zu erklären, dass er alles verliert wenn er weiter schnüffelt und so niemals Fremdenführer werden kann! Ja ja, hat er sich wahrscheinlich gedacht... das sind echte Sorgen, ich kann's euch sagen! Was haben es die meisten Kinder in Deutschland doch gottseidank gut!

Ich verabschiede mich und fahre weiter zur Kraterlagune Apoyo. Auch hier bleibe ich nochmals etwas langer als geplant hängen, weil es einfach zu schön ist. Ein Kratersee mit etwas schwefeligem, perfekt temperiertem Wasser um ganz früh am Morgen im Sonnenaufgang schwimmen zu gehen, Kajak zu fahren und haufenweise Brüllaffen zu beobachten die wahlweise wild durch die Bäume toben oder, nachdem sie ordentlich gespeist haben, trüge vor sich hindösen.
Etwas grauselig ist es wenn gelegentlich eine Schlange aus den Bastdächern herabfüllt oder Skorpione durch die Zimmer laufen ü aber auch damit lernt man sich irgendwie zu arrangieren.

Nach einem Zwischenstopp in der in Nicaragua wohl am meisten von Touristen frequentierten Kolonialstadt: Granada, geht es mit dem Boot über den riiieeesigen Nicaraguasee auf die Insel Ometepe, eine Insel die aus zwei Vulkanen besteht ü sehr speziell. Der See ist so unglaublich groß, dass man am Horizont kein Land sieht. Die Wellen sind so hoch, dass man gar nicht glauben kann, dass es sich hier um einen See handelt! Erst wenn man das Wasser probiert und merkt, dass es nicht salzig schmeckt, glaubt man es.
Hier jagt ein Sturzregenschauer den nächsten und es stürmt an der Ostküste, wo ich mir eine Bleibe gesucht habe, so sehr, dass man es teils draußen kaum aushält. Dennoch schaffe ich es eine Schönwetter-Phase zu nutzen um eine Kanutour in die wunderschöne Lagune zu machen die die Insel i.d. Mitte nahezu teilt. In der Lagune wimmelt es von Krokodilen ü schaurig schön! Wir kommen ihnen so nahe, dass ich zwischendurch schon Angst bekomme, dass ein Krokodil aufs Kajak springen und meine Füße als zweites Frühstück verspeisen konnte. brrrr.

Dann ist es endgültig Zeit Abschied zu nehmen von Nicaragua, diesem vielfältigen Land mit den schönen Karibikinseln, den tollen Surfwellen am Pazifik, malerischen Kolonialstädten, dem fantastischen Somoto-Canyon im Norden, von brodelnden, fauchenden Vulkanen, wundervollen riesigen Mangrovengebieten mit Krokodilen und Papageien, Nebelwäldern, Kaffee- und Kakaoplantagen im Hochland, beeindruckenden Seen, Kraterlagunen und seinen noch so ursprünglichen Gegenden.


Costa Rica oder einfach nur Tica

Da bin ich nun kurz darauf: in Costa Rica oder einfach nur Tica, wie die Einheimischen sagen. Hier gibt es weiterhin Reis gemischt mit Bohnen, aber es heißt nicht mehr Gallo Pinto, sondern nur noch Pinto. Die Busse sind erstklassig und (in Nicaragua völlig undenkbar), man steht sauberst in einer geraden Warteschlange um einzusteigen. Touristen, in erster Linie aus den USA, noch und nöcher. Manche sagen eigentlich sei Costa Rica schon ein Teil der USA. So gibt es auch Burger- und andere Fastfood Läden ohne Ende. Und teuer ist es, richtig teuer.
Somit ist mein Plan nicht mehr als zwei Wochen im Land zu bleiben.

Die beste Zeit verbringe ich im Süden auf der Osa-Halbinsel und dem dort gelegenen Corcovado Nationalpark ü wow, was für ein Naturparadies! Eine unglaubliche Tierwelt der ich hier so sehr nahe kommen darf. Einige Tage wandere ich durch den Dschungel, der so voll von kleinen grünen und riesigen roten Papageien und Affen aller Sorten ist, dass man die Anblicke so richtig in sich aufsaugen kann. Und wie elegant die riesig großen roten Papageien immer zu zweit über die Baumkronen des Dschungels fliegen ü da kommen einem die Tränen wenn man daran denkt wie viele von ihnen irgendwo mit gestutzten Flügeln als Maskottchen gehalten werden. Mit von der Partie sind natürlich auch viele Spinnen und giftige Schlangen, von denen schon eine zum Sterben reicht. Gut zu begreifen, dass man nicht zu ihrem potenziellen Futter gehört, sondern sie nur ihren Frieden vor den Menschen haben wollen.
So ist es auch wieder angenehm nach diesen Tagen sauber geduscht mit Blick auf die vom Dschungel umgebene wunderschöne Bucht von Drake in einem richtigen Zimmer schlafen zu können. Von hier aus geht es mit dem Boot weiter durch ausladende Mangroven-Gebiete ins Inland und zurück in die Hauptstadt San Josü, wo ich einen Freund vom Flughafen abhole um zwei Wochen gemeinsam nach Panama zu reisen.


Oh wie schön ist Panama!

