182 Tage on tour und die Reise geht weiter: 184 Tage
Die Strassen Rwandas 
Gestern habe ich meine kleine Rwanda-Rundreise beendet und bin (gezwungenermassen) nochmal nach Uganda eingereist um heute das Land wieder Rtg. Tansania zu verlassen.
Ist hier auch alles nicht so einfach mit den Grenzueberschreitungen - da muss man schonmal einen Umweg ueber ein Drittland machen ... ;-)

Da fuer mich mein erster Tag in Rwanda besonders eindrucksvoll war, moechte ich Euch in diesem Reisebericht einfach mal diesen einen ganzen Tag mit auf die Reise nehmen...

Letzten Dienstag stand vormittags in Kisoro (Uganda) mein Motoradboda bereit um mich ueber uebelste Feldwege an den Grenzuebergang nach Rwanda zu bringen. Zwischendurch haelt er noch irgendwo im Nichts bei einer Bretterbude an um nach irgendeinem Bekannten zu suchen, der mir Rwandische Francs besorgen kann... Als dieser dann auftaucht und wir heiss ueber den Wechselkurs verhandeln, steht schnell ein ganzer Menschenpulk dicht gedraengt um uns herum, der aufmerksam verfolgt was wir verhandeln und wieviel Geld den Besitzer wechselt - also von Diskretion scheinen die noch nichts gehoert zu haben... Obwohl ich 'nur' 40USD gewechselt habe, bin ich fuer sie jetzt offensichtlich die gaaanz Reiche und jeder schreit mir entgegen: 'Give me money!' oder 'Pay for me!' Na prima, schnell weg hier kann ich da nur sagen...

Weiter geht es durch traumhafte Landschaft - wir scheinen eine ganze Kette der Virunga Vulkane zu umrunden. Ein fantastischer Blick! Aber gottseidank geht die Fahrt bis zur Grenze nicht allzulang, da die Feldwege mit komplettem Gepaeck auf dem Moped doch etwas anstrengend sind.

Der nette Bodafahrer zeigt mir dann wo ich mich auf ugandischer Seite ausstempeln lassen und wo ich in Rwanda einreisen kann. Weit und breit kein Tourist - ich geniesse das :-)
Die Deutschen sind einige der ganz wenigen, die ohne Visum nach Rwanda einreisen duerfen. Wir sind dort offensichtlich gerne gesehen und so ist der Zollbeamte auch gleich ueberaus freundlich und gespraechig. Eigentlich wollte ich schnell weiter, aber als ich aus meinem Reisefuehrer die Anschrift meiner (vermutlich) naechsten Unterkunft fuer das Einreiseformular heraussuchen will, stuerzt er sich begeistert auf das Buch, blaettert darin und erklaert mir ausfuehrlich jedes Bild und jede Landschaft die er kennt und erzaehlt und erzaehlt und erzaehlt...

Unglaublich ist der Wandel der Strasse beim Grenzuebertritt: aus dem ganz ueblen Feldweg auf ugandischer Seite wird auf ruandischer Seite schlagartig eine breite, glattgeteerte Strasse - ich bin beeindruckt! Bin ich wohl wirklich in der 'Schweiz Ostafrikas' gelandet...

Nun fahren wir wieder rechts und nicht mehr links, die Uhren werden eine Std. zurueckgestellt, man spricht Franzoesisch und die Matatus tragen ringsrum keinen blauen Karostreifen mehr, sondern einen gruenen.
Als ich in das Matatu steige, welches mich zur naechstgelegenen Stadt bringen soll, scheint mir allerdings, dass hier die ausrangierten ugandischen Fahrzeuge genutzt werden. Das Lenkrad ist immernoch rechts und die Dinger scheinen wirklich absolut auseinanderzufallen (wundert mich, dass bei all dem Rost der Boden noch nicht rausgebrochen ist... und dass die Tuer sich nicht schliessen laesst ist ja egal, man kann sie schliesslich von innen zuhalten ;-) )
Ich geniesse den Luxus vorne neben dem Fahrer sitzen zu duerfen und merke erst nach mehreren Stops, als ich mich umschaue, dass sich die Leute hinter mir zu dritt (!) uebereinander bis unter die Decke stapeln.
Da hier kaum jemand Englisch spricht, stellt der nette Herr neben mir auf die Schnelle ein Woerterbuch 'Urwanda - Englisch' mit den wichtigsten Begriffen fuer mich zusammen (super!).

Und dann tauchen sie auf, die ersten alleruebelst aussehenden Bettler. Sie starren mich bei jedem Stop unermuedlich an und betteln und betteln. Manchmal habe ich das Gefuehl sie schlagen gleich mit ihrem Stock, an dem sie durch die Gegend humpeln, durchs Fenster auf mich ein, wenn ich ihnen nichts geben. Es ist grauenvoll und ich weiss nicht wirklich wie ich mich verhalten soll...
In der naechsten Stadt nimmt mich eine handvoll dicker, schwarzer Mamis an die Hand, die das gleiche Ziel am Lac Kivu haben wie ich auch - sehr nett! Wir hocken an der Busstation und warten. Vor mir steht ein Bettler wie ich es in meinem Leben noch nicht gesehen habe: seine nackten Fuesse schauen aus wie ein Blumenkohl (hoert sich vielleicht bloed an, aber ich weiss nicht wie ich es sonst beschreiben koennte): voller verwucherter Geschwuere und Pilze. So steht er im Dreck der Staubstrasse. Ich habe keine Ahnung was das ist, aber es tut mir schon beim Hinschauen weh. Er starrt mich eine Ewigkeit an und ich weiss ueberhaupt nicht was ich machen soll. Gebe ich ihm Geld in die Hand, fuerchte ich mich anzustecken. Gebe ich ihm ueberhaupt etwas, werde ich sofort auch die anderen Scharen von Bettlern um mich herum nicht mehr los. Ignoriere ich ihn, fuehle ich mich masslos schlecht, wie ich so dasitze mit meinen gesunden Fuessen in meinen dicken, guten Wanderschuhen...
Otile (die dicke Mami) sitzt neben mir, summt, mit einem Laecheln im Gesicht, leise vor sich hin und wiegt sich hin und her. Das beruhigt mich ein wenig und ich versuche mich auf die Frauen zu konzentrieren, die alle in diese wunderschoenen afrikanischen Stoffe eingewickelt herumlaufen.

