182 Tage on tour und die Reise geht weiter: 184 Tage
Bye bye Africa 
Auf geht es Rtg. Kueste nach Dar es Salam. Nach dem einfachen Afrika erscheint die Stadt beinahe erschlagend modern und gleichzeitig unheimlich fuer mich als ich in der Abenddaemmerung dort ankomme, mich gleich der erste Taxifahrer wiedermal ordentlich uebers Ohr hauen will und der alltaegliche Kampf seinen Lauf nimmt...

Am naechsten Tag entschliesse ich mich anstatt der 11/2 stuendige Schnellfaehre, die 3 stuendige Faehre mit den Einheimischen nach Zanzibar zu nehmen. Aber auch das war wieder eine Luege und so komme ich nach ca. 7 stuendigem Geschaukel mehr oder weniger seekrank gerade recht zum Sonnenuntergang in Stone Town an und vertraue(!) einfach mal einem Einheimischen, der mich i.d. Daemmerung durch das Gassenlabyrinth (in welchem ich mich heute noch hoffnungslos verlaufen wuerde) zu einem Hostel und gleich anschliessend zum unschlagbar besten Nachtfischmarkt, den Forodhani Gardens fuehrt.
Ich schlage mir den Bauch bis zum Gehtnichtmehr mit bestem gegrillten Tintenfisch, Prawns und anderen guten Zanzibarkoestlichkeiten voll und lande dann noch auf ein Gutenachtbierchen in einer Hinterhofkneipe oder vielleicht eher gesagt im 'Wohnzimmer' (welches aus gestampftem Lehmboden umgeben von einer maroden Mauer allerdings ohne Dach besteht) einer Sippe. Dort hat es sich eine 'Mami' zur Angewohnheit gemacht die Maenner des Dorfes am Abend mit Speisen und Bier zu versorgen - und ich kann nur sagen sie trinken ordentlich! An diesem Abend habe ich meine Swaheli-Kenntnisse zur Belustigung aller Anwesenden nochmal ordentlich ausgebaut und einen Heidenspass gehabt :-)

Am naechsten Morgen muss ich der inzwischen schon verdraengten Tatsache wieder ins Auge sehen, dass ich am Vortag illegal in Zanzibar eingereist bin. Da ich recht spaet Abends mit einer Faehre ankam auf der ansonsten nur Einheimische gereist sind, hatte das 'Imigration Office' leider bereits geschlossen. Als ich mich auf den Weg machte um, wo auch immer, nachtraeglich einen Einreisestempel zu erhalten, spielten sich vor meinem inneren Auge schon die wildesten Kaempfe mit korrupten afrikanischen Beamten ab. Ich ueberlegte mir vorsichtshalber vorab wieviel ich fuer diesen daemlichen Einreisestempel zu zahlen bereit waere, da ich mich nicht fuer weitere tagelange Behoerdengaenge in Stone Town aufhalten sondern eigentlich umgehend nach Norden an einen schoenen Strand weiterreisen wollte. Nachdem ich dann ca. fuenfmal durchs Labyrinth der Stadt hin- und herverwiesen wurde und endlich einem Imigration Beamten gegenueberstand war ich so dermassen zum Kampf bereit, dass ich wahrscheinlich extrem verwirrt oder vielleicht sogar enttaeuscht geschaut habe als er mir zwar unter strengem Blick eine Ruege erteilte, dann aber ohne weiteres Murren den erforderlichen Stempel i.d. Pass drueckte und mir eine schoene Zeit auf Zanzibar wuenschte!

So erwischte ich gerade noch den fruehen Bus zum Nordzipfel der Insel und war von dem Paradies, welches mich dort erwartete, erschlagen! Der schneeweisse Strand, das tuerkise Wasser und die malerisch im Wasser ankernden einfachen Fischerboote boten ein Bild was mind. dreimal so schoen war wie ich es mir vorgestellt hatte. Leider war auch die guenstigste Unterkunft etwa dreimal so teuer wie ich es mir vorgestellt hatte, aber fuer eine Huette aus der man morgens mit Blick aufs tuerkise Meer sofort im weissen Sand steht und fuer die letzten Tage in Afrika kann man sich ja mal was goennen.

Und so sahen meine letzten Tage auf diesem Kontinent dann entsprechend entspannt aus: Mal eine Kokosnuss oder eine Ananas am Strand, seit Wochen endlich mal wieder ein gutes Buch im Schatten einer Kokosnusspalme, Schnorcheln (leider ohne Begegnung mit den Delphinen die sich dort sonst schonmal rumtreiben) und dem koestlichsten Fisch den ich jemals gegessen habe!
Am Abend leben die kleinen Lehmpfade im Dorf hinter dem Strand auf: Die Fischer bereiten ihren Fang des Tages in ollen Pfannen auf der Erde zu und verkaufen ihn dann eingewickelt in altes Zeitungspaier 'for take away' ;-). Jeden Tag gibt es anderen Fisch - was das Meer halt eben gerade so hergegeben hat - fantastisch!

Zwischendurch versuche ich mich noch mit der Geschichte des unfassbaren Sklavenhandels, der von dieser Insel aus betrieben wurde, auseinanderzusetzen. Die Menschen die, bis zur Verfrachtung ueber See, hier in Hoehlen und Kellern 'gehalten' und dann so unglaublich auf die Schiffe gepfercht wurden, dass nur wenig lebendige Fracht am Ziel ankam. Eine grauselige Vergangenheit, die einem im Duft der Gewuerze und den strahlenden Straenden der Insel fast unwirklich erscheint.