Egal wie schön Panama ist, ohne diese Überschrift geht es, glaube ich, nicht ;-)

Unser erstes Ziel gleich nach der Grenze sind die Inseln Bocas del Toro in der Karibik. Sie sind schön, aber nicht ganz so malerisch wie ich sie mir vorgestellt habe. Um nicht im Touristen-Trubel der Hauptinsel Bocas hängenzubleiben, gehen wir gleich mit dem Sammeltaxi-Boot (das hier übliche öffentliche Verkehrsmittel) weiter auf die Inseln Bastimentos mit ihren wilden Stränden und ohne Straßen und Fahrzeuge. Im kleinen Dorf scheinen die Menschen nach und nach im Müll zu versinken ü unglaublich! Unter den einfachen Holzhäusern auf Stelzen sammelt sich der Plastikmüll, alte vergammelte Kühlschränke und was es sonst noch so gibt. Dazwischen spielen die unzähligen Kinder, Hunde und Katzen. Wenn hier nicht bald etwas geschieht zerstören sie ein Paradies.

Was bereits seit kurz vor der Grenze und auch besonders hier außerordentlich auffällt sind die vielen Chinesen, die so gut wie alle Supermärkte in ihrer Hand haben.
Leider gibt es während der Tage die wir auf Bastimentos verbringen einen traurigen Vorfall: Ein Chinese und sein Sohn wollen von der Hauptinsel Bocas neue Ware rüber nach Bastimentos bringen. Lt. Aussage der Einheimischen haben sie, trotz Warnung, ihr kleines Boot mindestens dreifach überladen und sind bei Wind und stärkerem Seegang, der dieser Tage herrschte, mit einer Welle die ins Boot schlug gesunken und beide ertrunken, da sie nicht schwimmen konnten. Nun bleibt ein Teil der Supermärkte auf der Insel geschlossen und egal wo man geht und steht ist der Vorfall das Gesprächsthema Nr. 1.

Schließlich bestaunen wir noch die fast unwirklich erscheinenden riiieeesigen Schiffe wie sie durch den Panama-Kanal gleiten und durch die, wie es scheint, auf den Millimeter passenden Schleusen gezogen werden. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass das in Nicaragua alles noch größer werden soll, unglaublich!

Weiter auf dem Programm steht der leider etwas enttäuschende Karneval in Panama City - man ist aber auch verwöhnt wenn man i.d. Umgebung von Köln aufgewachsen ist ;-)

Kurz darauf finden wir uns in einer anderen Welt wieder:


San Blas - 365 Inseln



Die 365 San Blas Inseln in der Karibik zwischen Panama und Kolumbien liegen praktisch auf dem Weg wenn man das Darien Gap (die einzige Unterbrechung der Panamericana die von Kanada bis nach Feuerland führt) auf dem Wasserweg umgeht.

10 Tage reise ich durch die Inselgruppe - ohne Kontakt zur Außenwelt, ohne Bad, ohne Süßwasser, größtenteils ohne Strom mit Übernachtungen in der Hängematte unter freiem Himmel. 365 fast unwirklich scheinende malerische, teils winzigen Karibikinseln. Eine Handvoll Palmen, ringsum weisse Sandstrände (als hätte man sich in eine der kitschigen Postkarten gesetzt) schönste Korallenriffe, Hummer den man sich eben mal zum Abendessen aus dem Meer fischen konnte (bis ich irgendwann dachte: Och, schon wieder Hummer!?) und Kokosnüssen ohne Ende und den sehr traditionell lebenden Kuna Yala, denen dieses (semiautonome) Gebiet gehört. So viele Tiere habe ich gesehen: riesige Manta Rochen, Haie, Pulpos, Seesterne ohne Ende und an einem Tag wurde unser Boot ganz lange von einer riesigen Truppe Delfine begleitet - traumhaft schön!


Zurück in Kolumbien

Nach all diesen Monaten sitze ich nun mit Pullover und Schal im auf angenehme, gefühlte 2 Grad heruntergekühlten Bus von Medellin nach Bogota und genieße meine heißgeliebte, an mir vorbeiziehende Andenlandschaft. So mächtig, so endlos riesig sind sie, die Berge, so sattgrün zum Reinbeißen! Und die Wolken sind nicht immer nur über uns, sondern auch unter uns  Ein Genuss - so könnte ich ewig fahren. Gottseidank ist Kolumbien riesig und so bedeutet dieses kleine Stück auf der Landkarte, 13 Stunden im Bus.

Schön waren sie, die letzten Tage in der big City Medellin. Nach der entsetzlichen Schreckensherrschaft durch Pablo Escobar, ist die Stadt inzwischen eine der sichersten und am besten entwickelten Kolumbiens. Die einzige Stadt Kolumbiens mit einer Metro. Die macht die Wege von A nach B zum Vergnügen. So sauber, so freundlich. Als ich am Busterminal ankomme und mir das Ticket für die Metro zum Hostel kaufe, fragt mich der Ticketverkäufer, trotz langer Warteschlange am Schalter, ob ich denn auch wüsste wo ich umsteigen muss!? Strahlend erklärt er mir die Strecke und nennt mir den Ticketpreis, halt Stopp, er Weiß die Zahl auch in Englisch, Gute Fahrt wünscht er mir und dann ist der nächste Kunde an der Reihe. Bienvenido & Willkommen in Kolumbien! Die Paisas, wie sich die Einwohner Medellins nennen, sind so stolz auf ihre Stadt, dass sie sich für etwas Besonderes halten.
Für mich ist es ein guter Zwischenstopp und mich nach über 3 Monaten mit fast ausschließlich Barfuß-, Shorts- und T-Shirt-Wetter so langsam Rtg. Kälte in Bogota und schließlich Deutschland zu akklimatisieren.
Dort werde ich in wenigen Tagen wieder landen und dann wartet schon das nächste spannende Kapitel:
Italien.




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