Als der Bus kommt, traegt Otile meinen kleinen Rucksack und haelt mir einen Platz frei. Ich passe kaum neben sie, so fuellig ist sie (aber auch so wunderschoen in diese Tuecher gewickelt!). Waehrend der Fahrt nimmt sie meinen kleinen Rucksack auf den Schoss und schiebt mir dafuer ihre kleine koenigsblau glaenzende Handtasche herueber. Das sei sonst doch zu anstrengend meint sie. So sitze ich da, in Wanderschuhen und Trekkinghose, mit dem Handtaeschchen auf dem Schoss. Sie ist soo suess und wir unterhalten uns immer wieder so gut es geht in gebrochenem Englisch\Franzoesisch.
Die Landschaft, die wir durchfahren, ist wunderschoen - erinnert mich sehr an Ecuador :-) Die tollen Vulkane und dann der Sturzflug hinab in Serpentinen zum Lac Kivu.
Der Busfahrer faehrt vorbildlich und ueberholt nie vor Kurven - ungewoehnlich und angenehm!

In meiner Unterkunft in Gisenye angekommen mache ich mich auf den Weg zur Bank um mein Wochenbudget (150USD) ganz offiziell in Rwandische Francs zu wechseln. Auch hier bin ich mit der Rechnung des Bankangestellten nicht einverstanden und jetzt wird es schwierig das ganze in Franzoesisch auszudiskutieren. Also schlage ich vor die Schlange an Leuten hinter mir vorzulassen, damit sie nicht alle so lange warten muessen. Diese verstehen mich allerdings falsch, kommen alle zu mir, schauen mein Geld und die Umrechnung an um dann zu diskutieren was man da machen koennte. Da wird es mir nun definitiv zu dumm, ich reissen ihnen meinen Kram aus der Hand und sage nochmal ganz energisch, dass ich sie lediglich vorlassen will! Auch das verstehen sie falsch und verlassen alle schlagartig die Bank um vor der Tuer zu warten! Einer schaut noch um die Ecke und fragt ganz bedroeppelt ob das nun ok fuer mich sei!? Oh mein Gott, jetzt wird's peinlich! Schnell erledige ich den Kram und mache mich aus dem Staub.

Lt. Reisefuehrer soll Gisenye eine wunderschoene Uferpromenade haben. Ich verspreche mir mal nicht zuviel, da ich mit meiner europaeischen Vorstellungskraft in Afrika bisher nicht weit gekommen bin. So laufe ich durch die breiten Staubpisten der Stadt und finde, dass alles sehr einfach und uebel ausschaut. Und all die Menschen auf der Strasse starren mich an oder bleiben stehen und laufen dann langsam hinter mir her. Bleibe ich stehen, bleiben sie auch stehen, gehe ich weiter, gehen sie auch weiter. Hm, das gefaellt mir nun nicht so gut... Aber dennoch komme ich so nach einer Weile am Seeuefer an und staune ueber eine mittelpraechtig geteerte und von Palmen gesaeumte Strasse die am Ufer entlangfuehrt! Dazu ein Sandstrand und viele Kinder die im Wasser toben.
Gerne wuerde ich mich dort eine Weile hinsetzen und geniessen, wenn mich nicht alle so fuerchterlich anstarren wuerden! Da entdecke ich am benachbarten Strandabschnitt das noble 'Serena Hotel' mit Strandliegen und Sonnenschirmen und selbstverstaendlich darf ich als 'Mzungo' eintreten, mich auf einer Liege breit machen und mich mit Kaffee etc.bedienen lassen. Manchmal braucht man auf solch einer Reise einen Rueckzugsort dieser Art. Es ist so schoen wie abartig! Vom Strand nebenan rufen die schwarzen Kinder herueber, denen der Eintritt hier verboten ist und ich denke nur: 'Die werden mich abstechen, wenn ich i.d. Daemmerung wieder zuerueck in den Ort laufe...'
Es ist unvorstellbar welche Tueren einem die Hautfarbe oeffnet!
Ich liege am Strand, zu meiner Rechten die Stadt Goma der Demokr.Republ.Congo fusslaeufig erreichbar und vor mir, auf der anderen Seite des Lac Kivu diese endlose Bergkette des Congo. Es ist alles sehr beeindruckend und ich kann es mir nicht verkneifen bis zum wunderschoenen Sonnenuntergang zu bleiben um dann den unangenehmen Weg zurueck in meine Herberge auf mich zu nehmen. Und ganz ehrlich fuehle ich mich von den Jugendlichen bedroht, aber das kommt davon wenn man viel Geld von der Bank mit sich herumschleppt und in noblen Hotels Kaffee trinkt - selbst schuld!