So gehen die letzten Tage schnell vorueber und mein Vorhaben die Afrikareise hier nocheinmal revuepassieren zu lassen gelingt mir nicht ganz, da ich garnicht recht realisieren kann, dass ich diesen Kontinent bald verlassen werde.

Und genauso bin ich mir immer noch im Unklaren wie ich diese Zeit hier einordnen soll...
Es war wunderbar, aber auch rau und anstrengend, unglaublich bereichernd, aber teilweise auch enttaeuschend. Die Eindruecke die ich hier von 'Dritter Welt Hilfe' erfahren habe, bzw. die Art wie die Afrikaner damit umgehen haben mich extrem desillusioniert.
Dankbar bin ich fuer all die unglaublichen landschaftlichen Impressionen, wobei mir insbesondere Uganda sehr ans Herz gewachsen ist. Und nicht zuletzt bin ich gluecklich ueber interessante und liebe Menschen die ich hier kennengelernt durfte.

Unterm Strich sind an Verlusten 500USD und zwei paar Socken ;-) zu vermelden. Bis heute kann ich mir nicht erklaeren wo und wann mir dieses Geld abhanden gekommen ist und ich hoffe, dass es jemandem in die Finger gefallen ist, der es wirklich bitter noetig hat. Insofern moechte ich diese Summe als meine diesjaehrige Afrikaspende verbuchen ;-) und es nicht weiter als Reisepanne bezeichnen. Ausserdem habe ich mich waehrend des kompletten Aufenthaltes auf diesem Kontinent bester Gesundheit erfreut und weiss das sehr zu schaetzen! Aber Afrika hat mich muede gemacht...

Nun ist es schon wieder einige Wochen her, dass ich in Dar es Salam in den Flieger gestiegen bin und mich am naechsten Tag in einer anderen Welt wiedergefunden habe: Bangkok - und dazu mehr im naechsten Bericht :-)

Jetzt wuensche ich erstmal allen Daheimgebliebenen und natuerlich auch allen Reisenden ein wunderschoenes Weihnachtsfest und einen tollen Rutsch ins neue Jahr!

Viele Gruesse (seit heute aus Laos)
Doerte

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Serengeti auf Spanisch 
Wie es der Zufall wollte begegnete ich im Hostel in Mwanza einem Spanischen Paerchen, die ich ebenfalls bereits in Uganda (auf einer Insel im Lake Bunyoni) kennengelernt hatte. Die beiden waren bereits eifrig damit beschaeftig eine dreitaegige Safari in die Serengeti und den Ngorongoro Krater zu organisieren und suchten noch Leute zum Mitreisen um diese ohnehin suendhaft teure Tour etwas guenstiger gestalten zu koennen. Hervorragend! Denn das Abklappern und Sondieren von Touranbietern gehoert eindeutig zu den Dingen mit denen ich mich auf Reisen weniger gerne beschaeftige. So musste ich einfach nur 'Ja' sagen und konnte mich dann entspannt zuruecklehnen bis es drei Tage spaeter auf eine perfekt durchorganisierte Safari ging :-)

Zu viert (die beiden Spanier, eine Englaenderin und ich) und mit einem spanischsprachigen Guide :-) hatten wir drei atemberaubende Tage. Und ganz nebenbei war endlich mal wieder Spanisch gefordert - sehr gut, dachte schon ich wuerde es auf meiner Afrika/Asien Tour womoeglich verlieren, aber so gab es die komplette Serengeti auf Spanisch und es war wunderbar! (Ich glaube hier verweise ich einfach auf die Bildergalerie Serengeti/Ngorongoro, die die Eindruecke am besten wiedergibt.) Zum Greifen nah waren wir den Tieren drei Tage und haben uns nachts im offenen Zeltcamp schonmal gefragt was passiert wenn der naechste Elefant einfach mal uebers Zelt stampft...
Unser zweites Nachtlager schlugen wir oberhalb des Ngorongoro Kraters auf. Eine wunderschoene location! Die wilden Zebras grasten im Sonnenuntergang zwischen den Zelten als wuerden sie dazugehoeren und die Elefanten kamen nur kurz vorbei um einen kraeftigen Schluck aus unserem Wassertank zu nehmen...
Weniger erfreut waren die Spanier dann nachts ueber den Besuch des Warzenschweins in ihrem Zelt. Das Schwein hat natuerlich nicht den Reissverschluss des Zelteingangs geoeffnet sondern hat sich seinen eigenen Eingang in das gute Zelt gerissen und stand den beiden dann mit seinen Hauern gegenueber! Irgendwie ist es aber gottseidank noch gutgegangen... Und ich sage nur: Lasst niemals in solch einer Gegend eure Bananen nachts im Zelt liegen - die Viehcher riechen naemlich einfach alles!

Nach einem weiteren beeindruckenden Tag im Krater wurden wir dann wieder ins wirklich Afrika entlassen und schon ging die Pruegelei mit den Buskassierern weiter, die mich samt Gepaeck aus dem Bus schmeissen wollen als ich sage, dass ich nicht bereit bin den 'Mzungo-Preis' zu zahlen, der mal wieder doppelt so hoch ist wie der Preis den die Einheimischen zahlen. Und der Kassierer besitzt doch tatsaechlich die Frechheit mir weismachen zu wollen, dass hier jeder den gleichen Preis zahlt - Mistkerl! Unser lautstarker Streit scheint eine Belustigung fuer den ganzen Bus zu sein - die Einheimischen lachen sich kaputt - sehr witzig! Aber ich habe vom letzten mal gelernt, bleibe bitterboese hartnaeckig und gewinne schliesslich. Spass macht mir das keinen.

Als wir eine Stunde spaeter mit einer Reifenpanne am Strassenrand liegenbleiben faellt mir erst auf, dass der ganze Bus mit 'FIFA 2006 GERMANY' bedruckt ist und so mache ich es mir nach diesen Streitgeschichten (die sich auf der Weiterreise mind. jeden zweiten Tag ereignen) zur Angewohnheit den Einheimischen zu erzaehlen wie freundlich wir waehrend der FIFA zu den Gaesten aus aller Welt in Deutschland gewesen sind (niemand musste bei uns den doppelten Preis zahlen!) und wie enttaeuscht ich bin, dass man mich in ihrem Land staendig beluegt und betruegt!
Und so wird es zur Regel, dass ich nach jeder boesen Auseinandersetzung als naechstes jemandem begegne, der sich ueber alles fuer seine Landsleute entschuldigt, sich ruehrend um mich kuemmert (teilweise will man mir sogar die Busfahrt als Wiedergutmachung zahlen, versorgt mich mit Essen und und und...!) und mich fast wehmuetig werden laesst, dass ich beginne so boese ueber die Menschen hier zu sprechen. 'Afrika schuettelt mich ganzschoen durch' - faellt mir da wieder ein. Auf und Ab geht es jeden Tag und das ist anstrengend!

Dennoch geniesse ich auf meiner Weiterreise den atemberaubenden Blick auf den schneebedeckten Gipfel des Kilimanjaro und entschliesse mich ein paar Tage zum Wandern in den Bergen zu bleiben, bevor ich zur Kueste durchstarte um meine wenigen noch verbleibenden Afrikatage auf Zanzibar zu verbringen.


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Karibu! Willkommen in Tanzania! 
Inzwischen ist meine Zeit in Afrika bereits abgelaufen und ich weiss, dass alle schon lange auf ein update warten. Also versuche ich den Anschluss an meinen letzten Bericht von Anfang November zu finden und wende mein inneres Auge nochmal von Asien zurueck nach Afrika... ;-)

In Rwanda bin ich am zweiten Tag am Lac Kivu entlang Rtg. Sueden gereist. Jeder hat mir von dieser Strecke abgeraten, da der 'Weg' in einem miserablen Zustand sein sollte, aber ich wollte genau diese Strecke fahren und keine andere! Also Augen zu und durch!
Und es war tatsechlich die schlimmste Strecke, die ich bisher in Afrika zurueckgelegt habe! Der Bus war so dermassen ueberfuellt, dass ich mich schon schlecht gefuehlt habe meinen Sitzplan mit niemand anderem zu teilen, waehrend alle anderen sich zu viert auf zwei Plaetzen draengten. Irgendwann habe ich einfach den kleinen Jungen, der neben mir im Gang gequetscht stand oben auf den Rucksack gesetzt, den ich auf dem Schoss liegen hatte.So fuehlte ich mich etwas mehr zu meinem Sitz berechtigt! Und der Kleine war mit dem Rucksack, den er um den Hals haengen hatte und dem Korb, den er fest in seiner kleinen Hand gekrallt hielt auch so schwer, dass ich bei den Schlagloechern nicht mehr ganz so schlimm durch den Bus geschleudert wurde, da ich ja nun mehr Ballast auf dem Schoss hatte (also nicht ganz uneigennuetzig...)

Belohnt wurde ich fuer die stundenlangen Strapazen mit einem immer wieder traumhaftem Blick von den Serpentinen (die wir hoch in den Berghaengen ueber dem Lac Kivu fuhren) hinab auf den See - sooooo schoen! Und hinab zum Ziel Kibuye schlaengelten wir uns dann im Sonnenuntergang. Es war hart, aber es hat sich gelohnt!

Dann verbrachte ich zwei schoene Tage in einem Hotel mit herrlichem Blick ueber den See und so manchesmal glaubt ich mich in Italien wiederzufinden, wenn da nicht rechts und links die armen Huetten der Einheimischen gewesen waeren, vor denen man stand sobald man das Hotel verliess...

Da Rwanda nicht ganz billig ist und ich ja auch noch genug Zeit fuer Tanzania brauchte, ging es schnell weiter nach Kigali - die Stadt die es mir dann leicht gemacht hat das Land wieder zu verlassen. Mehrere Tage bin ich keinem Tourist begegnet. Die einzigen Weissen, die ich getroffen habe waren Entwicklungshelfer und jeder fragte mich immer nur fuer welche NGO ich taetig bin...
Irgendwie hat mich in der Stadt auch kein Mensch so richtig verstanden. Selbst wenn ich mein schoenstes Schulbuchfranzoesisch ausgepackt habe und den Motorabodafahrern (hier faehrt man uebrigens mit Helm - ein ganz seltsames Bild in Afrika) auf dem Statdplan gezeigt habe wo ich hin moechte, haben sie mich meist nur fragend angeschaut... Das ist sehr muehseelig und hat mir recht schnell keinen Spass mehr gemacht.

Den Rest hat mir dann der stroemende Regen und das Genozidmuseum gegeben. Es ist sehr infuehlsam gemacht und ein guter und wichtiger Ort, aber unglaublich bedrueckend... Dennoch bin ich froh, dass ich es gesehen habe, zumal dies mein Hauptgrund war um nach Kigali zu reisen.

Ja und da sich die Grenze Ruanda/Tansania nicht so einfach nach meinem Vorstellungen ueberqueren liess (und ich nicht noch mehrere Tage fuer Experimente opfern wollte) fuehrte mich die Reise nochmal fuer einen Tag zurueck nach Uganda. Was mich dann auch ganze 50USD Transit-Visa gekostet hat - unverschaemt!