Ja, an diesem ersten Tag in Rwanda habe ich die Kluft zwischen arm und reich als erschreckend empfunden und auch mich selbst hat es dazwischen hin und her gebeutelt.

Auch nach einer Woche habe ich das Land noch nicht so richtig geniessen koennen, aber mehr dazu im naechsten Reisebericht, denn jetzt muss ich mich auf die Socken machen um herauszufinden wo mein Bus Rtg. Tansania die Stadt verlaesst!

Also bis bald aus Tansania
Doerte

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Berggorillas auf der Suedhalbkugel 
Letzten Montag habe ich den Aequator ueberschritten und gruesse nun von der Suedhalbkugel :-)

Gut, dass ich puenktlich um 5:3Uhr im Dunkeln mein Kampala-zuhause verlassen habe und bereits um 6Uhr im Bus sass, der seinen Motor (wie sich das gehoert) bereits gestartet hatte. Geplante Abfahrtzeit 6:30Uhr. Ich war hundemuede, konnte aber leider kein Auge zutun, da der Fahrer wild agressiv immer wieder den Motor aufheulen lies und den Bus ruckartig die wenigen freien Millimeter Platz zum naechsten Bus vor uns vorschoss um den Passanten zu zeigen wer hier der Staerkere ist und um weitere Fahrgaeste zu gewinnen.
Nach mehreren Motorreparaturen und offensichtlich endlich ausreichend geladenen Passagieren verliessen wir geg. 8Uhr Kampala (also nicht ganz planmaessig...).
Noch weniger planmaessig war die Ankunftszeit in Buhoma (Bwindi National Park) die sich wundersamer Weise von 15Uhr auf 19Uhr verschob. Na ja immerhin noch nicht stockduster, so dass das es mir in dieser Gegend ohne Strom noch moeglich war eine Unterkunft zu finden.
Und eigentlich sollte ich froh sein ueberhaupt angekommen zu sein - nennt man diese Busgesellschaft 'Gateway' doch auch 'Gateway to hell'... Und dennoch eine der bevorzugten Busgesellschaften innerhalb Ugandas und die einzige die Kampala mit Buhoma verbindet. Und schliesslich waren es die Matatus die rechts und links im Strassengraben lagen und nicht wir!
Bemerkenswert auch, dass die Busse nicht zwei und zwei, sondern zwei und drei Sitze in einer Reihe haben, was eine 13stuendige Busfahrt zwar komfortabler als eine 11/2stuendige Matatufahrt macht, sitzt man allerdings am Fenster, fungiert man automatisch als Mittelsmann zwischen den Essenverkaeufern, die bei jedem kurzen Stop sofort ihre Chapatis, Matoke, Fleisspiesse, gebratene Bananen, Kuchen, Getraenke und und und anbieten, und den Sitznachbarn. Das an sich ist noch nicht tragisch. Faehrt der Bus jedoch los bevor der Verkaeufer das Wechselgeld durchs Fenster hineingereicht hat, dann kann die Situation schon mal haarig werden...
Na ja, wenn man die befestigte Strasse erstmal hinter sich gelassen hat und 5Stunden Schlagloch Schlammpiste vor sich hat, dann sitzen frueher oder spaeter sowie jeder jedem auf dem Schoss, da man so dermassen hin und hergeschleudert wird, dass man von Anschnallgurten traeumt und nur hofft nicht zu feste mit dem Kopf gegen die Scheibe oder sonstwas geschleudert zu werden um keiner Gehirnerschuetterung zu erliegen. Ich weiss wenigstens woher die blauen Flecken stammen die meinen Koerper zieren ;-)

Gottseidank habe ich einen Tag Erholung von dieser Busfahrt eingeplant bevor es auf Gorillapirsch ging - oh man, war das aufregend!
Jeder erzaehlte mir, dass es Stunden ueber Stunden Trekking auf ausgesprochen unwirtsamem Gelaende (unter Umstaenden bei stroemendem Regen) durch die Waelder bedeuten koennte bis man die Gorillas endlich aufspuerte - wenn man sie ueberhaupt aufspuert... Auweia - ich wollte doch diese mit Abstand groesste Ausgabe meiner Reise fuer die 'Gorilla permission' nicht fuer nichts und wieder nichts getaetigt haben!
In aller Fruehe bevor es losging traf ich dann auf die Upper class Reisenden, die aus der ganzen Welt fuer ein oder zwei Wochen nach Uganda kamen um sich das Vergnuegen mit den Gorillas zu goennen und in den schicken Safari Lodges zu wohnen. Ein komisches Gefuehl nach drei Wochen fast ohne Strom und fliessend Wasser, in denen ich nun, glaube ich, jede Art von Plumpsklo kennengelert habe, die man sich nur vorstellen kann ;-)
Nun ja, jeder der Damen und Herren goennte sich fuer den angekuendigten Gewaltmarsch einen Traeger fuer den kleinen Tagesrucksack und los ging's mit unserem Guide und bewaffneter Begleitung, da wir uns im Grenzgebiet zum Kongo befanden.
Waehrend ich mir noch ueberlegte ob ich den Tag mit meinen 11/2 Liter Wasser ueberleben wuerde, wies uns der Guide nach 5min. Marsch an ihm rechts ins Gebuesch zu folgen. Er schlug uns mit seiner Machete einen Weg und da sassen sie vor uns: die Berggorillas! Also, ich fand ja das war zu einfach - ein bisschen gesucht haette ich schon ganz gerne... Aber wie auch immmer, verbrachten wir ein tolle Stunde in Gesellschaft der kompletten Gruppe, die aus 15Gorillas bestand - inkl. einem dieser zum Fuerchten riesig und kraeftigen Silverbacks. Sie mampften alle gemuetlich vor sich hin und zum Schluss tobten die Kleinen noch wild auf den Aesten herum als wollten sie uns eine kleine Vorfuehrung geben und zeigen, dass sie sich in unserer Gesellschaft offensichtlich wohl fuehlten. Schoen war's, aber wenn ich ehrlich bin habe ich es mir noch ueberwaeltigender vorgestellt. Es war definitiv zu teuer, aber dennoch bin ich froh, dass ich sie gesehen habe - wer weiss, wie lange es diesw Tiere noch geben wird.