Am naechsten Tag ging es dann auf zur Grenze nach Tansania und von dort mit einem Dalla dalla (so heissen hier die Matatus) weiter zur Hafenstadt Bukoba (am Victoriasee) von wo aus ich mit der Nachtfaehre weiterfahren wollte. Leider verliess die Faehre nicht wie ich glaubte erst spaet, sondern bereits frueh abends den Hafen und so konnte ich ihr bei meiner Ankunft gerade noch hinterherwinken :-( Aber egal, so hatte ich noch etwas mehr Zeit mich mit dem Dalla Dalla Kassierer zu 'pruegeln' der mir doppelt soviel abgeknoepft hat wie den Einheimischen und mir gleichzeitig erzaehlt, dass hier jeder das gleiche bezahlt. Ooooooh: willkommen in Tansania! Das war das erstemal, da wusste ich noch nicht so genau wie energisch ich sein muss um mein Geld zurueckzubekommen und als der Kassierer mir sagte er hole mir das Geld, sprang er stattdessen nur i.d. Bus und dueste auf und davon!
Ab diesem Zeitpunkt habe ich sofort geglaubt hier wollen mich alle beluegen und betruegen. Und als mir drei Herren (die das Theater im Bus miterlebt haben) anboten mit ihnen ein Privat-Taxi zu teilen um der Faehre zum naechsten Hafen hinterherzufahren, habe ich ihnen natuerlich auch erstmal gesagt, dass ich sehr sicher bin, dass sie mich beluegen und nur irgendwie um Geld betruegen wollen, da sie mir vorher schliesslich auch nicht geholfen haben! Gottseidank waren die Herren hartnaeckig, versuchten mich zu beruhigen, mir ein wenig ueber die Menschen in Tanzania zu erklaeren und ueberzeugten mich somit, dass sie mir wirklich nur Gutes wollen und so stiegen wir gemeinsam in ein Taxi und siehe da, es gab einen weiteren Hafen und wir erwischten die Faehre tatsaechlich noch...

So weit so gut. Als ich mir den Hafen jedoch naeher betrachtete, die Ratten in der abewrackten Schalterhalle kreuz und quer liefen und ich mich inmitten, aus meiner Sicht, eher unfreundlich dreinschauender Schwarzer wiederfand, fragte ich mich weshalb ich eigentlich unbedingt mit der Faehre ueber den See anstatt mit dem Bus ueber Land fahren wollte!? Hm, irgendwie hatte ich es mir nett vorgestellt, so ueber Wasser....
Tickets gab es nur fuer die 3.Klasse (etwas anderes existiert wohl garnicht) und 3.Klasse in Afrika heisst schon einiges... Als ich die Faehre dann betrat und mich mit den Menschenmassen durch mauerhoch gestapelte Bananenstauden schob und ueberlegte wo ich mir am besten ein noch freies Plaetzchen auf dem Boden zwischen den Kakerlaken zum schlafen suchen sollte, da war ich einen Augenblick davon ueberzeugt, dass wahrscheinlich noch kein weisser Tourist vor mir auf die Idee gekommen ist mit dieser Nachtfaehre zu fahren!
Ja und so kann ich sagen, dass ich selten so uebergluecklich war einem anderen Touristen zu begegnen, wie just in diesem Moment als ploetzlich Steve,ein Englaender, vor mir stand, den ich, wie es der Zufall wollte, bereits zwei Wochen zuvor in Uganda kennengelernt hatte...

Die Nacht war nicht sonderlich angenehm, aber wenigstens nicht ganz so schlimm wie ich es mir alleine vorgestellt haette und so verliess ich am naechsten Morgen, zwar von Moskitos zerstochen, aber ansonsten ohne zu vermeldende Verluste die Faehre und stuerzte mich fuer ein paar Tage ins Leben der zweitgroessten Stadt Tanzanias: Mwanza

Wie es von dort durch die Serengeti weiterging erfahrt ihr ganz bald (versprochen!) im naechsten Reisebericht...


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Die Strassen Rwandas 
Gestern habe ich meine kleine Rwanda-Rundreise beendet und bin (gezwungenermassen) nochmal nach Uganda eingereist um heute das Land wieder Rtg. Tansania zu verlassen.
Ist hier auch alles nicht so einfach mit den Grenzueberschreitungen - da muss man schonmal einen Umweg ueber ein Drittland machen ... ;-)

Da fuer mich mein erster Tag in Rwanda besonders eindrucksvoll war, moechte ich Euch in diesem Reisebericht einfach mal diesen einen ganzen Tag mit auf die Reise nehmen...

Letzten Dienstag stand vormittags in Kisoro (Uganda) mein Motoradboda bereit um mich ueber uebelste Feldwege an den Grenzuebergang nach Rwanda zu bringen. Zwischendurch haelt er noch irgendwo im Nichts bei einer Bretterbude an um nach irgendeinem Bekannten zu suchen, der mir Rwandische Francs besorgen kann... Als dieser dann auftaucht und wir heiss ueber den Wechselkurs verhandeln, steht schnell ein ganzer Menschenpulk dicht gedraengt um uns herum, der aufmerksam verfolgt was wir verhandeln und wieviel Geld den Besitzer wechselt - also von Diskretion scheinen die noch nichts gehoert zu haben... Obwohl ich 'nur' 40USD gewechselt habe, bin ich fuer sie jetzt offensichtlich die gaaanz Reiche und jeder schreit mir entgegen: 'Give me money!' oder 'Pay for me!' Na prima, schnell weg hier kann ich da nur sagen...

Weiter geht es durch traumhafte Landschaft - wir scheinen eine ganze Kette der Virunga Vulkane zu umrunden. Ein fantastischer Blick! Aber gottseidank geht die Fahrt bis zur Grenze nicht allzulang, da die Feldwege mit komplettem Gepaeck auf dem Moped doch etwas anstrengend sind.

Der nette Bodafahrer zeigt mir dann wo ich mich auf ugandischer Seite ausstempeln lassen und wo ich in Rwanda einreisen kann. Weit und breit kein Tourist - ich geniesse das :-)
Die Deutschen sind einige der ganz wenigen, die ohne Visum nach Rwanda einreisen duerfen. Wir sind dort offensichtlich gerne gesehen und so ist der Zollbeamte auch gleich ueberaus freundlich und gespraechig. Eigentlich wollte ich schnell weiter, aber als ich aus meinem Reisefuehrer die Anschrift meiner (vermutlich) naechsten Unterkunft fuer das Einreiseformular heraussuchen will, stuerzt er sich begeistert auf das Buch, blaettert darin und erklaert mir ausfuehrlich jedes Bild und jede Landschaft die er kennt und erzaehlt und erzaehlt und erzaehlt...

Unglaublich ist der Wandel der Strasse beim Grenzuebertritt: aus dem ganz ueblen Feldweg auf ugandischer Seite wird auf ruandischer Seite schlagartig eine breite, glattgeteerte Strasse - ich bin beeindruckt! Bin ich wohl wirklich in der 'Schweiz Ostafrikas' gelandet...

Nun fahren wir wieder rechts und nicht mehr links, die Uhren werden eine Std. zurueckgestellt, man spricht Franzoesisch und die Matatus tragen ringsrum keinen blauen Karostreifen mehr, sondern einen gruenen.
Als ich in das Matatu steige, welches mich zur naechstgelegenen Stadt bringen soll, scheint mir allerdings, dass hier die ausrangierten ugandischen Fahrzeuge genutzt werden. Das Lenkrad ist immernoch rechts und die Dinger scheinen wirklich absolut auseinanderzufallen (wundert mich, dass bei all dem Rost der Boden noch nicht rausgebrochen ist... und dass die Tuer sich nicht schliessen laesst ist ja egal, man kann sie schliesslich von innen zuhalten ;-) )
Ich geniesse den Luxus vorne neben dem Fahrer sitzen zu duerfen und merke erst nach mehreren Stops, als ich mich umschaue, dass sich die Leute hinter mir zu dritt (!) uebereinander bis unter die Decke stapeln.
Da hier kaum jemand Englisch spricht, stellt der nette Herr neben mir auf die Schnelle ein Woerterbuch 'Urwanda - Englisch' mit den wichtigsten Begriffen fuer mich zusammen (super!).

Und dann tauchen sie auf, die ersten alleruebelst aussehenden Bettler. Sie starren mich bei jedem Stop unermuedlich an und betteln und betteln. Manchmal habe ich das Gefuehl sie schlagen gleich mit ihrem Stock, an dem sie durch die Gegend humpeln, durchs Fenster auf mich ein, wenn ich ihnen nichts geben. Es ist grauenvoll und ich weiss nicht wirklich wie ich mich verhalten soll...
In der naechsten Stadt nimmt mich eine handvoll dicker, schwarzer Mamis an die Hand, die das gleiche Ziel am Lac Kivu haben wie ich auch - sehr nett! Wir hocken an der Busstation und warten. Vor mir steht ein Bettler wie ich es in meinem Leben noch nicht gesehen habe: seine nackten Fuesse schauen aus wie ein Blumenkohl (hoert sich vielleicht bloed an, aber ich weiss nicht wie ich es sonst beschreiben koennte): voller verwucherter Geschwuere und Pilze. So steht er im Dreck der Staubstrasse. Ich habe keine Ahnung was das ist, aber es tut mir schon beim Hinschauen weh. Er starrt mich eine Ewigkeit an und ich weiss ueberhaupt nicht was ich machen soll. Gebe ich ihm Geld in die Hand, fuerchte ich mich anzustecken. Gebe ich ihm ueberhaupt etwas, werde ich sofort auch die anderen Scharen von Bettlern um mich herum nicht mehr los. Ignoriere ich ihn, fuehle ich mich masslos schlecht, wie ich so dasitze mit meinen gesunden Fuessen in meinen dicken, guten Wanderschuhen...
Otile (die dicke Mami) sitzt neben mir, summt, mit einem Laecheln im Gesicht, leise vor sich hin und wiegt sich hin und her. Das beruhigt mich ein wenig und ich versuche mich auf die Frauen zu konzentrieren, die alle in diese wunderschoenen afrikanischen Stoffe eingewickelt herumlaufen.

Als der Bus kommt, traegt Otile meinen kleinen Rucksack und haelt mir einen Platz frei. Ich passe kaum neben sie, so fuellig ist sie (aber auch so wunderschoen in diese Tuecher gewickelt!). Waehrend der Fahrt nimmt sie meinen kleinen Rucksack auf den Schoss und schiebt mir dafuer ihre kleine koenigsblau glaenzende Handtasche herueber. Das sei sonst doch zu anstrengend meint sie. So sitze ich da, in Wanderschuhen und Trekkinghose, mit dem Handtaeschchen auf dem Schoss. Sie ist soo suess und wir unterhalten uns immer wieder so gut es geht in gebrochenem Englisch\Franzoesisch.
Die Landschaft, die wir durchfahren, ist wunderschoen - erinnert mich sehr an Ecuador :-) Die tollen Vulkane und dann der Sturzflug hinab in Serpentinen zum Lac Kivu.
Der Busfahrer faehrt vorbildlich und ueberholt nie vor Kurven - ungewoehnlich und angenehm!