Was nun tun mit dem angebrochenen Tag!?
Gut, dass man in Uganda offensichtlich immer 'gefunden wird' und nie grossartig selber nach etwas oder jemandem suchen muss. So fand mich an diesem Tag die junge Uganderin Rosette, die mir begeistert erzaehlte, dass sie, mit einer Gruppe von ca. 20 Leuten, heute ihre mehrwoechige Ausbildung zum 'Bird Guide' bei der USAGA (Uganda Safari Guide Association) im Bwindi NP abgeschlossen hat. Stolz ludt sie mich ein an der Abschlusszeremonie (inkl. Festessen und -trinken) teilzunehmen.
Toll! Es gab einen grossen, wichtigen Ehrengast (irgendein Districtoberster, der sich sehr fuer den Tourismus in Uganda angagiert) und der, als er nach einer Std. warten endlich eintraf, als erstes nach Gummistiefeln verlangte um sich seine frisch polierten Schuhe und den Anzug auf den Schlammstrassen des Dorfes nicht so schmutzig zu machen... Ja, sogar die Presse war anwesend und ich somit natuerlich unendlich stolz als einziger internationaler Gast (sozusagen als Vertretung fuer die Touristen in Uganda) vorgestellt zu werden :-)
Jeder einzelne nahm in seiner Rede und Ansprache dann auch kurz Bezug auf Deutschland und der Ehrengast erzaehlte ganz besonders stolz, dass er schon in Deutschland war als es mich noch garnicht gab... Es war wunderbar und ich genoss es unendlich mit diesen Leuten bei stroemendem Regen dort unterm Stohdach zu hocken und ihnen zu lauschen.

Leider musste ich das Dorf dann am spaeten Abend schon verlassen als sich die Gelegenheit ergab auf einem Pick up ins naechst groessere Dorf zu gelangen von wo aus der einzige Bus, der aus dieser Gegend herausfuehrt, am naechsten Morgen um 5Uhr(!) starten sollte.

Und so ging meine Reise weiter gen Sueden, da ich inzwischen den Entschluss gefasst habe nach Ruanda zu gehen.

Drei Tage habe ich auf einer kleinen, einsamen Insel im Lake Bunyonyi (auf 2000m Hoehe) verbracht. Zu dieser Insel gelangt man indem man eine Stunde in einem kleinen ausgehoehlten Eukalyptusbaumstamm paddelt. Die Luft ist fantastisch und der See (der tiefste Ugandas) angeblich aufgrund seines hohen Minaralstoffgehalts bilharziosefrei. Ich hoffe es stimmt, denn ich konnte es mir nicht verkneifen eine Runde darin zu schwimmen. Na zur Not folge ich dem Rat des Australiers Math, der mir erzaehlte es gaebe hier in Afrika an jeder Ecke ein Medikament gegen Bilharziose...
Jedenfalls habe ich die Tage auf der Insel mit einer Handvoll anderer Backpacker aus Finnland, Spanien und Australien sehr genossen und auch deren Weltbild wieder zureckgerueckt, da sie angeblich seit Wochen keinem Deutschen in Ostafrika begegnet sind...

Ja und dann hiess es weiterreisen, da sich mein Uganda-Visum dem Ende neigt und sowieso der Rest meiner geplanten Afrika Reise einen strammen Zeitplan fordert. So sitze ich jetzt die letzte Stunde hier in Oertchen Kisoro (im Dreilaendereck Uganda, Kongo, Ruanda), vor dessen Toren ein riesen Fluechtlingskamp mit Fluechtlingen aus dem Kongo zu finden ist. Hilforganisationen aus aller Welt sind vor Ort und es ist erstaunlich mit welcher Selbstverstaendlichkeit das Leben hier dennoch seinen ruhigen Lauf nimmt.

Ich lasse meine Wochen und Erlebnisse in Uganda nochmal revuepassieren... Immer wieder war ich stolz einige Fetzen der Einheimischen Sprache gelernt zu haben und die Leute mit "Guten Tag", "Wie geht es" und "Dankeschoen" ansprechen zu koennen und immer wieder war ich enttaeuscht, wenn ich eine Stunde weitergereist bin und mich die Leute bei der Benutzung der gleichen Worte fragend angeschaut haben. Mind. vierzig unterschiedliche Sprachen gibt es hier in Uganda, d.h. jede Region hat seine eigene und irgendwann habe ich verzweifelt aufgegeben.
Aber ein regionsuebergreifendes Wort habe ich rausgefunden. Und zwar das, welches mir am alleraller wichtigsten erschien: "Modugavu" (Schwarzer Mann!). So konnte ich dem ewigen "Mzungo, Mzungo"-Geschrei etwas entgegenhalten. Und meist waren die Leute danach ruhig :-) jawoll!

Und ueberhaupt habe ich herausgefunden, dass man hier einfach nur mal ein lautes, energisches Machtwort sprechen muss, wenn man, z.B. von den ganzen Bodaboda-Fahrern, die einen ueberfallen und nach dem Gepaeck grabschen sobald man aus einem Matatu aussteigt, seine Ruhe haben will. Es funktioniert wunderbar :-)

Ja und den tiefsten Eindruck bisher hat der Anblick einer Kinderkrankenstation im 'Salem Brotherhood" hinterlassen. Ich habe mir inzwischen unzaehlige Hilfsorganisationen und -projekte angesehen, aber dieses Bild werde ich nicht vergessen. Eine Station wie sie bei uns in Deutschland unvorstellbar waere, aber fuer die Menschen hier ein unendlich wertvoller, bzw. hoffnungsvoller Ort.

Mit den Erinnerungen verabschiede ich mich jetzt aus Uganda, mein Motorradboda (welches mich zur ruandischen Grenze bringt), wartet schon.
In die 'Schweiz Ostafrikas' geht es nun. Dann heisst es wieder rechts fahren anstatt links. Und ich sollte nun auch ganz schnell versuchen schnellstens irgendwo in meinem Hirn meine Franzoesischkenntnisse wieder auszugraben, ansonsten werde ich wohl aufgeschmissen sein.... Na, wird schon werden :-)

Und fuer die, die sich Sorgen machen: Ich bin vielen Reisenden begegnet die aus Ruanda kamen oder gerade auf dem Weg zur Grenze waren. Es ist sicher, sonst wuerde ich nicht gehen!

Viele liebe Gruesse aus dem kuehlen Kisoro und
bis bald aus Ruanda oder Tansania
Doerte


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Oh wie schoen ist die Perle Afrikas: Uganda 
Es ist soweit: nach 21/2 Wochen Afrika nehme ich mir einen Nachmittag Zeit um euch endlich an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen. Die Internet Verbindungen sind miserabelst und somit beschwerlich....
Heute sitzte ich wohl an einem der schoensten Orte Kampalas, mein neues 'zuhause' :-) Ein lauer Mittagswind weht und ich geniesse, mit Palmen im Vordergrund, einen traumhaften Blick ueber den Victoriasee.

Aber von vorne...
Von den bei uns in Deutschland gezeigten Ueberschwemmungen weit und breit keine Spur. Einzig und allein der Victoriasee lag uns mit seiner unglaublichen Wassermasse beim Landeanflug auf Entebbe zu Fuessen. Die Ankunftshalle glich eher einer Bretterbude und ich war gluecklich, dass es bei der Ausstellung des Visums keine Probleme gab.
Und bereits auf der Fahrt von Entebbe ins Hostal nach Kampala habe ich die Farben Ugandas ins Herz geschlossen: tief saftig gruene Landschaft durchzogen von Pisten aus leuchtend rotbrauner Erde. Dazu entweder strahlend blauer oder mystisch wolkenverhangener Himmel und immer wieder der tiefblaue Victoriasee und natuerlich die teilweise so wunderschoen farbenfroh gekleideten Menschen.
Das Klima war nach der beinahe unertraeglichen Hitze in Dubai eine Wohltat. Die Luft hat mich gleich an Ecuador erinnert - und genauso ist es hier: morgens Fruehling, mittags Sommer, nachmittags Herbst und abends Winter - Aequatorklima halt...

Meine erste Fahrt direkt i.d. City Kampala hat mich dann fast das Fuerchten gelehrt: Man haelt die Matatus (Sammeltaxis - wie VW-Buesschen) am Strassenrand an und hofft dorthin zu gelangen wo man hin moechte. Das hat schonmal geklappt, aber als ich dann am Matatusammelpark in Kampala stand und auf dieses unendlich unglaubliche Chaos hunderter von Matatus blickte und mich fragte wo da das System steckt, bzw. wie ich hier ein Matatu finden soll, was mich wieder Richtung Hostel bringt, da war mir fast schon klar, dass es mir unmoeglich sein wird alleine in Uganda zu reisen, weil ich zwangslaeufig in diesem Chaos untergehen muesste und niemals, niemals meinen Weg zu einem bestimmten Ziel finden wuerde.... Die Menschen die man auf der Strasse nach dem Weg fragt sind zwar meist recht hilfsbereit, aber spricht man fuenf verschiedene Menschen an, bekommt man fuenf verschiedene Wegbeschreibungen und kommt lange nicht ans Ziel. Bin ich etwa in Asien? frage ich mich da hin und wieder...
Geht man in Kampala dann wirklich mal unter, gibt es leider keine Taxis wie wir sie kennen, die einen zur Not ans gewuenschte Ziel bringen wuerden - nein, es gibt lediglich Moped-Bodas. Das sind kleine Motorradtaxen, von deren Benutzung innerhalb Kampalas ich jedem Menschen, der Wert auf den Erhalt seiner Beine legt, dringend abraten moechte! Es faellt mir schwer das Verkehrsbild dieser Stadt in Wort zu fassen, aber vielleicht reicht es wenn ich schreibe, dass sich die Vehikel rasant und in Millimeterarbeit aneinander vorbeimanoevrieren und man selbst als Fussgaenger oft nur mit eingezogenem Bauch einen Weg durch den Verkehr ueber die Strasse findet und am besten dem jeweiligen Fahrer im Vorbeigehen noch schnell auf die Motorhaube schlaegt, damit er beruecksichtigt, noch eine halbe Sekunde zu verharren, damit ein Mensch die Strasse passieren kann! Es ist unglaublich!