In meiner Unterkunft in Gisenye angekommen mache ich mich auf den Weg zur Bank um mein Wochenbudget (150USD) ganz offiziell in Rwandische Francs zu wechseln. Auch hier bin ich mit der Rechnung des Bankangestellten nicht einverstanden und jetzt wird es schwierig das ganze in Franzoesisch auszudiskutieren. Also schlage ich vor die Schlange an Leuten hinter mir vorzulassen, damit sie nicht alle so lange warten muessen. Diese verstehen mich allerdings falsch, kommen alle zu mir, schauen mein Geld und die Umrechnung an um dann zu diskutieren was man da machen koennte. Da wird es mir nun definitiv zu dumm, ich reissen ihnen meinen Kram aus der Hand und sage nochmal ganz energisch, dass ich sie lediglich vorlassen will! Auch das verstehen sie falsch und verlassen alle schlagartig die Bank um vor der Tuer zu warten! Einer schaut noch um die Ecke und fragt ganz bedroeppelt ob das nun ok fuer mich sei!? Oh mein Gott, jetzt wird's peinlich! Schnell erledige ich den Kram und mache mich aus dem Staub.

Lt. Reisefuehrer soll Gisenye eine wunderschoene Uferpromenade haben. Ich verspreche mir mal nicht zuviel, da ich mit meiner europaeischen Vorstellungskraft in Afrika bisher nicht weit gekommen bin. So laufe ich durch die breiten Staubpisten der Stadt und finde, dass alles sehr einfach und uebel ausschaut. Und all die Menschen auf der Strasse starren mich an oder bleiben stehen und laufen dann langsam hinter mir her. Bleibe ich stehen, bleiben sie auch stehen, gehe ich weiter, gehen sie auch weiter. Hm, das gefaellt mir nun nicht so gut... Aber dennoch komme ich so nach einer Weile am Seeuefer an und staune ueber eine mittelpraechtig geteerte und von Palmen gesaeumte Strasse die am Ufer entlangfuehrt! Dazu ein Sandstrand und viele Kinder die im Wasser toben.
Gerne wuerde ich mich dort eine Weile hinsetzen und geniessen, wenn mich nicht alle so fuerchterlich anstarren wuerden! Da entdecke ich am benachbarten Strandabschnitt das noble 'Serena Hotel' mit Strandliegen und Sonnenschirmen und selbstverstaendlich darf ich als 'Mzungo' eintreten, mich auf einer Liege breit machen und mich mit Kaffee etc.bedienen lassen. Manchmal braucht man auf solch einer Reise einen Rueckzugsort dieser Art. Es ist so schoen wie abartig! Vom Strand nebenan rufen die schwarzen Kinder herueber, denen der Eintritt hier verboten ist und ich denke nur: 'Die werden mich abstechen, wenn ich i.d. Daemmerung wieder zuerueck in den Ort laufe...'
Es ist unvorstellbar welche Tueren einem die Hautfarbe oeffnet!
Ich liege am Strand, zu meiner Rechten die Stadt Goma der Demokr.Republ.Congo fusslaeufig erreichbar und vor mir, auf der anderen Seite des Lac Kivu diese endlose Bergkette des Congo. Es ist alles sehr beeindruckend und ich kann es mir nicht verkneifen bis zum wunderschoenen Sonnenuntergang zu bleiben um dann den unangenehmen Weg zurueck in meine Herberge auf mich zu nehmen. Und ganz ehrlich fuehle ich mich von den Jugendlichen bedroht, aber das kommt davon wenn man viel Geld von der Bank mit sich herumschleppt und in noblen Hotels Kaffee trinkt - selbst schuld!

Ja, an diesem ersten Tag in Rwanda habe ich die Kluft zwischen arm und reich als erschreckend empfunden und auch mich selbst hat es dazwischen hin und her gebeutelt.

Auch nach einer Woche habe ich das Land noch nicht so richtig geniessen koennen, aber mehr dazu im naechsten Reisebericht, denn jetzt muss ich mich auf die Socken machen um herauszufinden wo mein Bus Rtg. Tansania die Stadt verlaesst!

Also bis bald aus Tansania
Doerte

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Berggorillas auf der Suedhalbkugel 
Letzten Montag habe ich den Aequator ueberschritten und gruesse nun von der Suedhalbkugel :-)