Nun ja, inzwischen hat mich meine Reise ein drittes Mal nach Kampala gefuehrt, ich habe gelernt mich in der Stadt zu bewegen, habe begriffen, dass mir im Chaos niemand etwas Boeses tut, bin kein einziges Mal 'untergegangen' und stolz darauf ;-)

Meine erstes Ueberlandreiseziel in Uganda war der Murchison Nationalpark. Um mich vorsichtig voranzutasten war dies ein Dreitagestripp mit einer kleinen netten Truppe. Uebernachtet haben wir im Park in Zelten auf einer Anhoehe mit fantastischem Blick ueber den Albertnil. Zum ersten Mal in meinem Leben sind unzaehlige Giraffen an mir vorbeispaziert, vor den Warzenschweinen im Camp mussten wir uns in Acht nehmen, die Nilpferde mit ihren Jungen sind ab und zu traege aus dem Nil aufgetaucht um einen Blick zu riskieren, die Bueffel blickten uns aus riesigen Herden interessiert entgegen, die Elefanten haben sich etwas rar gemacht, aber dafuer tapsten drei Loewenbabies direkt vor uns herum und sogar die Loewin konnten wir irgendwann entdecken - ein wirkliches highlight! Waehrend einer Nilfahrt zu den wuchtigen und wunderschoenen Murchison Falls lagen die Krokodile traege am Ufer und unzaehlige verschiedener Vogelarten in den wildesten Farben waren zu sehen.

In diesen drei Tagen habe ich dann auch Tanja kennengelernt, deren Freund fuer die Konrad-Adenauer-Stiftung in Kampala taetig ist und deren Haus mit fantastischem Blick ueber den Victoria See nun mein 'Kampala-zuhause' geworden ist. Gut geht es mir :-)

Aber natuerlich wollte ich mich auch bald alleine weiter vorantasten und so bin ich fuer ein paar Tage nach Westen in Rtg. kenianische Grenze gereist. Wunderschoen ist Uganda und ich geniesse die Landschaft waehrend vieler Bus- und Matatustunden und bin bisher jedesmal ausnahmslos die einzige Weisse auf all den Fahrten. 'Mzungo, Mzunge!' (Weisse, Weisse!) rufen die Leute aus allen Ecken und die Kinder kommen aus den letzten Winkeln a.d. Strasse gerannt, winken und selbst die Kleinsten unter ihnen quietschen 'How are you, how are you?'

Manchmal geht es nur noch in kleinen PKW-Sammeltaxis weiter und ich frage mich weshalb wir nicht endlich losfahren als wir zu sechst im Wagen sitzen. Ach so, natuerlich, wir warten auf weitere Pasagiere! Erst als der Beifahrersitz mit drei Mann belgegt ist und wir hinten zu fuenft sitzen, geht es los. Fuer meine Arme ist rechts und links kein Platz mehr, ich halte sie einfach waehrend der 11/2 stuendigen Fahrt ueber den Kopf, versuche noch irgendwie zu atmen und bewundere die Einheimische neben mir, die noch ausgesprochen elegant dasitzt.
Puenktlich um 15:30Uhr beginnt es in Stroemen zu regnen und wir stellen fest, dass sich die Fenster des Wagens nicht schliessen lassen... Scheibenwischer? Gibt es, aber wohl lediglich zur Deko.

Fuer zwei Tage gehe ich auf den Mt. Wanaale. Schlafe in einer Banda (Huette mit Strohdach), geniesse die Ruhe und den traumhaften Blick hinab auf das kleine Staedtchen Mbale. Begriffe wie Strom und fliessend Wasser werden schnell zu Fremdwoertern und ich lerne mich mit einem zu knapp einem Drittel gefuellten Wassereimer und einem Becher zu duschen und mir die Haare zu waschen. Der Erloes der Uebernachtungen kommt den Beduerftigen in dieser Berggegend zugute, d.h. insbersondere alleinerziehende Muetter, die dann z.B. eine Ziege erhalten. Bettelarm sind die Menschen. Familien mit 6Kindern werden als 'Kleinfamilie' bezeichnet - das ist unglaublich! Die Kindersterblichkeit liegt bei 15%. Die meisten Menschen sterben an AIDS oder Malaria.

Weiter geht es noerdlich zu den Sipi Falls und da ich scheinbar antizyklisch zu den anderen wenigen Backpackern in Uganda reise, habe ich ein ganzes Hostal fuer mich alleine, sitze im Garten vor meiner Huette und geniesse den Blick auf die Wasserfaelle waehrend ich meine weitere Reise plane.
Auf meinen weiteren Stationen merke ich, dass hier ein Entwicklungshilfeprojekt das naechste jagt und die Leute es nicht als Starthilfe i.d. Selbststaendigkeit, sondern wohl eher als selbstverstaendlich andauernde Unterstuetzung seitens der Mzungos ansehen. 'Fuer die medizinische Versorgung sind die Mzungos zustaendig.', 'Die Strasse bauen die Mzungos.' und und und. Viele, viele Stunden verbringe ich damit darueber nachzudenken...

Gute Strassen gibt es wenige. Hat es geregnet, sind die halbmeter tiefen Schalgloecher und Furchen nochmal ordentlich ausgespuehlt und ist es trocken, verstaubt man auf den rotbraunen Erdpisten so sehr, dass man am Ende des Tages glaubt eine gesunde Farbe bekommen zu haben, nach einer Waesche dann aber merkt, dass es doch wieder nur Dreck war ;-)
Moechte man etwas mit kompletten Reisegepaeck innerhalb einer kleinen Ortschaft nicht fusslaeufig erreichen, gilt es sich von der Vorstellung zu loesen, man koenne mit einem grossen Rucksack hinten und einem kleinen Rucksack vorne nicht auf einem Motorrad-Boda oder (wie es sie stattdessen auch haeufig gibt) auf einem Fahrrad-Boda (sprich a.d. Gepaecktraeger) mitfahren. Es geht! Und wie es geht! Koennen die Einheimischen ganze Moebelstuecke auf diesen Bodas transportieren, dann ich jawohl auch locker mein Gepaeck!

Ja, so laesst es sich in Uganda reisen und ich geniesse es sehr!
Vor meiner Rueckkehr nach Kampala habe ich letzte Woche noch die 'Quelle des Nil' besucht. Das ist die Stelle an welcher der Nil dem Victoria See entweicht. Um an die 'wichtige' Stelle zu gelangen hielt ich 10EUR zum Chartern eines Bootes fuer entschieden zu viel und so hatte ich ganz besonders viel Spass dabei mir mit ca. 40Schulkindern ein Boot zu teilen und die Stelle zu entdecken an welcher angeblich der Nil hochsprudelt (sehr spannend). Ich freue mich, dass der Bootsfuehrer soweit alles im Griff hatte und wir trotz 40wildester Kinder nicht gekenntert sind!

Da dies evtl. mein letztes Wochenende in Kampala sein wird, musste ich gestern mit den Maedels unbedingt noch ins geruehmte Kampala-nightlife hineinschnuppern.
Wie auch immer, fanden wir uns auf einer Party von Mitarbeitern der deutschen Botschaft wieder und somit auch in Gesellschaft des, ueberaus unsympatischen, deutschen Botschafters. Ansonsten als Gaeste lauter Mzungos aller moeglichen Hilfsorganisationen. So sieht also das Leben der Entwicklungshelfer aus.... Auch darueber werde ich noch lange nachdenken.... Verlaesst man die Party, die wirklich nicht von schlechten Eltern war, schiebt man sich die Auffahrt hinunter an Unmengen an Jeeps vorbei, die Aufschriften tragen wie 'Brot fuer die Welt'. Ich kann es nicht anders sagen: ein sonderbares Bild...
Nach dieser Party beschlossen wir uns dann noch ins wirkliche Kampala nightlife zu stuerzen - und was soll ich sagen: es hat sich gelohnt :-)
Und so kann ich nach einem Erholungstag morgen in aller Fruehe die Stadt wieder verlassen und gen Sueden reisen um am Mittwoch dem ungeschlagenen Highlight, meinem Besuch bei den Berggorillas entgegenzublicken :-)

Auch wenn es nicht den Eindruck macht, aber ich habe versucht mich kurz zu fassen und konnte hier nur einen kleinen Bruchteil meines bisher Erlebten wiedergeben. Unendlich vieler kleiner spezieller Ugandischer Anekdoten gaebe es noch zu berichten, vielleicht aber erst wenn ich naechstes Jahr wieder in Deutschland bin ;-)

Jetzt erstmal viele Gruesse aus Uganda
Doerte, die sehr gluecklich ist hier zu sein und die schon ueberlegt, dass man eigentlich mehr als nur zwei Monate fuer Ostafrika braucht...


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Ramadan in Dubai 
Um 4Uhr deutscher Zeit hatte ich am 30.09. den tollen Landeanflug auf das Lichtermeer Dubai bereits hinter mir und wurde frueh morgens von 27Grad empfangen, die sich innerhalb kurzer Zeit auf lockere 40Grad hoben.
Wer um alles in der Welt kann die Menschen bei solchen Temperaturen zum Ramadan noetigen frage ich mich da!? Das ganze wird so strikt gehandelt (kein Essen und trinken von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang), dass man nichtmal als Tourist tagsueber auf der Strasse Wasser trinken darf, sondern sich im Ernstfall (d.h. kurz vorm Kreislaufkollaps) in irgendeine dunkle Ecke zurueckziehen muss...

Nun ja, frisch in meiner Luxusunterkunft, der Jugendherberge angekommen, wollte ich eigentlich sofort zum Strand duesen und mich dort schlafen legen, aber so einfach ist das halt alles nicht und ich haette es wohl kaum bis zur Bushaltestelle geschafft, sooo muede war ich nach meinem Nachtflug. So hab' ich mich erst mittags aufgerafft, mir im Supermarkt (wo es wirklich alles, alles zu kaufen gibt, was man sich vorstellen kann - sogar Waermeflaschen und das bei diesen Temperaturen!) einen guten Vorrat Futter zugelegt (da ja keine Restaurants geoeffnet sind) und dann auf den richtigen Bus gewartet, der allerdings auch nach ueber einer Stunde Warten noch nicht kam... oh man! Irgendwann bin ich dann einfach in irgendeinen Bus eingestiegen und dachte: der Weg ist das Ziel und tatsaechlich, nach ueber zwei Stunden und mit Umsteigen kam ich irgendwann nachmittags um 5Uhr am Strand an und stand vor verschlossenen Toren, da er aufgrund des Ramadan (so eine bloede Erfindung!) nur von 7 bis 12Uhr geoeffnet ist - herzlichen Glueckwunsch!
Na, dann hab ich halt die lange Rueckfahrt wieder auf mich genommen und bis spaet abends die Stadt unsicher gemacht - wunderbar!
Ab 5Uhr werden die ganzen Essensstaende auf den Strassen aufgebaut, lange Bahnen Stoff ausgelegt, Wasserflaschen darauf aufgestellt und die Leute decken sich alle in Windeseile mit Lebensmitteln ein. Um 6Uhr geht die 'Party' dann, mit grossem Geschrei der Muezzine ueber der ganzen Stadt, los - unglaublich! Die Menschen schlingen sich das Essen rein als seien sie auf der Flucht, aber eben genau so verlangt es der Ramadan. Ich sass waehrenddessen am Creek (ein Arm des Persischen Golfs, der die Stadt in zwei Teile teilt, das neue und das alte Dubai) im Sonnenuntergang und habe das Treiben auf mich wirken lassen.