Gut, dass ich puenktlich um 5:3Uhr im Dunkeln mein Kampala-zuhause verlassen habe und bereits um 6Uhr im Bus sass, der seinen Motor (wie sich das gehoert) bereits gestartet hatte. Geplante Abfahrtzeit 6:30Uhr. Ich war hundemuede, konnte aber leider kein Auge zutun, da der Fahrer wild agressiv immer wieder den Motor aufheulen lies und den Bus ruckartig die wenigen freien Millimeter Platz zum naechsten Bus vor uns vorschoss um den Passanten zu zeigen wer hier der Staerkere ist und um weitere Fahrgaeste zu gewinnen.
Nach mehreren Motorreparaturen und offensichtlich endlich ausreichend geladenen Passagieren verliessen wir geg. 8Uhr Kampala (also nicht ganz planmaessig...).
Noch weniger planmaessig war die Ankunftszeit in Buhoma (Bwindi National Park) die sich wundersamer Weise von 15Uhr auf 19Uhr verschob. Na ja immerhin noch nicht stockduster, so dass das es mir in dieser Gegend ohne Strom noch moeglich war eine Unterkunft zu finden.
Und eigentlich sollte ich froh sein ueberhaupt angekommen zu sein - nennt man diese Busgesellschaft 'Gateway' doch auch 'Gateway to hell'... Und dennoch eine der bevorzugten Busgesellschaften innerhalb Ugandas und die einzige die Kampala mit Buhoma verbindet. Und schliesslich waren es die Matatus die rechts und links im Strassengraben lagen und nicht wir!
Bemerkenswert auch, dass die Busse nicht zwei und zwei, sondern zwei und drei Sitze in einer Reihe haben, was eine 13stuendige Busfahrt zwar komfortabler als eine 11/2stuendige Matatufahrt macht, sitzt man allerdings am Fenster, fungiert man automatisch als Mittelsmann zwischen den Essenverkaeufern, die bei jedem kurzen Stop sofort ihre Chapatis, Matoke, Fleisspiesse, gebratene Bananen, Kuchen, Getraenke und und und anbieten, und den Sitznachbarn. Das an sich ist noch nicht tragisch. Faehrt der Bus jedoch los bevor der Verkaeufer das Wechselgeld durchs Fenster hineingereicht hat, dann kann die Situation schon mal haarig werden...
Na ja, wenn man die befestigte Strasse erstmal hinter sich gelassen hat und 5Stunden Schlagloch Schlammpiste vor sich hat, dann sitzen frueher oder spaeter sowie jeder jedem auf dem Schoss, da man so dermassen hin und hergeschleudert wird, dass man von Anschnallgurten traeumt und nur hofft nicht zu feste mit dem Kopf gegen die Scheibe oder sonstwas geschleudert zu werden um keiner Gehirnerschuetterung zu erliegen. Ich weiss wenigstens woher die blauen Flecken stammen die meinen Koerper zieren ;-)

Gottseidank habe ich einen Tag Erholung von dieser Busfahrt eingeplant bevor es auf Gorillapirsch ging - oh man, war das aufregend!
Jeder erzaehlte mir, dass es Stunden ueber Stunden Trekking auf ausgesprochen unwirtsamem Gelaende (unter Umstaenden bei stroemendem Regen) durch die Waelder bedeuten koennte bis man die Gorillas endlich aufspuerte - wenn man sie ueberhaupt aufspuert... Auweia - ich wollte doch diese mit Abstand groesste Ausgabe meiner Reise fuer die 'Gorilla permission' nicht fuer nichts und wieder nichts getaetigt haben!
In aller Fruehe bevor es losging traf ich dann auf die Upper class Reisenden, die aus der ganzen Welt fuer ein oder zwei Wochen nach Uganda kamen um sich das Vergnuegen mit den Gorillas zu goennen und in den schicken Safari Lodges zu wohnen. Ein komisches Gefuehl nach drei Wochen fast ohne Strom und fliessend Wasser, in denen ich nun, glaube ich, jede Art von Plumpsklo kennengelert habe, die man sich nur vorstellen kann ;-)
Nun ja, jeder der Damen und Herren goennte sich fuer den angekuendigten Gewaltmarsch einen Traeger fuer den kleinen Tagesrucksack und los ging's mit unserem Guide und bewaffneter Begleitung, da wir uns im Grenzgebiet zum Kongo befanden.
Waehrend ich mir noch ueberlegte ob ich den Tag mit meinen 11/2 Liter Wasser ueberleben wuerde, wies uns der Guide nach 5min. Marsch an ihm rechts ins Gebuesch zu folgen. Er schlug uns mit seiner Machete einen Weg und da sassen sie vor uns: die Berggorillas! Also, ich fand ja das war zu einfach - ein bisschen gesucht haette ich schon ganz gerne... Aber wie auch immmer, verbrachten wir ein tolle Stunde in Gesellschaft der kompletten Gruppe, die aus 15Gorillas bestand - inkl. einem dieser zum Fuerchten riesig und kraeftigen Silverbacks. Sie mampften alle gemuetlich vor sich hin und zum Schluss tobten die Kleinen noch wild auf den Aesten herum als wollten sie uns eine kleine Vorfuehrung geben und zeigen, dass sie sich in unserer Gesellschaft offensichtlich wohl fuehlten. Schoen war's, aber wenn ich ehrlich bin habe ich es mir noch ueberwaeltigender vorgestellt. Es war definitiv zu teuer, aber dennoch bin ich froh, dass ich sie gesehen habe - wer weiss, wie lange es diesw Tiere noch geben wird.

Was nun tun mit dem angebrochenen Tag!?
Gut, dass man in Uganda offensichtlich immer 'gefunden wird' und nie grossartig selber nach etwas oder jemandem suchen muss. So fand mich an diesem Tag die junge Uganderin Rosette, die mir begeistert erzaehlte, dass sie, mit einer Gruppe von ca. 20 Leuten, heute ihre mehrwoechige Ausbildung zum 'Bird Guide' bei der USAGA (Uganda Safari Guide Association) im Bwindi NP abgeschlossen hat. Stolz ludt sie mich ein an der Abschlusszeremonie (inkl. Festessen und -trinken) teilzunehmen.
Toll! Es gab einen grossen, wichtigen Ehrengast (irgendein Districtoberster, der sich sehr fuer den Tourismus in Uganda angagiert) und der, als er nach einer Std. warten endlich eintraf, als erstes nach Gummistiefeln verlangte um sich seine frisch polierten Schuhe und den Anzug auf den Schlammstrassen des Dorfes nicht so schmutzig zu machen... Ja, sogar die Presse war anwesend und ich somit natuerlich unendlich stolz als einziger internationaler Gast (sozusagen als Vertretung fuer die Touristen in Uganda) vorgestellt zu werden :-)
Jeder einzelne nahm in seiner Rede und Ansprache dann auch kurz Bezug auf Deutschland und der Ehrengast erzaehlte ganz besonders stolz, dass er schon in Deutschland war als es mich noch garnicht gab... Es war wunderbar und ich genoss es unendlich mit diesen Leuten bei stroemendem Regen dort unterm Stohdach zu hocken und ihnen zu lauschen.