Von dem ganzen Pomp kann man sich recht gut fernhalten und ich hatte eher den Eindruck eines armen Dubais, da es viele, viele aermere Viertel gibt und man staendig nur von Indern und Pakistani umgeben ist, die zum Arbeiten nach Dubai kommen. Man sagt sie machen 80% der Bevoelkerung aus!

Ja und um 21Uhr dachte ich mir, trotz Dunkelheit, spare ich mir das Taxi und komme schon irgendwie mit dem Bus ins Hostal zurueck. Das war wirklich klasse, denn an allen Bussen standen riiiiieeeesenlange Maenner-Schlangen dieser Arbeiter, die um die Uhrzeit in ihre Vororte heimfahren. Sooovieele, dass sie jeweils vielleicht drei Busse gebraucht haetten. Ich dazwischen das einzige Maedel und der einzige Touri und jeder kam auf mich zu um mir zu sagen, dass Frauen sich nicht in die Schlange stellen muessen und so durfte ich immer als erste einsteigen. Und wenn in den ersten drei Reihen, die im Bus grundsaetzlich fuer Frauen reserviert sind, Maenner sitzen, man als Frau in den Bus steigt und einen Platz braucht, dann muessen die Kerle aussteigen, da kein Mann neben den Frauen sitzen darf!
Was soll ich sagen!? Solch ein Bevorzugung macht mir schon extrem viel Spass :-)

I.d. Jugendherberge genoss ich mit den Maedels aus meinem Fuenfbettzimmer das Fruehstueck, dass waehrend des Ramadan um 1:30Uhr nachts beginnt - nun ja, ich gebe zu, gewoehnungsbeduerftig...
Ansonsten ist dieser Ort ein toller Platz um mit Reisenden die in alle Richtungen dieser Welt unterwegs sind, bzw. aus allen Richtungen dieser Welt heimkehren, Erfahrungen auszutauschen. Und so gab' es fuer mich bereits einige wertvolle Afrika Tipps :-)

Einen weiteren Dubai-Tag habe ich einem Ausflug in die Wueste gewidmet, die mir wesentlich pflanzenreicher entgegen kam, als ich es erwartet haette.
Und last but not least habe ich natuerlich noch einige Stunden unter einer schattigen Palme am weissen Strand und tuerkisen, lauwarmen Meer verbracht, bevor es dann hiess:
Weiter nach Afrika!

Und hier bin ich nun bereits seit einer Woche, erschlagen vom unglaublich unvorstellbaren Chaos der Stadt Kampala und natuerlich extrem im Reisestress und von miserabelsten Internetverbidnungen geplagt, so dass der erste Bericht aus Afrika noch etwas auf sich warten laesst.

Aber ich bin sooo gluecklich hier zu sein und es geht mir richtig gut :-)






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Die letzten Tage in Deutschland 
Der Countdown laeuft: in vier Tagen geht's los!

Der Rucksack ist, mit wenigen Sachen die man so zum Leben braucht, fast fertig gepackt, die Wohnung leergeraeumt, das Auto abgemeldet, der letzte Arbeitstag hinter mich gebracht und 6Monate Welt liegen vor mir!

Ich bin so uebergluecklich, bald geht es los :-)
Diesmal auf meiner ersten Etappe unter dem Motto 'Ecuador goes Africa'. Fuer die meisten die mich kennen fast unvorstellbar, aber wahr: ich kehre Suedamerika, insbesondere meinem geliebten Ecuador, einfach mal den Ruecken und gehe nach Afrika oder genauer gesagt Ostafrika. Unbedingt zieht es mich nach Uganda (insofern es die Fluten dort zulassen...) in die Gefilde der Berggorillas, zu den Quellen des Nil und an den riesigen Victoriasee. Und mindestens genauso sehr zieht es mich weiter in die Serengeti nach Tansania, zum Kilimanjaro und last but not least natuerlich nach Zanzibar (das hoert sich doch soooo wunderschoen an, dass man einfach hingehen muss!).

Gegen Ende November wird sich mein Reisemotto wandeln in 'Africa goes Asia', denn dann liegen vier Monate Suedostasien vor mir.

Ich darf also ein halbes Jahr meinen Traum leben, Deutschland hinter mir und mich auf den Boden der Tatsachen zurueckholen lassen, d.h. endlich wieder lernen sich gelegentlich ueber fliessend Wasser oder sogar eine warme Dusche freuen zu koennen. Und das heisst auch, Menschen zu sehen die so arm, aber dennoch so froehlich sind, mich vielleicht unterwegs nochmal eine zeitlang einem Sozialprojekt widmen, in fremde Kulturen eintauchen und in ihnen mitleben. Unendlich beeindruckenden Landschaften waehrend vieler, vieler Busstunden ueber Land und vieler, vieler geplanter Bootstunden sehe ich gespannt entgegen.

Ich lade alle ein, mich hier auf der Reise zu begleiten und freue mich ueber jeden, der in Gedanken dabei ist.


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