Leider musste ich das Dorf dann am spaeten Abend schon verlassen als sich die Gelegenheit ergab auf einem Pick up ins naechst groessere Dorf zu gelangen von wo aus der einzige Bus, der aus dieser Gegend herausfuehrt, am naechsten Morgen um 5Uhr(!) starten sollte.

Und so ging meine Reise weiter gen Sueden, da ich inzwischen den Entschluss gefasst habe nach Ruanda zu gehen.

Drei Tage habe ich auf einer kleinen, einsamen Insel im Lake Bunyonyi (auf 2000m Hoehe) verbracht. Zu dieser Insel gelangt man indem man eine Stunde in einem kleinen ausgehoehlten Eukalyptusbaumstamm paddelt. Die Luft ist fantastisch und der See (der tiefste Ugandas) angeblich aufgrund seines hohen Minaralstoffgehalts bilharziosefrei. Ich hoffe es stimmt, denn ich konnte es mir nicht verkneifen eine Runde darin zu schwimmen. Na zur Not folge ich dem Rat des Australiers Math, der mir erzaehlte es gaebe hier in Afrika an jeder Ecke ein Medikament gegen Bilharziose...
Jedenfalls habe ich die Tage auf der Insel mit einer Handvoll anderer Backpacker aus Finnland, Spanien und Australien sehr genossen und auch deren Weltbild wieder zureckgerueckt, da sie angeblich seit Wochen keinem Deutschen in Ostafrika begegnet sind...

Ja und dann hiess es weiterreisen, da sich mein Uganda-Visum dem Ende neigt und sowieso der Rest meiner geplanten Afrika Reise einen strammen Zeitplan fordert. So sitze ich jetzt die letzte Stunde hier in Oertchen Kisoro (im Dreilaendereck Uganda, Kongo, Ruanda), vor dessen Toren ein riesen Fluechtlingskamp mit Fluechtlingen aus dem Kongo zu finden ist. Hilforganisationen aus aller Welt sind vor Ort und es ist erstaunlich mit welcher Selbstverstaendlichkeit das Leben hier dennoch seinen ruhigen Lauf nimmt.

Ich lasse meine Wochen und Erlebnisse in Uganda nochmal revuepassieren... Immer wieder war ich stolz einige Fetzen der Einheimischen Sprache gelernt zu haben und die Leute mit "Guten Tag", "Wie geht es" und "Dankeschoen" ansprechen zu koennen und immer wieder war ich enttaeuscht, wenn ich eine Stunde weitergereist bin und mich die Leute bei der Benutzung der gleichen Worte fragend angeschaut haben. Mind. vierzig unterschiedliche Sprachen gibt es hier in Uganda, d.h. jede Region hat seine eigene und irgendwann habe ich verzweifelt aufgegeben.
Aber ein regionsuebergreifendes Wort habe ich rausgefunden. Und zwar das, welches mir am alleraller wichtigsten erschien: "Modugavu" (Schwarzer Mann!). So konnte ich dem ewigen "Mzungo, Mzungo"-Geschrei etwas entgegenhalten. Und meist waren die Leute danach ruhig :-) jawoll!

Und ueberhaupt habe ich herausgefunden, dass man hier einfach nur mal ein lautes, energisches Machtwort sprechen muss, wenn man, z.B. von den ganzen Bodaboda-Fahrern, die einen ueberfallen und nach dem Gepaeck grabschen sobald man aus einem Matatu aussteigt, seine Ruhe haben will. Es funktioniert wunderbar :-)

Ja und den tiefsten Eindruck bisher hat der Anblick einer Kinderkrankenstation im 'Salem Brotherhood" hinterlassen. Ich habe mir inzwischen unzaehlige Hilfsorganisationen und -projekte angesehen, aber dieses Bild werde ich nicht vergessen. Eine Station wie sie bei uns in Deutschland unvorstellbar waere, aber fuer die Menschen hier ein unendlich wertvoller, bzw. hoffnungsvoller Ort.

Mit den Erinnerungen verabschiede ich mich jetzt aus Uganda, mein Motorradboda (welches mich zur ruandischen Grenze bringt), wartet schon.
In die 'Schweiz Ostafrikas' geht es nun. Dann heisst es wieder rechts fahren anstatt links. Und ich sollte nun auch ganz schnell versuchen schnellstens irgendwo in meinem Hirn meine Franzoesischkenntnisse wieder auszugraben, ansonsten werde ich wohl aufgeschmissen sein.... Na, wird schon werden :-)

Und fuer die, die sich Sorgen machen: Ich bin vielen Reisenden begegnet die aus Ruanda kamen oder gerade auf dem Weg zur Grenze waren. Es ist sicher, sonst wuerde ich nicht gehen!

Viele liebe Gruesse aus dem kuehlen Kisoro und
bis bald aus Ruanda oder Tansania
Doerte


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